20 Dezember, 2006

Medien 2007: Was das Jahr bringen wird

--- Das neue Jahr dürfte einige Überraschungen bereit halten. Nachdem ProSiebenSat1 nun an die Finanzinvestoren Permira und KKR gehen wird und nicht an Axel Springer (das Kartellamt hatte sein Veto eingelegt), kauft Springer jetzt den Schweizer Jean Frey Verlag. Gleichzeitig bastelt Springer an einem neuen NutzwertMagazin, dass dem Focus Konkurrenz machen soll. Auch der Spiegel hat eine Entwicklungsredaktion auf die Beine gestellt, um ein neues Kulturmagazin zu testen. Den Aufschlag unter den Neuen (von denen man nie weiß, ob sie nun wirklich erscheinen werden), macht definitiv der Condé Nast Verlag, der mit seinem Flaggschiff Vanity Fair am 8. Februar wöchentlich für Glamour und Wirbel auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt sorgen will. Womöglich bringt die Süddeutsche auch eine Sonntagszeitung auf den Markt, das aber wohl frühestens im Herbst. Fest steht: Alle Verlage rücken mehr und mehr ins Internet vor und erkennen an, dass das nur erfolgreich mit eigenen Internet-Redaktionen funktioniert. Das heißt: Vielleicht keine gut bezahlten, aber immerhin neue Jobs sind in Sicht.
Zu guter Letzt: Der Stern plant ein Relaunch für das kommende Jahr.

GESEGNETE WEIHNACHTEN und einen GUTES NEUES JAHR!

09 Dezember, 2006

Tempo: Wagner beerdigt Trendmagazin - und seine eigene Vergangenheit

--- Tempo, das war das Trendmagazin der Neunzigerjahre, jetzt ist es noch ein letztes Mal - zum zwanzigsten Jubiläum - erschienen. In der "Welt" rezensiert Franz Josef Wagner, Chef-Kolumnist des Springer-Verlags, das Heft:
"Niemals habe ich etwas Unlebendigeres angefasst, niemals etwas
Kälteres, außer einen Otto-Katalog. Die Gedenknummer von Tempo hat
nichts begriffen. Nichts von den Niederlagen, den Kompromissen, den
Frustrationen des "New Journalism", auf dessen Schlachtfeld ich auch
gefallen bin. Dazu später mehr.487 Spiegeleier von Mutter Beimer
Am Anfang des neuen Heftes von Tempo Werbegag-Fotos, routiniert
ausgedacht wie von Springer & Jacobi oder Jung von Matt. 138.700
Zigaretten rauchte Helmut Schmidt in den letzten zehn Jahren. 5,2
Millionen Liter Blut wurden seit 1996 in Kriegen vergossen, die Menge,
die in zwei Olympia-Schwimmbecken passt (Tempo fotografierte). Danach
die 487 Spiegeleier, die Mutter Beimer in der Endlos-Serie
Lindenstraße brutzelte. Großartige Doppelseiten, aufgebahrt wie
Hollywood-Leichen. Als Tempo noch lebte, hießen diese Seiten
"Tempodrom". Und die Philosophie war: The picuture tells the story. "

Wagner ist nicht irgendeiner, wenn es um Tempo und das damals vorherrschende Lebensgefühl geht, was er freigiebig kundtut:
" Hunter S. Thompson vertrat die Ansicht, dass der Autor einer
Geschichte genauso betrunken sein muss, wie der Alkoholiker, über den
er schreibt. Das war der Tempo-Journalismus. Und es ist der
Journalismus, an den ich bis heute glaube. Man muss zornentflammt
sein, um über Zornige zu schreiben. Davon ist nichts im neuen Heft von
Tempo. Ich hätte so gern Nettes über Tempo 2006 geschrieben. 1. Weil
ich Markus Peichl liebe. 2. Weil ich Christian Kracht zum ersten Mal
in Tempo las, es ist 20 Jahre her. 3. Weil meine Tochter bei Tempo
volontierte. 4. Weil ich als Chefredakteur der Bunten ein bürgerliches
Tempo machen wollte. Was mir total misslang. Bis zum Rauswurf. Bis zur
Ächtung.
Ja, wir waren Leute, die glaubten Zeitgeist zu sein. Das neue Heft von
Markus Peichl ist der verzweifelte Aufschrei eines Blattmachers, der
es besser machen will als Bunte, Stern, BamS, Welt, Park Avenue. Ich
denke, dass mit Tempo 2006 endgültig der poetische Journalismus
begraben ist."

Bleibt die Frage: Wie sehen die neuen, trendigen Magazine aus, die die Lebenswelt einer neuen Generation ansprechen und vor allem Papier und virtuellen Raum verbinden?

08 Dezember, 2006

Der Apostroph und die Kennzeichnung des Genitivs

--- Hier wieder einige Rechtschreibregeln, präsentiert von Lisa Walgenbach:
Wer aufmerksam durch deutsche Fußgängerzonen spaziert, kann sie zuhauf beobachten: Benennungen des Typus Rudi’s Resterampe, Verona’s Nailstudio, Melanie’s Frisierstübchen zieren Läden wie Restaurants und sollen - jeweils mit Apostroph geschrieben - das Interesse potenzieller Kunden/-innen wecken. Dies verleitet viele Schreibende dazu, in ihren Texten den Genitiv (= Wesfall) von Namen nach demselben Muster zu bilden. Dabei wird im Deutschen normalerweise vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt (z. B. Peters Buch). Auch bei Abkürzungen ist der Apostroph nicht zulässig (z. B. der Fahrer des Lkws).
Der Apostroph steht vielmehr zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden und keinen Artikel o. Ä. bei sich führen (z. B. Thomas‘ Buch, Grass‘ Werke, Saßnitz‘ Hafen, Franz‘ Auto, Max‘ Handy). Was im Englischen korrekt ist (z. B. Peter’s book), war im Deutschen vor der Orthografiereform nicht zulässig. Seither kann der Apostroph zur Verdeutlichung der Grundform eines Eigennamens verwendet werden
· vor der dem Genitiv-s (z. B. Rudi’s Resterampe, Andrea’s Frisierstube zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)
· vor der Adjektivendung -sch (z. B. der Ohm’sche Widerstand, neben: der ohmsche Widerstand)

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06 Dezember, 2006

Medienbranche: Neue Trends

--- Hier in Kürze der Überblick zu neuen Trends in der Medienbranche:
* Der Spiegel berichtet, dass Wirtschaftstitel die Frauen als Leser entdecken. Der Grund: Männer wandern verstärkt ins Internet ab, während Frauen die Papierform bevorzugen.

* In Amerika liebäugeln Manangerlegenden wie Jack Welch und Hank Greenberg
mit dem Kauf von Zeitungen, wie die FAZ berichtet. Sie wollen sie als Liebhaberobjekte führen, wie etwa die New York Times. Die Zeitungsverlage haben derzeit in den USA große Probleme, den Wandel im Internetzeitalter zu bewältigen. Als Liebhaberobjekt von Dritten geführt zu werden, muss da nicht schaden: Solche Investoren geben gerne Geld aus, um das Blatt voran zu bringen, ohne in die redaktionellen Abläufe einzugreifen.
Ebenso berichtet die FAZ, dass Qualitätsjournalismus im Internetzeitalter wichtiger wird. Das prophezeit der Medienwissenschaftler Francois Heinderyckx. Der Grund: Weblogs änderten das Meinungsklima mit vermeintlichen Wahrheiten, Populäres werde verbereitet, nicht aber recherchiert. Zugleich überziehe die Informationsflut die Nutzer wie eine Art Schleppnetz. Da sei es wichtig, dass Nachrichten für den Nutzer eingeordnet und bewertet würden.