17 Dezember, 2007

Kurios 2007: Pressemitteilung von Gesamtmetall

--- Die kurioseste Pressemitteilung, die mir 2007 in die Hände gekommen ist, stammt vom Arbeitgberverband Gesamtmetall. Der Verband gilt als modern und innovativ, was das Aufspüren neuer Tarifverträge angeht. Mit ihnen können Arbeitgeber wie Gewerkschaften gleichermaßen gut in der globalisierten Welt leben.
Auch hatte der Verband eine Frau an der Spitze. Das ändert sich nun - außergerechnet wegen des altmodischen Jobkillers Schwangerschaft:

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Führungswechsel bei Gesamtmetall

Berlin. Auf der heutigen Sitzung des Vorstandes von Gesamtmetall hat die Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall, Dr. Heike Maria Kunstmann, erklärt, dass sie ein Kind erwartet und sich nach der Geburt auf unbestimmte Zeit ihrer jungen Familie widmen will. Hinsichtlich eines weiteren beruflichen Engagements könne sie sich nicht festlegen.

Deshalb wurde vereinbart, dass sie zum 29.2.2008 aus den Diensten von Gesamtmetall ausscheidet.

Gesamtmetall wird insbesondere auch wegen der in 2008 stattfindenden Tarifrunde ab 1.3.2008 einen erfahrenen Hauptgeschäftsführer einsetzen.

Dr. Ulrich Brocker, derzeit noch Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, hat sich bereit erklärt, nach der Beendigung seiner Dienstzeit für eine begrenzte Zeit von mindestens einem Jahr zur Verfügung zu stehen und bei der Suche sowie Einarbeitung eines neuen Geschäftsführers zu unterstützen.



Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V.
Pressestelle
Voßstraße 16
10117 Berlin
Tel. 030 - 55150 205
Fax 030 - 55150 5205
e-mail klotzki@gesamtmetall.de
www.gesamtmetall.de

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ARD, Druckerey und mehr: Frohes Fest

--- Die ARD sorgt sich um die Quote bei ihrem Flaggschiff, den Tagesthemen. Es gibt wohl die Sorge, dass der Martanteil auf unter zehn Prozent sinken könnte. Sprache, Aufmachung und Art der Berichte sprechen offenkundig die Zuschauer nicht mehr an. Jetzt soll es eine REform geben. Wir freuen uns darauf!

Der Spiegel sucht weiter einen neuen Chefredakteur. Ob ein Neuer noch vor Weihnachten verkündet wird?

Back to the roots verweisen wir gerne auch mal auf schöne Dinge hin: Etwa die Druckerei-Kunst von Martin Z. Schröder. Er betreibt noch eine echte alte Druckerey und setzt selbst Blei - auch noch Schrifttypen, die es im digitalen Zeitalter gar nicht jehr gibt. Darüber hinaus hat er ganz exquisite Papire. Ein Blick auf seine Seite lohnt sich für jeden, der sich für Mediengeschichte und Druckkunst interessiert.

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04 Dezember, 2007

Pressefreiheit: Mundtote Franzosen

--- Die Süddeutsche Zeitung widmet sich heute an ihrer prominentesten Stelle - dem Kasten auf der Titelseite - dem französischen Mediensystem. Der Redakteur erklärt in seinem Artikel anschaulich, warum die französischen Journalisten ganz anders arbeiten als etwa die hiesigen. Die Überschrift: "Verhüllungs-Journalismus" (statt "Enthüllungs"-Journalismus) verrät so einiges. Da ging es in Frankreich darum, dass die Arbeitgeber die Gewerkschaften geswchmiert haben und Staatspräsident es gewusst und beide Augen zugedrückt hat.

"Dabei hat ein Journalist der Wochenzeitschrift Marianne den, nun ja, Skandal sauber recherchiert und in allen Einzelheiten aufgeschrieben. Es gab sogar eine Agenturmeldung auf Französisch zu der Enthüllung, und zwar schon vor zehn Tagen. Doch die griff, von ein paar Internetseiten abgesehen, keiner auf.
Alle großen Medien ignorierten den Scoop. Dabei dementierte der Pressesprecher des Präsidenten trotz gezielter Nachfragen die Information bis heute nicht.
Für den Autor des Artikels liegt der Fall klar auf der Hand: "Sie wissen doch, in Frankreich sind alle Medien Sarkozy-hörig", sagt Eric Decouty. Er selbst wechselte erst vor wenigen Wochen vom braven Regierungsblatt Le Figaro zu Marianne. Das klingt plausibel, schon allein weil allseits bekannt ist, wie gut Nicolas Sarkozy mit den größten Verlegern befreundet ist - mit Männern wie Dassault, Arnault, Lagardère, Bolloré, Bouygues und Pinault, die gleichzeitig gewichtige Industrielle sind.
Die Industriebeteiligungen in den französischen Medien hält die unabhängige Medienexpertin Isabelle Bourgeois zwar auch für ein Problem. Sie widerspricht aber der Behauptung, alle Medien seien Sarkozy-treu.
Über die Skandale von dessen Vorgängern François Mitterrand und Jacques Chirac sei auch kaum berichtet worden. "Frankreich ist keine Mediendemokratie", sagt sie, "und es gibt auch eine Kritikkultur." Wer kritisiert, gilt leicht als Nestbeschmutzer. So weit der kulturelle Unterschied, der, sagt Bourgeois, auch dazu führt, dass Journalisten nicht lernten, zu hinterfragen, richtig zu recherchieren und auch selbstkritisch zu sein."

Es gibt allerdings auch eine spannende rechtliche Komponente, die die Freiheit der Journalisten im Gegensatz zu den Kollegen in Deutschland einschränkt.

"Hinzu kommt, dass Journalisten schnell der Prozess gemacht werden kann. Frankreich kennt zwar die individuelle Meinungsfreiheit, aber keine wie in Deutschland durch das Grundgesetz verbürgte Medienfreiheit und auch nicht das Recht, sich ungehindert zu informieren. Stattdessen herrscht das Informationsgeheimnis vor. Wer eine exklusive unangenehme Nachricht über jemanden verbreitet, riskiert daher, verdächtigt zu werden, sich seine Informationen unrechtmäßig verschafft zu haben. Schlimmer noch ist: Wer jemanden namentlich zitiert, kann außerdem der Verleumdung bezichtigt werden. Deshalb anonymisieren die französischen Medien in aller Regel ihre Quellen.
Nur mit Humor und Ironie dürfen sie senden und drucken, was zuvor noch keiner zu veröffentlichen wagte. Die mittwochs erscheinende, immer achtseitige, garantiert anzeigenfreie Satire-Wochenzeitung Le Canard Enchaîné ist so zum einzigen investigativen Medium im Land geworden - wenn auch mit Einschränkungen: Das Innenministerium darf schon am Dienstagabend einen Blick in den Canard (was Erpel heißt, aber umgangssprachlich für Zeitung oder eher Käseblatt steht) werfen, um sich zu wappnen.

Kurzum: Es geht noch zu wie einst bei Hofe - der Narr darf dem König alles unter die Nase reiben, solange es lustig ist."


Dann berichtet die SZ noch von der Reform des Presserechts in Israel. Es stammt aus dem Jahr 1933. Bislang wurden dort - wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Lizenzen ausgegeben, bevor jemand als Verleger eine Zeitung auf den Markt bringen durfte. Damit soll jetzt Schluss sein. Dagegen müssen Verleger aber alle halbe Jahre in ihren Zeitungen veröffentlichen, an welchen anderen Unternehmen sie beteiligt sind.

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