23 Juni, 2007

--- Im Spindoktor berichten wir heute folgendes: Die Süddeutsche Zeitung hat mit Bruce Willis im Vorfeld der Premiere von Stirb langsam 2.0 ein hübsches Interview gemacht, in dem es unter anderem um die Auswirkungen des Internet, Geheimdienste und den Irak-Krieg geht:
Seit es YouTube gibt, stehe ich, wie einige meiner Berufskollegen, jeden Tag in Unterhosen vor der Weltöffentlichkeit. Ich beklage mich nicht über mein sehr privilegiertes Leben. Aber es ist so: Sobald ich in New York oder Los Angeles auf die Straße gehe, sobald ich im Meer bade, einkaufen gehe, einen Burger esse oder mit dem Fahrrad durch die Wüste fahre: es wird im Internet zu sehen sein, weil es irgendwer mit einem fuckin’ mobile phone filmt. Eines Tages wird man Wege finden, mich zu filmen, während ich selbstvergessen auf dem Klo hocke. Ja, ein Mobiltelefon wird sich auf den Weg machen und von unten meine Eier filmen. Ist es das, was uns die Popkultur einst versprach? ... Na, ging es nicht bei der Kunst wie im Internet um Aufklärung, Freiheit und Information? War das Internet nicht das perfekte Projekt zur Verschmelzung von Pop und Politik? Das Infoparadies? ... Wir haben uns alle getäuscht, Mann! Das Internet ist ein Ort der Jagd, der Ablichtung, der Durchleuchtung. Im schlimmsten Fall: ein Ort von Hinrichtungen, sexuellem Missbrauch, ein Ort für Fahnder und Datenschützer. Im harmloseren Fall: Eine eskapistische Quatschwelt. Das Internet hat etwas Sonderbares bewirkt: Klatsch war immer ein Nebenprodukt der Popkultur. Nun ist Klatsch das Hauptprodukt des Pop...

Reden wir mal nicht mehr über die Soldaten, die das nun ausbaden müssen. Sondern über die Politik und über Ihren Geheimdienstvorschlag: Die CIA hat die Taliban großgemacht, weil sie sie brauchte im Kampf gegen die Sowjetunion! Die CIA hat Saddam Hussein großgemacht, weil sie ihn brauchte im Kampf gegen den Iran! Die CIA hat Verbrecher wie Augusto Pinochet unterstützt, weil sie Panik vor einem kommunistischen Chile hatten! Last not least hat die CIA 9/11 nicht verhindert, obwohl die Möglichkeit klar bestanden hätte. Und denen trauen Sie zu, Osama bin Laden zu finden und die Taliban zu erledigen? Fuck, no! Die Sache sieht so aus: US-Regierungen haben Blut an den Händen, wir haben zu oft die falschen Leute mit Waffen ausgerüstet - und unsere jungen Soldaten da unten müssen auch das jetzt ausbaden.
Bruce vom Feinsten.

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Rechtschreibung: der Doppelpunkt

--- Lisa Walgenbach erklärt heute, welche Folgen der Doppelpunkt provoziert:

Die Frage der Groß- und Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt stellt
viele Schreibende vor Schwierigkeiten und nicht wenige
entscheiden sich (fälschlicherweise) grundsätzlich für die Großschreibung.
Hierbei sind folgende Grundregeln zu beachten.

Zur Groß- und Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt

Nach dem Doppelpunkt wird das folgende Wort großgeschrieben, wenn es

1. Bestandteil einer wörtlichen Rede ist, z. B.
Der Polizist rief: „Sofort anhalten!“

2. sich um ein Substantiv (a) bzw. einen Eigennamen (b) handelt, z. B.
(a) Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Arbeitsbericht, Diskussion und Verschiedenes.
(b) Zu den Studiogästen zählen: Boris Becker, Oliver Kahn und Michael Schumacher.

3. Bestandteil eines Ganzsatzes ist, z. B.
Dosierungsanleitung: Man nehme dreimal täglich 20 Tropfen auf ein Glas Wasser.

Demnach wird das dem Doppelpunkt folgende Wort kleingeschrieben, wenn es
sich nicht um ein Substantiv bzw. Eigennamen handelt und zugleich Bestandteil
einer Ausführung ist, die grammatikalisch nicht als Ganzsatz gilt, z. B.
Dosierungsanleitung: dreimal täglich 20 Tropfen auf ein Glas Wasser.

Oftmals lässt sich nicht zweifelsfrei klären, ob die Ausführung, die dem
Doppelpunkt folgt, als eigenständiger Ganzsatz aufzufassen ist oder vielmehr ein
Satzglied des Textes darstellt, der vor dem Doppelpunkt steht. Dabei erweist sich
folgendes Verfahren als hilfreich: Kann anstelle des Doppelpunktes ein
Gedankenstrich oder ein Komma gesetzt werden, liegt es im Ermessen der
Anwender/-innen, das dem Doppelpunkt folgende Wort groß- oder
kleinzuschreiben, z. B.
Er schaute zufrieden in den Garten: Alles (auch: alles) wuchs und gedieh.
(Denn es wäre auch möglich zu schreiben: Er schaute in den Garten – alles
wuchs und gedieh.)

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13 Juni, 2007

Spin: Blair kritisiert Medienhype

--- Welche Veränderung geht in einem Menschen hervor, wenn er nach vielen Jahren eines der wichtigsten Ämter in seinem Land abgeben muss? Tony Blair, scheidender Premierminister von Großbritannien und einer der größten Inszinierer seiner Politik (der dabei Vorbild für Gerhard Schröder war) findet plötzlich die Inszinierung und Dauererregung in der Politik schädlich fürs Land. ""Das Verhältnis zwischen Politik und Medien ist so beschädigt, dass es der Reparatur bedarf“, mahnt der britische Premierminister zwei Wochen vor dem Ende seiner zehnjährigen Amtszeit. „Der Schaden unterminiert das Selbstvertrauen des Landes und seine Institutionen, und er reduziert die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Das sähen auch Führungskräfte aus Wirtschaft, Militär und gar Wohlfahrtsorganisationen so, sagt er. Es traue sich nur keiner, das offen zu sagen." Das notiert heute das Handelsblatt auf seiner Titelseite. Und weiter attackiert er Journalisten in einer Rede bei Reuters : "Ihnen kreidet er an, dass sie immer hektischer reagierten, immer bedenkenloser Themen hochpeitschten und immer schamloser auf den Bauch statt das Hirn des Publikums zielten. Wenn die Medien die wachsende Politikverdrossenheit kritisierten, dann müssten sie bei sich selber nach den Ursachen suchen. (...) "Ich gestehe meine Komplizenschaft ein“, sagt Blair. „In den frühen Tagen von New Labour haben wir unangemessen stark die Medien hofiert.“ Damit habe man riskiert, die Trends, die er nun beklage, zu befeuern. Eine Lösung hat Blair nicht zu bieten, das ist auch nicht mehr seine Aufgabe. Er deutet nur an, dass ein neuer Regulierungsansatz nötig sei. Die Debatte müsse aus der Medienbranche selber kommen – „wenn die Politik sie startet, wird sie sie verlieren“.

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04 Juni, 2007

Groß- und Kleinschreibung

--- Lisa Walgenbach erklärt heute die Groß- und Kleinschreibung der vertraulichen Anredepronomen (Anredefürwort) Du/du:

Seit der Umsetzung der Orthografiereform am 1. August 1998 galt folgende Regel, die nicht nur bei vielen Schreibenden, sondern auch bei den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen auf Ablehnung stieß: Die Anredepronomen du und ihr mussten ebenso wie ihre zugehörigen Possesivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort) dein und euer nunmehr auch in Briefen, Widmungen, Fragebogen u. Ä. kleingeschrieben werden.

Die Kritiker/-innen argumentierten damit, dass sie durch die Großschreibung der vertraulichen Anredepronomen und ihrer zugehörigen Possesivpronomen den Personen, die sie duzen, denselben Respekt entgegenbringen möchten wie denen, die sie siezen.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die umstrittene Regel überarbeitet.
Seit dem 1. August 2006 können die vertraulichen Anredepronomen du und ihr ebenso wie ihre zugehörigen Possesivpronomen dein und euer in Briefen sowohl groß- als auch kleingeschrieben werden.

Beispiel:
Lieber Peter,
wir freuen uns, wenn du/Du uns am Wochenende besuchst. Wir planen, mit Dir/dir in den Zoo zu gehen.
Liebe Grüße
Dein/dein Onkel Klaus

In allen übrigen Textsorten müssen die vertraulichen Anredepronomen du und ihr sowie die entsprechenden Possessivpronomen dein und euer kleingeschrieben werden, so auch bei der Wiedergabe von Ansprachen.

Beispiel:
Liebe Parteifreunde und –freundinnen, wir sind heute zusammengekommen, um dir, lieber Fritz, zu deinem Geburtstag zu gratulieren und dich mit diesem Geschenk zu erfreuen.

Ungeachtet aller Regeländerungen, die seit der Umsetzung der Orthografiereform am 1. August 1998 vorgenommen wurden, müssen die Höflichkeitsanrede Sie und das entsprechende Possessivpronomen Ihr samt seiner flektierten (gebeugte) Formen stets großgeschrieben werden.

Beispiel:
Habe ich richtig verstanden, dass Sie Ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten Ihrer Tochter und Ihrem Sohn übertragen haben?

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03 Juni, 2007

Alarmstufe Rot: Wo bleibt der Journalismus?

--- Was ist nur aus dern Frankfurter Rundschau geworden? Ein mäßiges Tabloid auf schlechtem Papier gedruckt. Die WAZ streicht ihre Lokalausgaben zusammen, neue Hochglanzzeitschriften setzen aufs Foto. Beim Springerverlag werden gnadenlos Stellen gestrichen mit all den Folgen für die journalistische Qualität. Dazu kommen immer mehr Zeitungen, denen der Inhalt weniger wichtig ist und die große Ratlosigkeit, was mit dem Medium Internet anzustellen sei und ob sich Zeitungen mit Renditen von Null bis vier Prozent noch lohnen. Immerhin brechen die Werbeeinnahmen weiter ein, sinken die Auflagen kontinuirlich, während immer mehr Menschen ins Internet gehen - allerdings dafür nicht zahlen wollen. In einer großen Story fragt der Spiegel heute nach der Zukunft des Journalismus. Fest steht: Ohne Zeit und Recherchemöglichkeiten funktioniert Journalismus nicht. Das mögen Verleger vielleicht nicht gerne hören. Doch anstatt wie in den vergangenen Jahren für Sinnloses Millionen um Millionen zu versenken, sollten sie sich lieber Gedanken machen, wie die Zeitung der Zukunft auf hohem Niveau finanzierbar gestaltet werden kann. Die amtierende Generation scheint dazu nicht in der Lage zu sein.

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