22 November, 2006

Horst Köhler: "Freiheit, die sich bindet."

--- Zum 50. Geburtstag des Presserates hat Bundespräsident Horst Köhler eine spannende Rede gehalten. "Eine freie Presse gehört zum unverzichtbaren Kern einer freiheitlichen Demokratie. Es muss eine Kultur des demokratischen Staates sein, die Freiheit der Meinung und der Presse zu garantieren und zu schützen. Warum? Weil Demokratie davon lebt, dass Vielfalt herrscht, dass unterschiedliche Auffassungen miteinander ringen können; weil erst in der Auseinandersetzung mit dem anderen der demokratische Kompromiss reift. All das können wir nur da als alltägliche Selbstverständlichkeit erfahren und lernen, wo Freiheit herrscht, auch in der Berichterstattung.
Und das heißt: Pressefreiheit kann und muss auch unbequem sein. Dabei ist es ein Missverständnis zu denken, Pressefreiheit sei Garant für Qualität im Journalismus. Mitnichten. Das Notwendige dazu stammt von Albert Camus: "Eine freie Presse kann gut oder schlecht sein, aber eine Presse ohne Freiheit kann nur schlecht sein." "

Köhler äußerste sich auch zur wirtschaftlichen Lage der Medien und versuchte, der Situation etwas Positives abzugewinnen: "Kommerzielle Zwänge müssen nicht zwangsläufig zu Qualitätseinbußen führen. Der wirtschaftliche Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland ist auch dadurch gekennzeichnet, dass Innovation und Produktivität gerade dann zunahmen, wenn die Wettbewerbsbedingungen besonders hart waren. Und amerikanische Pressehistoriker haben herausgefunden, dass technologische Erneuerungen durchaus auch einen heilsamen wirtschaftlichen Druck auf den Journalismus ausgeübt haben. Denn erst als im 19. Jahrhundert neue, schnelle Druckmaschinen zur Verfügung standen und die Industrie mit Hilfe der Werbung Massengüter unter die Verbraucher bringen wollte, konnten sich die Zeitungen von den sie bis dahin prägenden parteipolitischen Bindungen lösen und lernten, Massen anzusprechen - was nur gelang, indem man eine unparteiische Sprache fand: die moderne Nachrichtensprache eben. Die technische Innovation wurde nach dieser Lesart also zu einem der Auslöser für politische Unabhängigkeit im Journalismus."
Köhler forderte die Journalisten auf, nachzufragen, den Dingen auf den Grund zu gehen. War das Ernst nehme, werde auch weiter beachtet. Entsprechend brauche die Branche auch keine Angst vor dem Internet zu haben. "In meinen Augen birgt die Entwicklung eine große neue Chance. Denn das Internet ist nicht nur eine neue Technik. Es ist ein neues Kulturwerkzeug, das die Generationen prägen wird, die damit aufwachsen. Was eigentlich ist neu an der Welt, seit es das Internet gibt? Mathias Döpfner hat das Potenzial wie folgt beschrieben: "Jede Information ist für jedermann jederzeit überall verfügbar."
Was für eine traumhafte Ausgangslage für jeden Journalisten, der es mit seinem Berufsauftrag ernst meint!
Stiften Sie Ordnung unter all diesen Informationen. Geben Sie Orientierung. Zeigen Sie den Unterschied zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Halten Sie uns neugierig. Klären Sie uns auf.
Ich bin sicher: Diese Aufgabe lohnt sich. Und sie bleibt."

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08 November, 2006

Praktikum: DJV erarbeitet Standards

--- Der Deutsche Journalistenverband will Qualitätsstandards für Praktika erarbeiten. "Diese Entscheidung traf am heutigen Mittwoch der DJV-Verbandstag 2006 in Mannheim. Die Richtlinien werden unter anderem Empfehlungen zur Dauer des Praktikums, zur fachlichen Begleitung und zum Aufbau von Praktikumszeugnissen enthalten. Zur Aufwandsentschädigung für Praktikanten sollen verschiedene Modelle erarbeitet werden, die die Besonderheiten von journalistischen Praktika berücksichtigen. Die Inhalte der Richtlinien sollen angehenden Journalisten mehr Sicherheit geben, wenn sie sich in Redaktionen oder bei freien Journalisten um ein Praktikum bewerben", heißt es in einer Pressemitteilung des DJV.

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07 November, 2006

Zitate: Bloß nicht die Konkurrenz

--- Soll ich die Konkurrenz-Zeitung zitieren, ja oder nein? Die Frage stellt sich jeder Journalist irgendwann und wenn nicht, so wird er schnell mit dem Thema innerhalb der Redaktion konfrontiert. Dabei ist es doch eigentlich die oberste Pflicht einer Zeitung, seine Leser exakt zu informieren. Wenn also die FTD heute schreibt, Glos habe am Wochenende "einer Zeitung" gesagt, er wolle den Kündigungsschutz lockern und zitiert dann noch fleißig aus dem Artikel, dann will der Leser doch wissen, dass es soch um die Welt am Sonntag gehandelt hat. Warum fällt das der FTD schwer? Dagegen werden Feindesblätter nur dann von der FTD zitiert, wenn denen einen Panne unterlaufen ist. Nun ja.
Es gibt solche und solche Regeln. Die SZ versucht, Zitate weitestgehend zu vermeiden. Die FAZ geht sehr liberal damit um. Publikationen des eigenen Verlags werden natürlich grundsätzlich bei allen bevorzugt zitiert, Ausnahme das Handelsblatt und Wirtschaftswoche, die selten auf einander Bezug nehmen. Es ist also auch immer viel Politik im Spiel. Und obendrein brüsten sich alle damit, wenn sie in einem Quartal wieder häufiger zitiert wurden als andere. Daher: Immer mal nachfragen, welche Regeln in der eigenen Redaktion gelten.

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