16 April, 2008

Information statt Regierungs-PR

--- Sollen Pressestellen des Staates informieren? Ja, dazu sind sie da. Sollen sie sich PR-Agenturen bedienen, um ihre Botschaften zu transportieren? Nein, sollen sie nicht. Sie sind vielmehr auskunftspflichtig, auch wenn es unangenehm für die Behördenspitze sein könnte. So sollte es sein, ist es aber nicht. In einem schönen Interview in der Zeitschrift "Message" diskutieren darüber der Journalist Thomas Leif (Netzwerk Recherche) sowie Klaus Vater, Sprecher des Bundesgesundheitsminsiteriums. Er gilt als einer der schärfsten Sprecher in Berlin, die weniger gerne Fakten präsentieren, sondern Journalisten abbürsten.

Vater: Mein Auftrag lautet: Informiere die Öffentlichkeit. Ich bin auf die Verfassung vereidigt worden und habe das zu tun, was mir die Regierung aufträgt. Die Ausführungsbestimmungen dazu finde ich in mehreren Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes .

Dort ist verankert worden, dass das Verfassungsorgan Regierung die Bürger zu informieren hat. Die Regierung soll ihnen erläutern, was sie tut und auf den Weg bringt. Dabei soll dem Bürger deutlich werden, von welchem Ministerium welche Information kommt. Das ist die Hauptaufgabe von Regierungskommunikation. Das ist auch der Unterschied zu den Parteien, die in der Tat streiten und zuspitzen.

Leif: Zunächst: Die Urteile des Bundesverfassungsgerichts definieren die Abgrenzung zwischen Information und unzulässiger Werbung in Wahlkampfzeiten. Mir geht es aber um den Regierungsalltag in Ministerien. Hier ist die Zusammenarbeit mit PR-Agenturen problematisch, weil der Funktionsauftrag dieser Agenturen darin besteht, nicht die vollständige Wahrheit zu sagen – sondern werbende Botschaften zu inszenieren.

Außerdem: Sie sagten, dem Bürger soll deutlich werden, welche Information von welchem Ministerium kommt. Dass genau dies nicht immer geschieht, wurde im vergangenen Jahr ausführlich problematisiert.

Message: Insbesondere das Bundesfamilienministerium stand aufgrund von politischer Schleichwerbung in der Kritik, weil es PR-Beiträge über das Elterngeld an Hörfunksender lieferte. Diese Beiträge wurden unkritisch übernommen. Die Quelle »Bundesfamilienministerium« wurde nicht genannt.

Vater: Es gibt in Deutschland hunderte von kleinen Zeitungen oder auch Hörfunksender, die keine Chance haben, sich durch eigene Recherche beispielsweise Informationen über eine komplexe Gesundheitsreform zu beschaffen. Unsere Agentur liefert diesen kleinen Redaktionen Texte, die reine Sachinformation enthalten. Das halte ich nicht für bedenklich.

Leif: Ich habe in solchen Texten und Beiträgen noch nie den Hinweis des wahren Absenders gesehen: »Dies ist eine Information des Ministeriums«. Es wird so getan, als ob es richtiger Journalismus wäre.

Vater: Das stimmt nicht. Die Redaktionen bekommen einen Text, auf dem steht: »Redaktionsbüro Gesundheit – im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums«. Jede Redaktion kann sagen: »Das schmeiße ich weg, Ablage P.« Oder: »Ich arbeite es um und nutze es.«

Message: Sie unterbreiten den Redaktionen also lediglich ein Informationsangebot.

Vater: Ja. Denn so stellen wir sicher, dass auch der Bürger in der Eifel, in Euskirchen, in Düren oder in Calw gut informiert ist. Allein über die Arbeit der Zeitung vor Ort ist dies oft nicht mehr gewährleistet.

Leif: Das ist doch aber kein Freibrief für Sie, auf gefilterte Information zu setzen. Der vermeintlich nicht informierte Bürger – wie Sie ihn beschreiben – erhält durch die Arbeit von PR-Agenturen nur eine werbliche, selektive Auswahl von gewünschten Informationen. Neutrale Informationen bekommt er nicht. Sie beteiligen sich als staatliche Stelle mit Steuermitteln an diesem Prozess der gekauften Kommunikation.

Vater: Natürlich bekommen die kleinen Redaktionen und der Bürger von uns neutrale Informationen.

Leif: Nein, nicht über PR-Agenturen. Nennen Sie mir eine Agentur, die in ihren Texten Kritik an der Arbeit des Ministeriums übt.

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09 April, 2008

Frauen vor: Emma vergibt Journalistenpreis

--- Ja, sind wir nun ein emanzipiertes Volk, oder nicht? Zwar hat Emma-Gründerin Alice Schwartzer gerade ihren Chefsessel geräumt. Aber sie will weiter kämpfen für das starke Geschlecht - auch im Journalismus. Deshalb vergibt Emma jetzt den 10. Journalisten-Preis für Frauen (wir sparen uns hier die verweiblichte Sprachform), in deren Jury Schwartzer weiter sitzt. In der Ausschreibung liest man:
"Warum ein Journalistinnen-Preis? 50% aller Volontäre, 27% aller Redakteure, aber nur 2% der Chefredakteure sind heute weiblich - in den Jurys und bei den Preisvergaben sieht es ähnlich aus."
Gewinnen also 50 Prozent der Frauen einen Jungjournalistenpreis? Wäre doch nicht schlecht, oder? Nein, das war wohl nicht gemeint. Also weiter:
"Es geht bei dem Journalistinnenpreis also darum, der strukturellen Benachteiligung von Frauen in einem traditionell männlichen Beruf bestärkend entgegen zu wirken. Der Preis gilt für die ganze Bandbreite des Schaffens weiblicher Journalisten: von traditionellen "Frauenthemen" bis hin zu "Männerdomänen" (wie Wirtschaft, Krieg etc.), von der Reportage bis zum Kommentar."
Die klassische Verteilung ist interessant und hängt auch damit zusammen, dass die einen Zeit intensiv sind und sich nicht an einem Acht-Stundentag erledigen lassen. Da viele Frauen zugleich auch den Haushalt schmeißen - weil der Mann durcharbeitet, weil er mehr verdient, weil Frauen meistens wengier verdienen als Männer (eine Logikkette, die von Hinten gelöst werden sollte) - gehen sie in die "inaktuellen" Ressorts, wo sich also die Arbeit gut organisieren lässt und in dene Spontanität unnötig ist.
Aber Emma wäre nicht Emma, wenn es nicht überraschen würde. Es gibt natürlich auch einen Männerpreis:
"Und warum auch ein Männer-Preis? In den letzten Jahren mehren sich die Texte von Journalisten, die ein klassisches "Frauenthema", ein bewusstes "Männerthema" oder ein allgemeines Thema nicht nur mit Kompetenz und Sensibilität, sondern auch mit dem Bewusstsein um die Geschlechterverhältnisse schreiben. Geschlechterbewusstes Schreiben ist keine Frage des biologischen Geschlechts. Darum sind seit 2002 auch alle Kollegen herzlich eingeladen, sich an dem ‚JournalistInnen-Preis' zu beteiligen."

Bleibt eine Frage: Warum sitzen in der Jury keine Männer? Mit dabei sind: Julia Franck, Marietta Slomka/ZDF, Susanne Gaschke/Zeit, Necla Kelek, Julia Voss/FAZ und Alice Schwarzer.

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06 April, 2008

BILD gegen Klum: Wann Experten gut sind

--- Regelmäßig bemühen Zeitungen gerne "Experten". Das ist angemessen - wenn es welche sind. Nun ist jeder von uns Experte für irgend etwas, aber nun wahrlich nicht für alles. Wer sich aber auskennt, soll gerne zu Wort kommen, weil er es vermutlich besser kann als ein Journalist. Die BILD-Zeitung hat "entlarvt", dass es "Knebel-Verträge bei Heidi-Klum-Show" gibt. "Models müssen bis zu 40 % der Gagen abgeben", lautete die Überschrift.


Sie müssen im ersten Jahr insgesamt 40 Prozent ihrer Einnahmen abgeben! Jeweils 20 Prozent an ProSieben und 20 Prozent an die Model-Agentur „Face your Brand“.


Das ist natürlich ein Hammer - wenn es denn wirklich so schlimm ist. Es ist ja bekannt, dass auch Entdecker, Agenturen und Promoter ihren Schnitt machen wollen. Also, es muss ein Experte her, um die Dramatik der Situation klarzustellen. BILD hat jemanden besorgt.


Medienrechtler und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Thomas Schwirtzek: „Wenn ein Model 1000 Euro verdient und alle Provisionen abführt, bleiben noch rund 600 Euro.“


Für diese Erkenntnis wäre ein Mathematiker nicht schlecht gewesen, aber ein Medienrechtler und Fachanwalt für Arbeitsrecht? Aber er kommt ja noch einmal zu Wort, als es um Gagen bei Auftritten auch nach Abschluss der "Topmodel"-Fernsehstaffel geht.


Schwirtzek: „Dass der Sender den Vertrag einseitig für zwei Jahre verlängern kann, ohne dass das Model gefragt wird, geht in den Bereich der Knebelung und ist ein tiefer Eingriff in das Grundrecht der Berufsausübungsfreiheit.“


Da gehört der Experte hin, nicht aber oben bei der Rechenaufgabe. Und dann geht es weiter:


Der Sender darf Rechte ungefragt an die „Heidi Klum GmbH & Co. KG“ weiterreichen – die Firma von Heidis Vater Günther Klum (62)!

Der Anwalt: „Laut Vertrag darf der Sender seine zweifelhaften Rechte an die Heidi-Klum-Firma abtreten – damit schließt sich der Kreis und die Klums können mitverdienen.“


Das wirft dann noch einmal ein Licht auf Klum und ihren Vater, der als harter Hund in der Branche gilt. So lässt verlangt er unter anderem bei allen Bildern, dass sie autorisiert werden. Zum anderen will er in der Regel auch immer den gesamten Artikel (den geschriebenen) sehen und autorisieren, bevor er Fotos freigibt. Am Besten ist da: Gar nicht mehr über die Klum berichten.

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03 April, 2008

Journalisten blicken positiv in die Zukunft

--- Die DPA-Tochter Newsaktuell hat 3000 Redakteure nach ihrer Meinung gefragt, ob es richtig ist, dass die Zeitungsverlage ins Online-Geschäft insvestieren. Spannende Erkentnis: Nur zwei Prozent der Redakteure glauben, dass das Onlineangebot das Printgeschäft schädigt. Bislang galt das immer als eines der Haupt-Gegenargumente und war letztlich auch ein Argument der Verlage, weshalb es ihnen wirtschaftlich nicht mehr so gut geht, wie noch vor acht Jahren.


Überhaupt scheint die Stimmung unter den Journalisten momentan besser zu sein als vermutet. Trotz teilweise düsterer Zukunftsprognosen sind mehr als zwei Drittel der deutschen Medienmacher mit ihrer beruflichen Situation im Allgemeinen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Mehr als drei Viertel von ihnen meinen, dass ihre Arbeit Freude bringe, drei von vier halten ihren Aufgabenbereich für interessant und vielseitig und zwei Drittel haben genügend
Freiräume, um den eigenen Job kreativ zu gestalten. Lediglich 16 Prozent sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation und klagen über zu kleine Gehälter oder mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten.


Die meisten Redakteure sind überzeugt, dass Printmedien immer noch die Leitmedien schlechthin sind. Sorgen machen sie sich laut Umfrage aber auch.


Als größte Gefahren für den etablierten Journalismus werden schlechte Ausbildungen genannt, dicht gefolgt vom Outsourcing gesamter Redaktionen und der Abkehr der jüngeren Generation vom Qualitätsjournalismus.

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