03 April, 2008

Journalisten blicken positiv in die Zukunft

--- Die DPA-Tochter Newsaktuell hat 3000 Redakteure nach ihrer Meinung gefragt, ob es richtig ist, dass die Zeitungsverlage ins Online-Geschäft insvestieren. Spannende Erkentnis: Nur zwei Prozent der Redakteure glauben, dass das Onlineangebot das Printgeschäft schädigt. Bislang galt das immer als eines der Haupt-Gegenargumente und war letztlich auch ein Argument der Verlage, weshalb es ihnen wirtschaftlich nicht mehr so gut geht, wie noch vor acht Jahren.


Überhaupt scheint die Stimmung unter den Journalisten momentan besser zu sein als vermutet. Trotz teilweise düsterer Zukunftsprognosen sind mehr als zwei Drittel der deutschen Medienmacher mit ihrer beruflichen Situation im Allgemeinen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Mehr als drei Viertel von ihnen meinen, dass ihre Arbeit Freude bringe, drei von vier halten ihren Aufgabenbereich für interessant und vielseitig und zwei Drittel haben genügend
Freiräume, um den eigenen Job kreativ zu gestalten. Lediglich 16 Prozent sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation und klagen über zu kleine Gehälter oder mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten.


Die meisten Redakteure sind überzeugt, dass Printmedien immer noch die Leitmedien schlechthin sind. Sorgen machen sie sich laut Umfrage aber auch.


Als größte Gefahren für den etablierten Journalismus werden schlechte Ausbildungen genannt, dicht gefolgt vom Outsourcing gesamter Redaktionen und der Abkehr der jüngeren Generation vom Qualitätsjournalismus.

Labels: , , ,

24 März, 2008

Die Qual des Schreibens

---

Derzeit lese ich das Buch “Majakowskiring” von Marlene Streeruwitz - ein kompliziertes und vielleicht nicht wirklich zu empfehlendes Buch, oder vielleicht doch: sicher bin ich mir noch nicht. Ein Absatz darin trifft zumindest exakt das Leben eines schreibenden Journalisten und soll daher hier zitiert werden:

Was sollte sie kochen. Sie lehnte sich gegen die Liftwand. Es war wunderbar, sich einem so trivialen Gedanken hingeben zu können. So lange sie als Journalistin gearbeitet hatte, war nie ein Ende gewesen. Sie hatte nicht von der weggehen können, ohne weiter über die Probleme nachdenken zu müssen. Ohne nicht noch lange alles mit hinaus zu schleppen. Nur daran zu denken, was gekocht werden sollte. Sie lächelte.

Das ist die Qual des Journalisten-Daseins. Es gibt kein Ende. Die Gedanken gehen immer weiter, ein Thema verfolgt einen, auch der Gedanke, andere und ihr Handeln in die Öffentlichkeit zu ziehen. Fehlt etwas, muss ich noch telefonieren? Jemanden konfrontieren? Eine Qual. Aber eine schöne Qual.

Labels: ,

20 November, 2007

La Tribune: Unternehmer machen Zeitung

--- Am Wochenende durften 34 französische Topmanager die Wirtschaftszeitung "La Tribune" selbst gestalten. Darüber berichtet die FAZ heute:
"Heraus kam ein Blatt, das sich auf den ersten Blick wenig von den sonstigen Ausgaben unterscheidet. Auf den zweiten Blick fallen jedoch interessante Konstellationen mit einigen bemerkenswerten Ergebnissen auf: Da fragte etwa Maurice Lévy, der Chef der größten französischen Werbeagentur Publicis, im Interview Lindsay Owen-Jones, den Verwaltungsratsvorsitzenden von L'Oréal, ob er die hohe Rate ausländischer Kapitalbeteiligungen an französischen Unternehmen für ein Problem halte. Immerhin befänden sich mehr als die Hälfte der CAC-40-Unternehmen im Besitz von ausländischen Investoren. OwenJones daraufhin: "Ihre Frage ist fast schon schockierend!" Natürlich sei dies kein Problem, denn wer seine Produkte weltweit verkaufe, müsse auch internationale Investoren in seinen Aktionärskreis aufnehmen. "Mit welchem Recht kommt man zu der Annahme, dass ausländische Aktionäre eine irgendwie andersartige und minderwertige Qualität haben als französische?"

In einem anderen Artikel versuchte Christoph de Margerie, der Präsident des Total-Konzerns, den Lesern die Angst vor den berüchtigten Staatsfonds zu nehmen. Denn diese könnten ja auch durchaus willkommene Geldgeber sein. Im Übrigen solle man zwischen Staatsfonds und Unternehmen im Staatsbesitz unterscheiden. Die französischen Energieversorger EdF und GdF dürften ja auch nicht mit Staatsfonds verwechselt werden."

(...)

"Eine Zusammenfassung der journalistischen Erfahrungen durfte Werbefachmann Lévy im Editorial liefern: "Welch ein Wind der Bescheidenheit wehte an diesem eiskalten Sonntag um diese großen Patrons, die den Beruf des Journalisten ausprobierten", schwärmte er. "Welch plötzliches Verständnis für die Schwierigkeiten, die Journalisten auf jeder Etappe der Erstellung von Artikeln haben können!", schrieb er. Einen Kollegen habe Lévy etwa fluchen hören, weil er einen Ansprechpartner nicht erreichen konnte; ein anderer machte die Erfahrung, dass die Kontaktperson nicht mit der Presse reden wollte.

Lévys Schlussfolgerung: Mehr Bescheidenheit sei angebracht. Er habe nun Einblick erhalten in die professionelle und technische Komplexität der Zeitungsproduktion, die besonders in Frankreich mit wirtschaftlich begrenzten Mitteln zurechtkommen müsse. Daher nimmt er sich jetzt den Vorsatz: "Ehrenwort, beim nächsten Mal überlege ich zweimal, bevor ich über einen Zeitungsartikel fluche.""




Diskussionen im FORUM

Labels: ,

17 Juli, 2007

Bitkom: Jeder Fünfte liest online Zeitung

--- Jeder fünfte Deutsche liest laut einer Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) online Zeitung. "Im ersten Halbjahr 2007 wurden die 20 meistgenutzten News-Portale in Deutschland rund 1,8 Milliarden Mal besucht – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2006", berichtet Bitkom. liarden. 'Getragen wird der Boom von klassischen Zeitungen und Magazinen. Sie haben ihre Online-Portale in den vergangenen Monaten massiv ausgebaut. Die Grenzen zwischen gedruckter Zeitung und Online-Journalismus schwinden', sagte Prof. August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM."
Die Mitglieder des Bitkom freut es natürlich, wenn die Zahl der Online-Nutzer steigt. Nicht ohne Grund beklagt der Verband deshalb auch, dass Deutschland noch lange nicht Spitze ist. "Im europäischen Vergleich liegen die Deutschen bei der Nutzung von News-Portalen allerdings nur unwesentlich über Schnitt. Während 2006 hier zu Lande 19 Prozent der 16 bis 74-Jährigen Nachrichten im Internet lasen, waren es im EU-Durchschnitt 18 Prozent. Zu den Spitzenreitern zählen Finnland (46 Prozent) und Schweden (41 Prozent), zu den Schlusslichtern Irland (8 Prozent) und Rumänien (7 Prozent). Dennoch: In fast allen Mitgliedsstaaten der EU sind die Nutzerzahlen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen – auch in Deutschland. Hier betrug die Quote 2002 erst 10 Prozent und 2004 15 Prozent. Das geht aus Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor."

Labels: , ,

17 April, 2007

Neues bei Tageszeitungen

--- Mit dem Internet und neuen Themenpräsentationen fangen auch die Tageszeitungen an, sich der Moderne zuzuwenden. Die Frankfurter Rundschau erscheint künftig im Tabloid-Format - wohl a su kostengründen - und die FAZ überlegt, öfter Fotos auf der Titelseite zu platzieren und die Frakturschrift über den Kommentaren gegen eine neue auszutauschen. Das ist doch mutig.
*** Und sonst: Die Welt stellt ihre Medienseite ein. Da 60 Mitarbeiter mehr oder minder rausgeworfen wurden (bei Welt, Welt am Sontag und Berliner Morgenpost) und nun in einer Beschäftigungsgesellschaft ihr Dasein fristen, ist niemand mehr für die Spezialseite da. Schade.

Labels: ,

09 März, 2006

Cebit: Welches Medium gewinnt?

--- Die FAZ widmet sich heute der Vermarktungsgesellschaft Seven One Media, einer neuen Tochter von Prosieben Sat1. Logisch, dass die Gesellschaft das Fernsehen feiert und vor allem die Privaten. Basierend auf Zahlen der GfK-Fernsehforschung stelltSeven One Media fest: Deutsche ab 14 Jahren verbringen täglich zehn Stunden mit Medien, dies seien eineinhalb Stunden mehr als noch vor fünf Jahren. Platz 1: Fernsehen mit 168 Minuten. 2. Radio (142). 3.Internet (59). 4. Zeitungen (21). 5. Zeitschriften (15). Alles laufe also toll, die Digitalisierung schreite voran, welcome to the digital homeplace. Fazit der FAZ: "Doch ob dies wirklich ein Spiegelbild der digitalen Zukunft ist, wie Seven One Media meint? Daran darf man seine Zweifel haben."

Labels: , , ,