27 September, 2006

Neue Rechtschreibung: Kommasetzung

---Zur Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven, erklärt Lisa Walgenbach heute:
"Viele Schreibende zeigen sich unsicher hinsichtlich der Kommasetzung zwischen zwei Adjektiven, z. B. eine schnelle, zuverlässige Hilfe; aber: der trockene französische Rotwein. Diese richtet sich danach, ob beide Adjektive als gleichrangig gelten oder das erste Adjektiv die nachfolgende Fügung genauer bestimmt.
In der Praxis hat sich ein Verfahren bewährt, mit dessen Hilfe die Schreibenden schnell und zuverlässig klären können, welcher der beiden Fälle vorliegt.
Lässt sich zwischen den Adjektiven die Konjunktion und sinnvoll einfügen, gelten diese als gleichrangig und werden durch ein Komma voneinander getrennt, z. B. eine schnelle, zuverlässige Hilfe (= eine schnelle und zuverlässige Hilfe).
Erweist sich das Einsetzen der Konjunktion und hingegen als nicht sinnvoll, entfällt das Komma. So gilt in dem Beispiel der trockene französische Rotwein der französische Rotwein als Einheit, die durch das Adjektiv trocken näher bestimmt wird.
Gelegentlich kann das Komma den Sinn des Satzes verändern. Dann ist es Aufgabe der Schreibenden, ihre Aussageabsicht zu verdeutlichen, z. B. die oberen zerstörten Stockwerke (= die unteren sind ebenfalls zerstört), aber: die oberen, (und zwar) zerstörten Stockwerke
(= nur die oberen Stockwerke sind zerstört)."
Alles kompakt noch einmal HIER.

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Stellenabbau und kein Ende

--- Die Situation für Journalisten bleibt mehr als schwierig. Nachdem erste Anzeichen darauf hinwiesen, dass es wieder aufwärts gehen könnte, kündigt jetzt die Geschäftsführung der Frankfurter Rundschau an, 200 Stellen zu streichen. Redakteure werden in neuen festen Fremdfirmen gebündelt, wie die FTD berichtet. Obendrein soll die FR ab 2007 als Tabloid erscheinen, um Leser zu gewinnen. Ebenso in der Verlagsgruppe Handelsblatt: 15 Prozent des Personals wird abgebaut. Das Onlinegeschäft soll ausgebaut werden. Wo bitte steuert der Qualitätsjournalismus hin? Nicht mehr vom Printredakteur, sondern vom Medienredakteur ist die Rede. Im Klartext: Das Content-Management nimmt zu, also das Verwalten von Inhalten. Da ist es im Zweifel egal, woher die Inhalte stammen. Oje, oje.

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20 September, 2006

Putsch in Thailand: Die Sache mit der Überschrift

--- Was macht eine gute Überschrift aus? Diese Frage wird wohl während der wenigsten Volontariate intensiv behandelt, obwohl der Leser sich doch neben dem Bild zuerst die Überschrift anschaut, um dann zu entscheiden, ob er einen Artikel anfängt zu lesen, oder nicht. Damit steht eigentlich auch schon fest, was eine gute Überschrift ausmachen sollte: Spannung sollte sie erzeugen, informieren, eine Neuigkeit beinhalten, den Leser in den Artikel locken. Vor allem aber sollte eine Überschrift eigentlich auch neutral sein, so jedenfalls war es lange Zeit Konsens in der Branche. Das gilt längst nicht mehr, verleitet aber nicht zwingend zu besser formulierten Überschriften, wie ich finde. Beispiel, zum einen aus der FTD und dem Handelsblatt: "Militär putscht in Thailand" und "Militärputsch erschüttert Thailand".
Die erste Überschrift ist vorbildlich: neutral, beschreibend, mit einem starken Verb ("putscht"), dass Spannung erzeugt, obwohl die Geschichte in einem fernen Land wie Thailand spielt, un ddie Betroffenheit des Lesers eher gering sein dürfte. Die zweite Überschrift ist subjektiv ("erschüttert" ist ein wertendes Verb, solange es nicht die Folgen eines Erdbebens beschreibt), obendrein soll ein abstraktes Subjekt wie "Militärputsch" plötzlich ein Land erschüttern, was eher als schiefes Bild gewertet werden kann. Diese Überschrift "hyped", überdreht also die Nachricht, in der Hoffnung, dass der vieles gewohnte, womöglich durch die ständige Dramtisierung abgestumpfte Leser dann doch den Text liest.

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11 September, 2006

Perlentaucher sucht Jungredakteur

--- Auf Jobsuche? Pelentaucher.de sucht einen Jungredakteur:
"Zur Mitarbeit an Eurotopics, einem europäischen Newsletter, den der Perlentaucher im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung produziert, suchen wir einen Jungredakteur oder eine Jungredakteurin mit abgeschlossener journalistischer Ausbildung.Voraussetzung sind sehr gute Französisch- und Englischkenntnisse, Gespür für die politischen und kulturellen Themen Europas sowie Teamfähigkeit, ein heller Kopf um 7 Uhr früh und Spaß an einer manchmal stressigen Redaktionsarbeit.Bitte schicken Sie Ihre Bewerbungen mit Lebenslauf und Arbeitsproben als pdf-Datei an job@perlentaucher.de oder postalisch anPerlentaucher Medien GmbH Zu Händen von Frau Ingeborg Ermer Chausseestraße 810115 Berlin."

08 September, 2006

Zeitungsredakteure: Einkommen sinken

--- Den Journalisten in der Republik geht es ans Portemonnnaie, damit die Gewerkschaften ihren Flächentarif retten können. Der DJV und Verdi haben sich heute mit den Arbeitgebern (BDZV) auf einen Flächentarifvertrag für die rund 14 000 Kollegen von den Zeitungen geeinigt. Rückwirkend zum 1. August (Laufzeit bis 31. Juli 2008) steigen die Gehälter um ein Prozent und damit geringer als die Inflation steigt, de fakto also ein Einkommensverlust. Zum 1. August 2007 steigen die Gehälter um 1,5 Prozent. Trostpflaster ist eine Einmalzahlung von 350 Euro.
Wie bei den Zeitschriftenredakteuren gibt es neue Berufsjahrstaffeln:
1. bis 3. Berufsjahr: 2.829 € (vorher 2801)
4. bis 6. Berufsjahr: 3.283 € (vorher 3250 bis 3548)
7. bis 10. Berufsjahr: 3.788 € (vorher 3900)
ab 11. Berufsjahr: 4.167 € (vorher 4162)
"Die bisherige Stufe ab dem 15. Berufsjahr entfällt, die ersten drei Stufen der alten Staffel wurden zu zwei Gruppen zusammengefasst. Die einprozentige Gehaltserhöhung ist bereits eingerechnet", schreibt der DJV.

Für die Journalisten ist das also mal wieder gar nichts bis weniger. Wie bei den Zeitschriften-Kollegen ging es letztlich nur um den Fortbestand der Gewerkscahften in der Branche. „Dieser Tarifabschluss war notwendig, um den Fortbestand des Flächentarifvertrags zu sichern“, erklärte DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff.

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05 September, 2006

ARD: Geld für Jan Ullrich

--- Warum zahlte die ARD jahrelang Geld, um Jan Ullrich zu interviewen? Diese Frage stellt heute zurecht die FAZ. Bis zu 195000 Euro erhielt er wohl pro Jahr, dafür, dass er sagen durfte, wie toll der Kurs war, wie schwer es ihm am Berg fiel und dass die Chancen auf den Titel noch nicht verloren sind. Soll die Berichterstattung nur noch gegen Geld stattfinden? Was soll das? Wenn man schon zahlt, dann doch bitte auch mit dem Recht einer kritischen und harten Berichterstattung. Davon aber ist nichts bekannt. Übrigens: Auch einige Politiker haben schon Geld für Interviews verlangt - etwa der Kämpfer für die Entrechteten, Oskar Lafontaine.

Ansonsten: Die Gratis-Zeitungen in Dänemark und in London kämpfen um Leser. in Österreich hat die neue Zeitung "Österreich" viel Geld für ein Interview mit der acht Jahre lang entführten Natascha geboten.

UPDATE: Der Streit um Ulrich, den ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf und die ARD selbst beherrscht die Seiten der Medienteile, etwa den der FAZ. Jetzt fordert sogar die SPD im Bundestag, ein Kontrollgremium bei der ARD einzurichten. Mehr dazu im FORUM.

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