28 September, 2007

FTD: Selbst berichten fällt schwer

--- Medien wird gemeinhin zurecht vorgeworfen, sie würden nicht so gut berichten, wenn es um sie selbst geht. In der derzeitigen Debatte um die Übernahme der FTD durch den SPiegel wird dies an einem aktuellen Artikel gut deutlich: "Die geplante Übernahme der „Financial Times Deutschland“ (FTD) durch den Spiegel-Verlag wird zur Hängepartie. Innerhalb des Spiegel wird der Einstieg bei der defizitären Wirtschaftszeitung kontrovers diskutiert. Die Mitarbeiter-KG, die 50,5 Prozent am Spiegel-Verlag hält, konnte sich auf einer Sitzung mit der Verlagsführung am Dienstagabend nicht zu einer Entscheidung durchringen. Dabei wäre der Einstieg vergleichsweise preiswert."
"Vergleichsweise preiswert": Will der Autor seinen Arbeitgeber schlecht machen, ihn anbieten oder ist er sauer darüber, dass es überhaupt zu dem Verkauf kommen wird? In diesem Artikel zitiert die FTD sogar den Hauptkonkurrenten , das Handelsblatt:
„Es gibt noch viele Fragen, die geklärt werden müssen“, sagte ein Beteiligter dem Handelsblatt. " Aber es fand dann doch auch eigene Recherche statt, die sicher im eigenen Haus nicht leicht fällt, weil die Verlage bei den eigenen Titeln oft sehr zugeknöpft sind, es sei denn, sie haben Erfolge zu verkünden. "„Wir diskutieren über die FTD-Übernahme völlig ergebnisoffen.“ Das fünfköpfige Gremium unter Führung des Spiegel-Ressortchefs Armin Mahler vertagte den Beschluss. „In der nächsten, spätestens in der übernächsten Woche treffen wir eine Entscheidung“, hieß es am gestrigen Donnerstag im Hamburger „Spiegel“-Hochhaus. In Verhandlungskreisen wird berichtet, dass die „FTD“ in diesem Jahr noch acht Mill. Euro an Verlusten einfahren wird. Nächstes Jahr sollen die Verluste nach den bisherigen Planungen halbiert werden. Ende 2008 soll die „FTD“ erstmals in ihrer Geschichte die Gewinnschwelle erreichen. Weder der „Spiegel“ noch der „FTD“-Gesellschafter Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) wollte sich am Donnerstag dazu äußern. „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank und der für die „FTD“ zuständige Gruner-Vorstand Achim Twardy waren nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gruner + Jahr ist auch am Spiegel-Verlag mit 25,5 Prozent beteiligt."

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14 September, 2007

Evonik: Die Macht der Anzeige

--- Es dürfte zu den schwereren Unterfangen in der Marketingbranche gehören, einen neuen Markennamen einzuführen. Vor der Aufgabe steht derzeit die RAG, die sich von seiner Steinkohleaktivitäten trennt und als Chemie-, Kraftwerks- und Immobilienkonzern an die Börse gebracht werde soll. "Evonik Industries" heißt das Ganze nun, nicht leicht zu merken. Seit Wochen wurde deshalb schon in Zeitungen und im Fernsehen mit der Frage "Wer macht denn so was" geworben, seit kurzem gibt es die Antwort und zwar mit dem Vorchlaghammer. Im Handelsblatt wirbt der Konzern heute mit einer mehr als halbseitigen Anzeige plus Eckensteher links und rechts vom Logo auf der Titelseite, dazu kommt noch die komplette Seite 2 und die letzte Seite im Unternehmensressort. Auch in anderen Tageszeitungen gibt es einseiteige Anzeigen. Die WAZ aber, Regionalzeitung vor Ort der RAG, wurde laut FR nicht bedacht:
Weil sie zu kritisch über den geplanten Börsengang berichtet habe, seien die Anziegen gestrichen worden. Damit gehen dem Verlag zigtausende Euro verloren.

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12 September, 2007

Spiegel und FTD: Neue Ehe?

--- Handelsblatt, die Welt und der Kressreport berichten, dass der Spiegel-Verlag mit dem britischen Medienhaus Pearson darüber verhandelt, die 50 Prozent Pearson-Anteile an der Financial Times Deutschland zu übernehmen. "Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen des „Spiegel“ und des Verlagshauses Gruner + Jahr in Hamburg erfuhr, soll die Transaktion in den nächsten Wochen über die Bühne gehen. Die Verträge sind offenbar unterschriftsreif. Die Mitarbeiter-KG des „Spiegel“ mit einem Anteil von rund 50 Prozent am Verlag muss aber noch zustimmen." Die Wirtschaftszeitung wurde gemeinsam mit Gruner und Jahr 2002 auf den deutschen Markt als deutsche Ausgabe der englischen FT gebracht. In die Gewinnzone ist die FTD bislang nicht gefahren, berichten Kenner. Es heißt, zwei Wirtschafttageszeitungen hätten keinen Platz in einem Land, nirgends auf der Welt. Der Spiegelverlag gibt auch das Manager-Magazin heraus. Gruner und Jahr, die an ihrem 50 Prozent-Anteil festhalten wollen, bringen Capital heraus. Damit würde ein mächtiger Gegenspieler zu Holtzbrinck entstehen, der das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche herausbringt.

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