06 April, 2008

BILD gegen Klum: Wann Experten gut sind

--- Regelmäßig bemühen Zeitungen gerne "Experten". Das ist angemessen - wenn es welche sind. Nun ist jeder von uns Experte für irgend etwas, aber nun wahrlich nicht für alles. Wer sich aber auskennt, soll gerne zu Wort kommen, weil er es vermutlich besser kann als ein Journalist. Die BILD-Zeitung hat "entlarvt", dass es "Knebel-Verträge bei Heidi-Klum-Show" gibt. "Models müssen bis zu 40 % der Gagen abgeben", lautete die Überschrift.


Sie müssen im ersten Jahr insgesamt 40 Prozent ihrer Einnahmen abgeben! Jeweils 20 Prozent an ProSieben und 20 Prozent an die Model-Agentur „Face your Brand“.


Das ist natürlich ein Hammer - wenn es denn wirklich so schlimm ist. Es ist ja bekannt, dass auch Entdecker, Agenturen und Promoter ihren Schnitt machen wollen. Also, es muss ein Experte her, um die Dramatik der Situation klarzustellen. BILD hat jemanden besorgt.


Medienrechtler und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Thomas Schwirtzek: „Wenn ein Model 1000 Euro verdient und alle Provisionen abführt, bleiben noch rund 600 Euro.“


Für diese Erkenntnis wäre ein Mathematiker nicht schlecht gewesen, aber ein Medienrechtler und Fachanwalt für Arbeitsrecht? Aber er kommt ja noch einmal zu Wort, als es um Gagen bei Auftritten auch nach Abschluss der "Topmodel"-Fernsehstaffel geht.


Schwirtzek: „Dass der Sender den Vertrag einseitig für zwei Jahre verlängern kann, ohne dass das Model gefragt wird, geht in den Bereich der Knebelung und ist ein tiefer Eingriff in das Grundrecht der Berufsausübungsfreiheit.“


Da gehört der Experte hin, nicht aber oben bei der Rechenaufgabe. Und dann geht es weiter:


Der Sender darf Rechte ungefragt an die „Heidi Klum GmbH & Co. KG“ weiterreichen – die Firma von Heidis Vater Günther Klum (62)!

Der Anwalt: „Laut Vertrag darf der Sender seine zweifelhaften Rechte an die Heidi-Klum-Firma abtreten – damit schließt sich der Kreis und die Klums können mitverdienen.“


Das wirft dann noch einmal ein Licht auf Klum und ihren Vater, der als harter Hund in der Branche gilt. So lässt verlangt er unter anderem bei allen Bildern, dass sie autorisiert werden. Zum anderen will er in der Regel auch immer den gesamten Artikel (den geschriebenen) sehen und autorisieren, bevor er Fotos freigibt. Am Besten ist da: Gar nicht mehr über die Klum berichten.

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03 April, 2008

Journalisten blicken positiv in die Zukunft

--- Die DPA-Tochter Newsaktuell hat 3000 Redakteure nach ihrer Meinung gefragt, ob es richtig ist, dass die Zeitungsverlage ins Online-Geschäft insvestieren. Spannende Erkentnis: Nur zwei Prozent der Redakteure glauben, dass das Onlineangebot das Printgeschäft schädigt. Bislang galt das immer als eines der Haupt-Gegenargumente und war letztlich auch ein Argument der Verlage, weshalb es ihnen wirtschaftlich nicht mehr so gut geht, wie noch vor acht Jahren.


Überhaupt scheint die Stimmung unter den Journalisten momentan besser zu sein als vermutet. Trotz teilweise düsterer Zukunftsprognosen sind mehr als zwei Drittel der deutschen Medienmacher mit ihrer beruflichen Situation im Allgemeinen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Mehr als drei Viertel von ihnen meinen, dass ihre Arbeit Freude bringe, drei von vier halten ihren Aufgabenbereich für interessant und vielseitig und zwei Drittel haben genügend
Freiräume, um den eigenen Job kreativ zu gestalten. Lediglich 16 Prozent sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation und klagen über zu kleine Gehälter oder mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten.


Die meisten Redakteure sind überzeugt, dass Printmedien immer noch die Leitmedien schlechthin sind. Sorgen machen sie sich laut Umfrage aber auch.


Als größte Gefahren für den etablierten Journalismus werden schlechte Ausbildungen genannt, dicht gefolgt vom Outsourcing gesamter Redaktionen und der Abkehr der jüngeren Generation vom Qualitätsjournalismus.

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24 März, 2008

Die Qual des Schreibens

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Derzeit lese ich das Buch “Majakowskiring” von Marlene Streeruwitz - ein kompliziertes und vielleicht nicht wirklich zu empfehlendes Buch, oder vielleicht doch: sicher bin ich mir noch nicht. Ein Absatz darin trifft zumindest exakt das Leben eines schreibenden Journalisten und soll daher hier zitiert werden:

Was sollte sie kochen. Sie lehnte sich gegen die Liftwand. Es war wunderbar, sich einem so trivialen Gedanken hingeben zu können. So lange sie als Journalistin gearbeitet hatte, war nie ein Ende gewesen. Sie hatte nicht von der weggehen können, ohne weiter über die Probleme nachdenken zu müssen. Ohne nicht noch lange alles mit hinaus zu schleppen. Nur daran zu denken, was gekocht werden sollte. Sie lächelte.

Das ist die Qual des Journalisten-Daseins. Es gibt kein Ende. Die Gedanken gehen immer weiter, ein Thema verfolgt einen, auch der Gedanke, andere und ihr Handeln in die Öffentlichkeit zu ziehen. Fehlt etwas, muss ich noch telefonieren? Jemanden konfrontieren? Eine Qual. Aber eine schöne Qual.

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29 Oktober, 2007

Berufsbild Journalist: Karriere mit Kindern

--- Sttistisch gesehen haben Journalisten im Vergleich zu anderen Berufsgruppen relativ wenige Kinder. Das liegt vor allem an den unregelmäßigen Arbeitstzeiten. Nicht ohne Grund arbeiten Frauen vor allem in den "planbaren" Ressorts, fernab der Tagesaktualität, die ansonsten immer wieder zu langen Arbeitszeiten zwingt. Wie sich Karriere und Kind als Journalist unter einen Hut bringen lässt, versucht jetzt eine Broschüre des DJV zu erklären. Uns liegt sie nicht vor, weshalb wir sie nicht bewerten können. Aber für alle, die sich mit dem Thema bschäftigen, dürfte es Anregungen geben. In der Pressemitteilung des DJV heißt es: "Die Broschüre "Zwischen Schnuller und Schlagzeile" wurde erarbeitet vom DJV-Fachausschuss Gleichstellung und zukunftsorientierte Arbeitszeitmodelle und ist zum Preis von 4,00 Euro zzgl. Porto und Verpackung direkt im Online-Shop der DJV-Verlags- und Service-GmbH zu beziehen. Bestellungen unter http://www.djv.de/Shop."

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27 Juni, 2006

Vierte Macht im Staate oder Vermittler?

--- Heute findet sich ein äußerst lesenswerter Artikel im Handelsblatt mit dem Titel: "Reden wir über uns!". Frank A. Meyer, Journalist im Schweizer Ringier Verlag, geht dabei der Frage nach, was wir Journalisten für eine Aufgabe haben und wie sich demgegenüber das Selbstverständnis geändert hat. "Noch nie habe ich dieses neue journalistische Selbstverständnis so unverhüllt erlebt wie jetzt gerade in Deutschland. Vierzig Jahre lang betrieb ich meinen Beruf im Bemühen, als politischer Journalist dem Begriff Medium gerecht zu werden. Das heißt: Vermittler zu sein von Meinungen und Stimmungen und Nöten und Freuden. Auch betrieb ich mein Metier im Bewusstsein, nur eine Stimme zu sein unter vielen Stimmen. Schließlich war ich stolz darauf, dass mein Berufsstand mit all den eigensinnigen und eigenständigen Kollegen die Vermittlerrolle wahrnahm zwischen den verschiedenen Kräften der Gesellschaft, zwischen den verschiedenen Strömungen der Gesellschaft, vor allem zwischen den Bürgern unterschiedlichster kultureller und sozialer Herkunft. Auch hier bin ich irritiert, sogar befremdet: Da diese neu erwachte Medienmacht gegenwärtig ungehalten ist, überlegt sie sich – anders kann ich es nicht lesen –, ob sie der gewählten Regierung ihre Gunst entziehen will oder nicht. Wie ich es verstehe, kann sich die Regierung auch bessern, indem sie den Medien liefert, was diese fordern, nämlich Hauskrach und Spektakel."
Harter Tobak von einem, der uns Deutsche beobachtet. Seine These: Alles und alle müssen sich den Medien unterordnen. Zu fragen ist aber - und das tut Meyer - wer wen wie beinflusst und ob nicht die Gegenseite auch ihrerseits alles unternimmt, um mediengerecht daherzukommen. Meyer: "Die mächtige, die unbeirrbare, die dogmatisch immer noch so gefestigte katholische Kirche hat erfahren müssen, dass die Medien die größere Macht sind als der Vatikan. Sie erinnern sich an das quälend langsame Sterben des Papstes Johannes Paul II. Sie haben das Bild noch vor Augen, wie er moribund am Fenster sitzt, einen Ölzweig hilflos in der zitternden Hand, den Mund aufgerissen, das Gesicht verzweifelt, der Stimme beraubt. Showtime mit einem Sterbenden. Können wir uns darauf hinausreden, dass der Vatikan diese Inszenierung seinerseits betrieben habe? Der Vatikan hat sich den Anforderungen des Medienzeitalters angepasst. Er hat sogar Rituale angepasst. Das Beispiel: Seit Jahrhunderten pflegt der Vatikan, die Tore zu schließen, wenn der Papst tot ist. Auch diesmal wurde das Tor geschlossen. Doch durch die Hintertür bat die Kurie eilfertig das Fernsehen an den Sarg. Auch der tote Papst hatte dem Anspruch der medial total vernetzten Weltgesellschaft zu genügen."
Total und totalitär, so Meyer, lägen nicht weit auseinander. Meyer klagt, die Medien verkämen zu einer Kaste. Kerner, Beckmann und andere: Alle geben sich für Werbung her und das als Journalisten! Zeitungen krisieren sich nicht mehr sondern versinken im Mainstream, interviewen sich gegenseitig, um so Einzelnen von uns zu Stars zu erheben. Ja, und wer arbeitet da noch richtig als Journalist? Meyer: "So hat sich der Beruf verändert, den ich in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts erlernte. Es war damals ein Laufberuf. Ich fuhr zu den Politikern, von denen ich etwas wissen wollte, zu den Beamten, Unternehmern, Künstlern, Forschern. Ich lebte journalistisch von Begegnungen, von sinnlichen Eindrücken, von Gesichtern, die meine Recherchearbeit begleiteten. Ich eilte zu Versammlungen und Protestmärschen. Es war ein ununterbrochenes Kennenlernen anderer Menschen.
Wie gestaltet sich der journalistische Alltag heute? Ich sehe sie gebannt am Laptop sitzen. Sie rufen ab, was andere schon formuliert haben. Sie schreiben Geschichten, die sie aus anderen, vorgeformten Geschichten im Netz verfertigen. Sie zeichnen Porträts aus biografischen Versatzstücken und Gerüchten, wie sie im Internet in Unzahl zu finden sind. So werden Vorurteile und Falschurteile, Unwahrheiten und Unterstellungen über Menschen nicht nur konserviert, sondern auch regelmäßig neu aufbereitet. Oft sind es vernichtende Bilder, die so gezeichnet werden, in der Regel sind es Bilder voller Häme. Häme hat sich ja mittlerweile durchgesetzt als Stilersatz – Muckefuck statt Kaffee. Am Bildschirm lässt es sich sehr bequem über Politiker oder Unternehmer journalistisch zu Gericht sitzen. Man begegnet den Opfern nur noch selten. Richter sollten für einige Monate ins Gefängnis gesteckt werden, bevor sie richten dürfen. Dann wüssten sie, was sie tun. Und Journalisten sollten einer Kampagne von Kollegen ausgesetzt werden. Dann wüssten sie, was sie anrichten können. Mehr und mehr lebt unser Berufsstand vom Copy & Paste. Die Journalisten kopieren sich fortwährend selbst. Seit Jahren schon. Und wie es aussieht, auch in Zukunft. Ja, so viele – allzu viele – Journalisten verlernen es, fiebernd vor Spannung hinauszugehen und nachzusehen, bevor sie schreiben."

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22 Mai, 2006

Döpfner zur Zukunft des Journalismus

--- Wie geht es weiter im Journalismus, wie sieht die Ausbildung in Zukunft aus, welche Arbeitskräfte werden überhaupt noch gebraucht? Mit einem Grundsatzartikel (gibt es auch auf deutsch) mischt sich Mathias Döpfner in die Debatte ein. Er reagiert damit auf Rupert Murdoch, der vor gut einem Jahr die Branche mit einer Rede aufgeschreckt hatte und die Zukunft der Medien im Internet ausgerufen hatte. Obendrein ist das Thema vor allem vor dem Hintergrund der gescheiterten Fusion von Springer und Prosieben/Sat1Media zu sehen:
"We need to realize that the next generation of people accessing news and information, whether from newspapers or any other source, have a different set of expectations about the kind of news they will get, including when and how they will get it, where they will get it from, and who they will get it from. Anyone who doubts this should read a recent report by the Carnegie Corporation about young people’s changing habits of news consumption and what they mean for the future of the news industry. According to this report, and I quote, “There’s a dramatic revolution taking place in the news business today, and it isn’t about TV anchor changes, scandals at storied newspapers or embedded reporters.” The future course of news, says the study’s author, Merrill Brown, is being altered by technology-savvy young people no longer wedded to traditional news outlets or even accessing news in traditional ways."
Döpfner berichtet von Schüler-Besuchergruppen, die sich die Zeitung im Springer-Verlag erklären lassen; wie stolz der Chefredakteur den jungen Menschen erklärt, dass Zeitungen heute bis 23 Uhr produziert werden können dank der schnellen Drucktechnik und so trotzdem schon um vier Uhr morgens bundesweit ausgeliefert werden. Die Schüler dagegen fragen: "Warum schickt ihr die Zeitung nicht gleich um 23 Uhr per Mail, wenn zwischen 23 und vier Uhr eh nichts mehr an der Zeitung geändert wird?"
Es gibt einen Wandel, vor allem einen Wandel im Leseverhalten, aber Döpfner sieht nicht das Ende der Print-Medien, im Gegenteil:
"I believe in "Riepl's Law." Wolfgang Riepl was the editor-in-chief of Nürnberger Zeitung newspaper. In 1913, he published a dissertation putting forth a law that was to have a shaping influence on the history of communications: new media do not replace existing media. Media progress is cumulative, not substitutive. New media are constantly added, but the old ones remain. This law has yet to be disproved. Books have not replaced storytelling. Newspapers have not replaced books; radio has not replaced newspapers; and television has not replaced radio. It follows that the Internet will not replace television or newspapers. That sounds comforting, but there are exceptions: CDs really did replace old vinyl records; and mp3 technology is currently in the process of replacing CDs faster than anyone suspected. The same applies for DVD and video. And this is where things get interesting, for neither the CD nor the DVD nor the mp3 are really new media, they are merely improved technologies. The product itself, the creative medium of music or film, has not been changed by this new transfer medium. Which is why these examples, too, actually confirm Riepl's Law."
Deswegen ist Döpfner sicher, dass Printmedien auch in Zukunft ihren Platz haben werden, wenn auch unterlegt mit einer These, die nicht neu ist und die wir seit langem variable Tiefenschärfe nennen.
"There is a fundamental difference between globalized Internet journalism and newspaper journalism. They have entirely different functions. On the Internet, I get faster access to more information about something I already know I am interested in. If I want to learn something about a specific illness, I go to the Internet. A few links later, I am on a special orthopaedic site, and a few seconds later a search engine has found the right doctor for my ailment. In the newspaper, on the other hand, I learn about things I did not even know I might be interested in. I wanted to read something about backache and ended up reading a text about holidays in the Maldives. The newspaper has breadth, the Internet has depth. The newspaper works horizontally, the Internet vertically. The second essential difference is that on the Internet, the user guides the journalist. In the newspaper, the reader is guided. The Internet has turned the hierarchy on its head. It is selflessly anti-authoritarian in character, profoundly democratic. Newspapers, by contrast, are confidently authoritarian."
In der Tat: Im Meer des Internets finden sich viele nicht zurecht, weshalb die Printmedien eine sinnvolle Selektion bieten. Entsprechend kann das Internet das vertiefende Angebot abbilden - und Printmedien online auch hier Recherchehilfe über Angebote sein. Kein Wunder, dass Springer jetzt mit der Fusion von Mopo, Welt und Wams auch eine Internet-Redaktion aufbaut mit 30 Mitarbeitern - wenn auch 30 Mitarbeiter, die aus dem Printbereich abgezogen werden. Wenn das kein Trend ist, oflline horizontal und online vertikal zu arbeiten. Fragt sich nur, wie viel horizontal eine Printzeitung verträgt. Döpfner jedenfalls meint: "Wir Verlagsmanager müssen uns deshalb noch bewußter werden, daß unser Geschäft nicht das Bedrucken von Papier ist, sondern Journalismus. Journalismus im Internet und Zeitungsjournalismus. Und beide folgen unterschiedlichen Gesetzen. Denn von einem bin ich überzeugt: Wenn jede Information für jedermann jederzeit überall verfügbar ist, dann wächst das Bedürfnis nach Orientierung, Auswahl oder dem, was den guten Zeitungsjournalisten ausmacht: Führung."

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