26 Juni, 2006

Springer, Fußball-WM und Pressefreiheit

--- In den vergangenen Wochen ist einiges beim Springer-Verlag passiert. Über die Fusionspläne haben wir schon berichtet, jetzt, da es konkret wird, schlagen die Gewerkschafter Alarm. Der DJV schreibt in einer Pressemitteilung: "Axel Springer muss Stellen und Meinungsvielfalt erhaltenDer DJV fordert von den Verantwortlichen des Axel Springer-Konzerns, den zunehmenden Trend, Redaktionen zusammenzulegen, umgehend zu beenden. Die Axel Springer AG hatte heute verkündet, dass Welt, Welt am Sonntag, Welt kompakt und Berliner Morgenpost Gesamtressortleiter in den Ressorts Politik und Wirtschaft erhalten. "Wenn vier Zeitungen in den zentralen Ressorts gemeinsame Ressortleiter haben, stehen die Presse- und Meinungsvielfalt sowie Arbeitsplätze auf dem Spiel", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken die Entwicklungen bei Springer. Erst kürzlich hatte der Verlag einen gemeinsamen Newsroom für die vier Titel und Welt Online angekündigt und eine gemeinsame Chefredakteursrunde gegründet.Werde dieser Trend nicht gestoppt, würden sich die Blätter irgendwann nur noch im Layout unterscheiden. Konken: "Dafür aber werden weniger Mitarbeiter benötigt als bisher, Personalabbau wird die Folge sein. Und den Zeitungslesern wird statt Meinungsvielfalt zunehmende Meinungseinfalt geboten." Die Axel Springer AG habe aus wirtschaftlicher Sicht ein solches Vorgehen nicht nötig. Der DJV fordert deshalb von den Verantwortlichen, die Politik- und Wirtschaftsressorts der Zeitungen nicht zusammenzulegen und solche Vorhaben auch für die Zukunft ad acta zu legen."
Tja, da treffen Ethik und wirtschaftliche Interessen aufeinander. Klar ist, Springer muss vor allem bei der Welt aus den roten Zahlen kommen, sonst sieht die Zukunft des Titels düster aus und damit auch die Arbeitsplätze.

Und ansonsten:
** Burda ist weiterhin Vorsitzender des VDV. Er wurde ohne Gegenkandidat bestätigt.

** Der DJV regt sich über die Akkreditierungsbedingungen für Journalisten bei der WM auf: "Der DJV protestiert gegen Akkreditierungbedingungen, die einen Abgleich der persönlichen Daten mit polizeilichen Dateien und Informationssystemen der Nachrichtendienste voraussetzen. Nach der Akkreditierung zur Fußball WM müssen die Journalisten einer solchen Zuverlässigkeitsüberprüfung aktuell auch bei ihrem Akkreditierungsantrag für den im September anstehenden Papstbesuch in Bayern zustimmen." Der Verband spricht von "Knebelkonditionen. Entweder sie stimmen der Datenüberprüfung zu oder sie dürfen nicht berichten. Das kommt quasi einem Berufsverbot gleich. Diese Entwicklung muss umgehend gestoppt werden", fordert Konken." In Zeiten des Terrors ist das wohl kaum zu vermeiden.

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22 Mai, 2006

Döpfner: Geschichte der Medien

--- Zur Geschichte der Medien zeichnet Mathias Döpfner, Vorstandschef des Springerverlags, folgende Entwicklungslinien: "Die kollektive Angst ist so groß wie lange nicht. Nun ist die Krise für Zeitungsverleger nichts Neues. Als Johann Carolus vor 401 Jahren in Straßburg die erste Zeitung herausgab, drohte er schon zwölf Tage nach Ersterscheinen wieder mit der Einstellung. Beim Bürgermeister beklagte er sich über Kopisten, die ihm das Geschäft zerstörten. Am Anfang der Zeitung stand die Krise. Es war eine Urheberrechtskrise. Um 1900 herum war es dann eine Qualitätskrise, man fürchtete Banalisierung und Verflachung. Die nächste große Krise kam 50 Jahre später, als man die Existenz der Zeitung durch das Fernsehen bedroht sah. Dann kam die "Bild"-Zeitung, und während im Jahr 1900 nur zehn Prozent der Deutschen Zeitung lasen, waren es hundert Jahre später 73 Prozent. 1990 prophezeite Bill Gates, daß es im Jahr 2000 keine Zeitung mehr geben werde. Er täuschte sich. Im Jahr 2000 erwirtschafteten die Zeitungsverlage weltweit die höchsten Gewinne der Geschichte.
Und dennoch herrscht seit einigen Jahren wieder Krise. Die große Anzeigen-, Auflagen-, Internet- und Strukturkrise. Wir Medienmanager lieben die Krise. Wir brüsten uns geradezu damit, wer die Krise am schonungslosesten beschreibt. Niemand will Dinosaurier sein. Deswegen geben wir uns alle extrem veränderungsbereit und im Schumpeterschen Sinne zerstörungsfreudig. Auch ich. Aber wir müssen aufpassen, daß wir nicht Selbstmord begehen aus Angst vor dem Sterben."

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25 April, 2006

Springer: Fusion von Welt, Wams und Mopo

--- Im Springer-Verlag geht es rund. Künftig sollen die Online-Redaktionen von Welt, Welt am Sonntag und der Berliner Morgenpost zusammengelegt werden. Die Redakteure der Zeitungen sollen stärker kooperieren, was immer das heißt. Fakt ist: Die Welt macht seit langem Minus, die Mopo seit der Fusion mit der Welt wohl auch oder schwächelt zumindest. Man wolle den größten Newsroom der Welt schaffen, heißt es bei Springer. Na, mal sehen wie das aussieht - ein Großraumbüro für alle, die Fusion der Redaktionen?

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01 Februar, 2006

Springer gibt auf

--- Nach langem hin und her gibt der Springer-Verlag seine Pläne auf, die ProSieben Sat1 Media AG zu übernehmen. Offiziell heißt es: "Der Vorstand der Axel Springer AG und das Board der P7S1 Holding L.P. haben gemeinsam beschlossen, die Pläne zur Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG nicht weiterzuverfolgen.Das Bundeskartellamt hatte den beabsichtigten Erwerb der ProSiebenSat.1 Media AG am 23. Januar 2006 untersagt. Die Axel Springer AG hatte daraufhin angekündigt, die ihr zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen zu prüfen.Nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung sind die Axel Springer AG und die P7S1 Holding L.P. zu der Auffassung gelangt, daß auf Grund der zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten eines möglichen Klageweges oder eines möglichen Ministererlaubnisverfahrens für alle Beteiligten unzumutbare Risiken entstünden. Damit werden weder der Aktien- und Geschäftsanteilskaufvertrag zwischen der Axel Springer AG und der P7S1 Holding L.P. vom 5. August 2005 noch das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der Axel Springer AG an die Aktionäre der ProSiebenSat.1 Media AG vom 16. September 2005 vollzogen werden. " Diskutiert im Forum.

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24 Januar, 2006

Springer: Offizielles Nein vom Kartellamt

--- Seit wenigen Minuten ist es hoch offiziell: Das Bundeskartellamt untersagt die Fusionspläne von Springer. "Nach Kartellamtspräsident Böge würde der Zusammenschluss auf dem Fernsehwerbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen sowie dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen zu einer nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähigen Marktmacht führen." Auf dem Fernsehmarkt würden Springer und Bertelsmann über ein "wettbewerbsloses Duopol ohne wesentlichen Wettbewerb durch Außenseiter" verfügen; auf dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen "erhielte Springer die Möglichkeit, die Stellung der BILD durch werbliche und publizistische medienübergreifende Unterstützung (crossmediale Promotion) weiter abzusichern und damit zu verstärken" , auf dem Anzeigenmarkt für Zeitungen würde die Fusion mit Prosieben/Sat1 "die marktbeherrschende Stellung von Springer auf dem Anzeigenmarkt für Zeitungen weiter absichern". Nun bleibt die Frage, ob die Politik sich zu einer Ministererlaubnis durchringen kann, wie heute die Netzeitung berichtet. Diskussionen im Forum.

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17 Januar, 2006

Springer: Medienmacht verhindert Fusionspläne

--- Heute legt die FAZ nach und beschäftigt sich mit der Frage, weshalb die Fusionspläne von Springer nun vermutlich endgültig scheitern werden. Vor allema ber diskutiert die FAZ noch einmal die Frage nach der Medienmacht. Wie in der Medienwirkungsforschung insgesamt, dürfte auch hier offen sein, wie Macht entsteht und wer sie letztlich besitzt. Dazu die FAZ: "Es ist bei all dem betrüblich zu konstatieren, daß nicht wenige den Rahmen, vor dem sich all dies vollzieht, zu eng stecken. Wenn der Springer-Chef Döpfner davon spricht, daß es bei dieser Fusion nicht um cross-mediale Effekte gehe und auch nicht darum, „Bild-TV” zu machen, sondern sich gegen die Yahoos, Ebay und Googles dieser Welt zu rüsten, können ihm viele - gerade in der Medienpolitik - offenbar nicht folgen, weil ihr Verständnis an nationalen Grenzen endet. Es kommt bei dieser Fusion doch gerade nicht darauf an, eine „nationale” Lösung zu protegieren, sondern zu verstehen, daß die Entwicklung der internationalen Medienbranche über Unternehmen von der Größe, wie sie Springer jetzt besitzt, längst hinweggegangen ist. Es mag zwar schick sein und dem Meinungsmainstream entsprechen, vor der Meinungsmacht Springers zu warnen und diese begrenzen zu wollen. Doch haben weder die Medien- noch die Wettbewerbswächter dafür nicht das richtige Verständnis und auch nicht das richtige Instrumentarium. Denn, wie bitte schön, mißt man „Medienmacht”, die verhindern können soll, daß Springer Pro Sieben Sat.1 bekommt? Warum wird von der Kek die potentielle „Meinungsmacht” von Zeitungen potentiell höher bewertet als jene von Zeitschriften, wie zum Beispiel „Spiegel”, „Stern” oder „Focus”? Das sind Fragen über Fragen, die sich einer juristischen Bewertung werden entziehen können - weil dafür die Zeit nicht bleibt. Wenigstens tun die Chefs der Landesmedienanstalten gut daran, das Votum der Kek in dieser Sache noch einmal zu untersuchen. Auch diesen fünfzehn Aufsehern der Privatsender mochte man bei ihren Entscheidungen über die Jahre immer wieder mal Kleinstaaterei oder betonte Standortinteressen vorwerfen. Doch arbeiten sie wenigstens mit einem verläßlichen rechtlichen Rahmen."

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04 Januar, 2006

Springer/ProSieben: Wie geht es weiter?

--- Derzeit dominiert die Medienseiten der großen Tageszeitungen nur noch ein Thema: Die geplante Übernahme der ProSieben/Sat1-Media durch den Springer-Konzern. Die Debatte kocht inzwischen so hoch, dass die gesamte Medienbranche, inklusive Landesmedienanstalten, der Kommission zur Ermittlung des Konzentrationsbedarfs und das gesamte Pressefusionsrecht zur Disposition stehen. Grund genug, die aktuelle Debatte intensiv weiterzuverfolgen.

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22 November, 2005

Pressefusion: Böge stoppt Springer-ProSiebenSat1

--- Mit einer mehr als deutlichen Pressemitteilung hat Bundeskartelamtschef Ulf Böge seine Ablehnung zur geplanten Übernahme von Pro Sieben/Sat 1 Media durch Springer zum Ausdruck gebracht. "Nach bisheriger Einschätzung des Bundeskartellamt wäre der Zusammenschluss der Axel Springer AG (Springer) mit der ProSiebenSat.1 Media AG (ProSiebenSat.1) kartellrechtliche nicht genehmigungsfähig. Betroffen wären von dem Zusammenschluss der Fernsehwerbemarkt, der Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen sowie der bundesweite Anzeigenmarkt für Zeitungen. Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge: „Auf den drei betroffenen Märkten würde die Fusion von Deutschlands größtem Zeitungsverlag, der nach eigener Darstellung des Verlags auch international zu den führenden Medienunternehmen zählt, und dem TV-Unternehmen ProSiebenSat.1 nach derzeitiger Einschätzung zu einer nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähigen Marktmacht führen.“
Zuvor bereits hatte das Kartellamt die Übernahme der Berliner Zeitung durch den Holtzbrinck-Verlag gestoppt. Holtzbrinck besitzt den Tagesspiegel. Die neue Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits angekündigt, dass sie gedenkt, dass Pressefusionsrecht zu überarbeiten und zu modernisieren.
UPDATE: Die Zeit widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe dem Thema mit kritischen Einwürfen zur Argumentation des Bundeskartellamtes.

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25 Juli, 2005

Bild rüstet sich

--- Die Bild-Zeitung arbeitet an einem Gratisblatt. In einem Interview mit dem Kontakter sagte Bild-Verlagsgeschäftsführer Nienhaus, sollten Konzerne eine Gratiszeitung auf den Markt bringen, sei der Springer-Verlag gerüstet. In bis zu 15 deutschen Städten könne er sich eine Gratiszeitung vorstellen. Die Verlage versuchen derartige Blätter zu vermeiden, da sie eine Kannibalisierung des Marktes befürchten.

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10 März, 2005

Döpfner rechnet mit Aufschwung

--- Gute Nachrichten aus dem Verlagswesen: Springer-Vorstandschef, Mathias Döpfner, sieht erste Vorboten für eine Konjunkturerholung in der Medienlandschaft. Das erklärte er auf der Bilanz-Pressekonferenz, wie die FAZ berichtet. Springer hat durch seinen Sparkurs wieder einen satten Gewinn eingefahren. Das Jahr 2006 werde wegen Sondereffekte, etwa die Fussball-WM, zur "nachhaltigen und deutlichen Konjunkturerholung" beitragen. Döpfner betonte, dass sein Verlag weiter versuchen werde, Gratiszeitungen zu verhindern. Qualitätsjournalisten werden das gerne hören.

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