27 Oktober, 2007

Merkel, Mindestlohn und Medienschlacht

--- Ho, ha, geht es jetzt der "Springer-Presse" an den Kragen? Die Sueddeutsche erhebt heute indirekt den Vorwurf, Springer betreibe eine Kampagne, die man mit "Merkel contra Mindestlohn" umschreiben könnte. Auslöser ist die aktuelle Titelgeschichte des amerikanischen Magazins Newsweek. Darin wird Merkel als reformmüde beschrieben. Das ist vielen schon vor Monaten aufgefallen. aber weil es die deutsche Politikerin auf den Titel des US-Magazins geschafft hat, was selten einem deutschen Politikier gelingt, war der Trubel groß. Und nicht nur das:
"Am Dienstag dieser Woche übernahm Bild die Newsweek-Titelstory und machte im politischen Teil mit der Schlagzeile auf: "US-Magazin nennt Angela Merkel ,verlorene’ Kanzlerin". Doch fehlte der Hinweis, dass Bild-Mann Müller-Vogg zu den Kräften der Geschichte zählt. Newsweek hat die Biografien der eingespannten Texter abgedruckt. "Die Passagen, die Bild übernommen hat, stammen nicht von den deutschen Gastautoren", teilt Springer-Sprecherin Edda Fels mit. Gemeint ist, dass sich Bild auf die Hauptgeschichte bezieht, also Müller-Vogg nicht erwähnt werden musste. (...) Einen Tag später als Bild - am Mittwoch dieser Woche - thematisierte die Welt, eine andere Springer-Zeitung, im innenpolitischen Teil die "Mär von Maggie Merkel". Im Mittelpunkt der Kritik ("Wirtschaft ... beklagt mangelnden Reformwillen der Regierung") steht Bild-Autor Müller-Vogg mit seiner Newsweek-Einlassung von Merkel als einer "Politikerin ohne innenpolitischen Kompass".
An diesem Beitrag arbeitete auch die Chefkorrespondentin der Welt mit, Mariam Lau, Ehefrau des in Newsweek zitierten Zeit-Kommentators. Einen Tag vorher war Mariam Lau selbst mit einem Gastkommentar im Wall Street Journal vertreten. Ihre Kronzeugen für den "German Reform Blues" sind Regierungssprecher Ulrich Wilhelm und der als "ausgesprochen konservativ" vorgestellte CDU-Vertreter Volker Kauder. Um Merkel geht es auch. Hauptsächlich geht es um das Ende der Reformpolitik und um ein "Schreckensszenario": ein Bündnis von SPD und Linken."
Die SZ sieht den Zusammenhang, dass der Springerverlag derzeit gegen den geplanten Mindestlohn in der Postbranche wettert (wir berichteten). Mit einer eigenen Firma will der Verlag der Post paroli bieten, was mit einheitlichen Mindestlöhnen schwer fällt. Um den Mindestlohn zu verhindern wolle Springer wohl die eigene Macht demonstrieren, um Merkel zum Handeln zu zwingen, lautete die Botschaft. Springer dementiert natürlich. Und vermutlich zurecht. Friede Springer hat doch andere Zugänge zur Kanzlerin als auf eine derartige Art und Weise mit den Muskeln zu spielen. Die Story hat noch andere Schwächen, auch wenn es den bekannten Springerhass bedient. Nur weil Springer mehrere Zeitungen hat und entsprechend die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch ein Springerblatt wie alle anderen auch dem Leitmedium Bild folgen: Wie sollte es der Springer-Verlag schaffen, dass ein US-Magazin Merkel auf den Titel hebt? Kundige bitte melden!

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16 Oktober, 2007

Mindestlohn: Zeitungen gegen Post

--- Was so eine Debatte um den Mindestlohn für Kreise ziehen kann: Die deutschen Verlage und die Deutsche Post AG liefern sich eine öffentliche Schlacht um die Zukunft der Zustelldienste. 2008 fällt das Briefmonopol der Post, was der Springer-Verlag (Pin) aber auch die WAZ, der Holtzbrinck-Verlag oder DuMont mit neuen Unternehmen nutzen wollen. In einer gemeinsamen Anzeigenkamapgne wettern sie gegen den von der Post diktierten Mindestlohn, der weit höher ist als die Löhne, die in den Verlagsunternehmen gezahlt werden (was nicht heißt, dass sie Hungerlöhne zahlen). Weil Post-Chef Zumwinkel vor allem eine Kampagne der BILD gesehen haben will, hat er jetzt Anzeigen im Wert von 800 000 Euro bei Springer gestrichen. "Wir werden sie im Wettbewerb bluten lassen"; kündigt Zumwinkel an. Was für eine Sprache! Sein Ziel: Der von seinem Unternehmen allein festgelegte Mindestlohn von 9,80 Euro soll für alle Unterenhmen der Branche gelten, so dass der hohe Lohn ihn vor den kleinen agilen Wettbewerbern schützt. Man kann nur hoffen, dass die potenten Verlage sich nicht von dem Monopolisten einschüchtern lassen, sondern klare Kante zeigen. Nur so können endlich die Preise sinken und die Post nicht mehr Milliarden schwerre Monopolgewinne einstreichen, mit denen sie sich weltweit Unternehmen kauft, während die Kunden hierzlande in die Röhre schauen.

Und sonst: Die SZ hat nachgezählt: Auf dem deutschen Zeitungsmarkt werden rund 60 Wohn- und Gartenzeitschriften verkauft. Dazu passt, dass die neuen IVW-Zahlen da sind: Absoluter Verkaufsschlage rim 3. Quartal war die Zeitschrift "Landlust" mit einem Plus von mehr als 100 Prozent auf mehr als 200 000 Exemplare. Erstens fragt man sich, wie die das hinbekommen haben und 2. warum ich - sofern es ein ehrlicher Erfolg ist - das Heft noch nicht kenne?

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