27 Oktober, 2007

Flammeninferno: Pressefreiheit in Gefahr

--- Was macht eine Behörde, die öffentlich in die Kritik geraten ist, weil sie die Menschen nicht vor ausufernden Waldbränden schützen konnte? Die US-Notfallbehörde Fema inszeniert einfach eine Pressekonferenz mit falschen Reportern, die seichte Fragen stellen. Das kann nicht wahr sein? Doch! Der Spiegel berichtet: "Es waren erfreulich harmlose Fragen, mit denen sich Harvey Johnson konfrontiert sah. "Sind Sie zufrieden mit Femas Reaktion?", fragte ein Reporter den Vizechef der Federal Emergency Management Agency zur Brandkatastrophe. "Ja, ich bin sehr zufrieden", antwortete Johnson. Kritischer wurde es im Verlauf der am vergangenen Dienstag von der Fema in Washington anberaumten Pressekonferenz nicht - denn alle vermeintlichen Journalisten vor Ort waren in Wirklichkeit Fema-Mitarbeiter, wie die "Washington Post" jetzt herausfand. Die Behörde hatte ihre Pressekonferenz zu den schweren Waldbränden in Kalifornien erst 15 Minuten vor Beginn angekündigt. Deshalb war es keinem einzigen Reporter möglich, bei der Veranstaltung präsent zu sein. Einige Journalisten ließen sich telefonisch zuschalten, konnten jedoch keine Fragen stellen.
Vor Ort waren neben Johnson lediglich Mitarbeiter der Fema anwesend. Die Pressekonferenz wurde von mehreren TV-Stationen übertragen. Die Behördenleute gaben sich zu keiner Zeit als Fema-Angestellte zu erkennen und stellten ihrem Vorgesetzten etliche lammfromme Fragen."


Diskussionen im FORUM

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06 April, 2007

Zeitungen verlieren Auflage, hier wie da

--- Die deutschen Zeitungen verlieren weiter Auflage. Waren es in den Neunzigern noch 33 Millionen, so liegt die Zahl bei weniger als 27 Millionen. Vor allem die Eliten informieren sich fast ausschließlich übers Internet (Infos vom BDZV). Werden die Printmedien zum Mittelschichten-Medium?
In den USA ist das Phänomen ähnlich. Laut Columbia School of Journalism sank die Auflage 2006 um drei Prozent, so viel wie noch nie. Auch der Fernseh- und Internetkonsum nehme ab. Werden die Amerikaner Naturalisten?
Und sonst: 2006 starben so viele Journalisten in ihrem Job wie seit 1994 nicht mehr: 81 waren es, die meisten kamen im Irak ums Leben.

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29 August, 2006

Vanity Fair: Die Zukunft der New York Times

--- Wie der Economist, so beschäftigt sich auch das US-Gesellschaftsmagazin Vanity Fair in seiner aktuellen Ausgabe mit der Zukunft der Medien, speziell mit dem Tageszeitungs-Schlachtschiff der Amerikaner, der New York Times. Dazu fasst der Perlentaucher in seiner Magazinumschau zusammen: "Michael Wolff hat einen atemberaubenden Bericht über den Zustand der New York Times verfasst. Die Aktien sind seit 2002 um fünfzig Prozent gefallen. Die Zeitung ist so schwach geworden, dass sogar die "schwachen Bush-Leute sich stark genug fühlen, sie anzugreifen". Das Publikum läuft weg, Shareholder nagen an ihr, und Arthur Sulzberger jun., 54 Jahre alt und seit 1992 Herausgeber, versucht die Zeitung ins Internetzeitalter zu führen, wo sie für Wolff nichts zu suchen hat: Die mit viel Geld und Sachverstand erarbeiteten langen Versionen der Times "werden benutzt als Futter für die Kurzversion von jedermann... Das Internet, das einst als ideales Vehikel angesehen wurde, um ein gezieltes Publikum anzusprechen, entwickelt sich zu einem Supermassenmedium mit gigantischem Umfang, das auf billige Werbung angewiesen ist... Was die Times bestenfalls werden kann, ist so etwas wie about.com, ein Informationsplattform mit viel Umfang und wenig Qualität und riesigen Mengen an werbebezogenen Daten im Angebot, das Amateure, Fetischisten und Hobby-Journalisten einspannt, die für wenig Geld viel Ramsch produzieren, um die Page-View-Zahlen zu erhöhen." (Aber vielleicht hätte die New York Times einfach nur statt about zu kaufen besser in technorati investiert, um die besten Blogs auf ihrer Seite zu versammeln?)"
Wolff berichtet: "His vision of an ideal Times company sounds a lot like—without any sense of irony—Time Warner. (Once, during the boom years, I questioned Arthur about this enthusiasm for everything new-media. If this were the 50s, I asked, would he want the Times to buy a television network? "You bet I would," said Arthur.) "
Es zeigt sich wieder, dass die Debatte um die Zukunft der Verlage weltweit entbrannt ist. Wolff jedenfalls glaubt nicht an die Finanzkraft der Internetuser und liefert Zahlen: "To replace its $1.5 to $1.7 billion traditional business with its online business—as it keeps suggesting it will one day do, and as critics have urged it to do on an even faster timetable—the Times might, impossibly, have to increase its online business to 400 or 500 million users a month. Or it will have to remake its content to more accurately reflect its advertisers' interests: oversize-shoe advertisers pay more to be next to a story about oversize shoes than they do to be next to a story about the Iraq war. Or, in another approach, it could look to MySpace: while the Times's 40 million monthly users generated, in May, according to ComScore, 489 million page views—this is the number that interests advertisers—MySpace's 50 million monthly users, deeply entertained by its user-created content, generated 29 billion page views."

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03 Mai, 2005

Auflagenschwund bei US-Zeitungen

--- Nicht nur die deutschen Printmedien müssen mit immer weniger Lesern leben, offenkundig in verstärktem Maße jetzt auch die US-Zeitungen. Das berichtet Spiegel online, der sich dabei auf Audit bureau of circulations bezieht. "Demnach sank die Gesamtauflage der amerikanischen Tageszeitungen in den letzten sechs Monaten im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent. Das ist der stärkste Verlust seit 1995/96, als die US-Auflage durch die Bank um 2,1 Prozent fiel. Schlimmer noch geht es den hier gängigen Sonntagsausgaben selbiger Blätter, die gesondert gezählt werden: Dort stürzte die Auflage sogar um 2,5 Prozent ab." Die Printmedien in den USA leiden seit Mitte der 80er-Jahre unter Leserschwund, in Deutschland ist der Trend seit Mitte der 90er-Jahre zu beobachten, verzögert durch die Wiedervereinigung. In den USA aber verlieren die Printmedien verstärkt Anteile am Anzeigenmarkt, "seit 1994 von 22,4 auf 17,7 Prozent". Wie auch in Deutschland, stellen sich die Amerikaner jetzt die Frage, warum die Verlage eine komplette Internet-Generation, also die jungen Leser, lange Zeit nicht berücksichtigt - und damit verloren haben. Der Spiegel zitiert den Medien-Mogul Rupert Murdoch: "'Wenn wir nicht aufwachen, werden wir uns unter 'ferner liefen' wiederfinden.' Aus Teenagern würden nicht mehr automatisch Zeitungsleser. Sondern - was inzwischen ja auch Studien nachgewiesen haben - Websurfer. Was die Frage aufwirft: Was wird aus den Zeitungen? Nischenblätter für Senioren, die letzten Leser?"

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