29 August, 2006

Vanity Fair: Die Zukunft der New York Times

--- Wie der Economist, so beschäftigt sich auch das US-Gesellschaftsmagazin Vanity Fair in seiner aktuellen Ausgabe mit der Zukunft der Medien, speziell mit dem Tageszeitungs-Schlachtschiff der Amerikaner, der New York Times. Dazu fasst der Perlentaucher in seiner Magazinumschau zusammen: "Michael Wolff hat einen atemberaubenden Bericht über den Zustand der New York Times verfasst. Die Aktien sind seit 2002 um fünfzig Prozent gefallen. Die Zeitung ist so schwach geworden, dass sogar die "schwachen Bush-Leute sich stark genug fühlen, sie anzugreifen". Das Publikum läuft weg, Shareholder nagen an ihr, und Arthur Sulzberger jun., 54 Jahre alt und seit 1992 Herausgeber, versucht die Zeitung ins Internetzeitalter zu führen, wo sie für Wolff nichts zu suchen hat: Die mit viel Geld und Sachverstand erarbeiteten langen Versionen der Times "werden benutzt als Futter für die Kurzversion von jedermann... Das Internet, das einst als ideales Vehikel angesehen wurde, um ein gezieltes Publikum anzusprechen, entwickelt sich zu einem Supermassenmedium mit gigantischem Umfang, das auf billige Werbung angewiesen ist... Was die Times bestenfalls werden kann, ist so etwas wie about.com, ein Informationsplattform mit viel Umfang und wenig Qualität und riesigen Mengen an werbebezogenen Daten im Angebot, das Amateure, Fetischisten und Hobby-Journalisten einspannt, die für wenig Geld viel Ramsch produzieren, um die Page-View-Zahlen zu erhöhen." (Aber vielleicht hätte die New York Times einfach nur statt about zu kaufen besser in technorati investiert, um die besten Blogs auf ihrer Seite zu versammeln?)"
Wolff berichtet: "His vision of an ideal Times company sounds a lot like—without any sense of irony—Time Warner. (Once, during the boom years, I questioned Arthur about this enthusiasm for everything new-media. If this were the 50s, I asked, would he want the Times to buy a television network? "You bet I would," said Arthur.) "
Es zeigt sich wieder, dass die Debatte um die Zukunft der Verlage weltweit entbrannt ist. Wolff jedenfalls glaubt nicht an die Finanzkraft der Internetuser und liefert Zahlen: "To replace its $1.5 to $1.7 billion traditional business with its online business—as it keeps suggesting it will one day do, and as critics have urged it to do on an even faster timetable—the Times might, impossibly, have to increase its online business to 400 or 500 million users a month. Or it will have to remake its content to more accurately reflect its advertisers' interests: oversize-shoe advertisers pay more to be next to a story about oversize shoes than they do to be next to a story about the Iraq war. Or, in another approach, it could look to MySpace: while the Times's 40 million monthly users generated, in May, according to ComScore, 489 million page views—this is the number that interests advertisers—MySpace's 50 million monthly users, deeply entertained by its user-created content, generated 29 billion page views."

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28 August, 2006

Economist: "Who killed the newspaper?"


--- Der alt ehrwürdige "Economist" widmet sich in seiner aktuellen Titelgeschichte der Zukunft der Zeitungen. Die Erkenntnis, dass immer weniger junge Menschen zur Zeitung greifen und statt dessen lieber im Internet nach Infos surfen, trägt auch diesen Artikel. Zwar gesteht das Magazin den Verlagen zu, dass sie Fortschritte im Internet machen, allerdings "most are still too timid, defensive or high-minded". Den meisten von ihnen fehlt dann doch die Vorstellung, wie sie gegen die Online-Medien bestehen können und zugleich junge Menschen für das greifbare Papier begeistern können. "Another early mistake was for papers to save their best journalists for print. This meant that the quality of new online editions was often poor. Websites hired younger, cheaper staff." Die Zukunft ist also online, das gilt für Jungjournalisten wie auch für die Print-Profis. Der Artikel ist sehr zu empfehlen, zumal er einen internationalen Überblick bietet und zeigt: Nicht nur die deutschen Verlage sind ratlos, was einen aber nicht beruhigen sollte, im Gegenteil.

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23 August, 2006

Journalistenpreis: Warum Firmen mitmischen

--- Journalistenpreise gibt es inzwischen wie Sand am Meer - und jeder junge Journalist will auf jeden Fall einmal einen gewinnen. Neben den renommierten Preisen, wie dem Wächterpreis oder dem Theodor-Wolff-Preis, küren inzwischen auch etliche Unternehmen Journalisten für ihre Arbeit. Dabei sind diese Preise Teil der PR-Aktivitäten der Unternehmen. Zum einen belohnen sie etwa Journalisten, die über die Branche des Unternehmens schreiben und sorgen so womöglich für Wohlwollen. Zum anderen können sie so Themen setzen. Heute etwa hat der Energieversorger EWE erneut einen Journalistenpreis ausgelobt und darn klar gesagt, dass es darum geht, Themen ins Bewusstsein der Medien zu heben: "Auch im Kontext der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland möchten wir Journalisten dazu anregen, über das Thema Bildung und Wirtschaft nachzudenken: Ist der Stand der ökonomischen Bildung in Deutschland ausreichend? Warum geraten Menschen in die Schuldenfalle und wie befreit man sich daraus?"
Wie befreit sich der Journalist aber aus dieser Falle? Am Besten ist es, er nimmt nicht teil.

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22 August, 2006

Park Avenue: von Schönburg gibt auf

--- Für die Kollegen des monatlich erscheinenden Glamour-Magazins "Park Avenue" sieht es schlecht aus: Nachdem der stellvertretende Chefredakteur Rainer Schmidt im Juni gehen musste, gibt nun Chefredakteur von Schönburg freiwillig auf. Die Chefredaktion übernimmt der Stern-Chefredakteur Andreas Petzold in Personalunion. Gruner und Jahr dürfte damit jetzt die Handbremse ziehen. Denn das Magazin war seit seiner Gründung in der Kritik, weil es gehobenes Gesellschaftsmagazin wie Vanity Fair sein wollte, dies aber nie richtig geschafft hat. Wie der Spiegel berichtet, haben die Mitarbeiter bereits in Scharen das Magazin verlassen. "Gruner+Jahr-Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz kündigte an, in den nächsten Monaten "die inhaltliche Weiterentwicklung des Blattes voranzutreiben" und mittelfristig eine neue Redaktionsführung zu etablieren. Schönburg, Bruder von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und Autor von Liefestyle-Ratgebern wie "Die Kunst des stilvollen Verarmens" und "Lexikon der überflüssigen Dinge", bleibt den Angaben zufolge Autor bei "Park Avenue".
Bereits im Juni war laut Verlag "auf eigenen Wunsch" der stellvertretende Chefredakteur Rainer Schmidt "wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Blattes" von seiner Funktion ausgeschieden.
Neben Schmitt hatten zuvor außerdem dessen Vorgängerin Petra Schnitt, Chefreporter Udo Ulfkotte, Textchefin Tanja Stelzer und Andrea Freund das Blatt verlassen. "

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18 August, 2006

Tarifvertrag: Zeitschriftenredakteure bekommen mehr

--- Heute haben sich die Tarifparteien von DJV, Verdi und VDZ auf einen neuen Tarifvertrag für die Zeitschriftenredakteure verständigt. Die Kernpunkte:
Zum 1. Oktober gibt es eine Einmalzahlung in Höhe von 220 Euro.
Zum 1. Januar 2007 steigen die Gehälter um 2,2 Prozent.
Zum 1. Januar 2008 ist eine weitere Einmalzahlung von 220 Euro fällig.
Der Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2008.

Darüber hinaus gibt es neue Berufsjahrstaffeln:
Gruppe I (einfach Redakteure):
ab 1. Berufsjahr: 2.850 €
ab 4. Berufsjahr: 3.200 €
ab 7. Berufsjahr: 3.650 €
ab 10. Berufsjahr: 3.950 €
(Vorher: Im 1. Berufsjahr 2669 € Im 2. und 3. Berufsjahr 2895 € Im 4. Berufsjahr 3153 € Ab 5. Berufsjahr 3458 € Ab 7. Berufsjahr 3619 € Ab 10. Berufsjahr 3922 € Ab 15. Berufsjahr 4128 €)


Gruppe II (Leitungsfunktion):
ab 4. Berufsjahr: 3.600 €
ab 7. Berufsjahr: 4.150 €
ab 10. Berufsjahr: 4.700 €
(Vorher: Ab 3. Berufsjahr 3567 €. Ab 5. Berufsjahr 4031 €. Ab 10. Berufsjahr 4634 €. Ab 15. Berufsjahr 4877 €)

Bei beiden Gruppen entfällt das 15. Berufsjahr. Es gilt ein Vertrauensschutz von maximal 60 Monaten. "Wer also bis zu fünf Jahre von der nächsten Stufe der alten Berufsjahrstaffel entfernt ist, wird diese noch erreichen", schreibt der DJV in einer Pressemitteilung. Die Gewerkschaft freut sich bereits, den Flächentarif gesichert zu haben, wenn auch die Zuschläge eher mager ausgefallen sind. Die Zeiten werden nicht leichter in der Branche.

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15 August, 2006

John Jahr gestorben

--- Der Verleger John Jahr ist gesorben. Dazu teilt der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger meit: "Die deutschen Zeitschriftenverleger trauern um John Jahr, der am Montag im Alter von 72 Jahren überraschend verstorben ist. „Mit John Jahr starb einer der letzten großen Verleger der Nachkriegszeit, der die deutsche Presselandschaft maßgeblich mit entwickelt und geprägt hat“, sagte Dr. Hubert Burda, Präsident des VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger am Dienstag. „Zeitschriften waren sein Leben. Auf einzigartige Weise vereinte er verlegerisches Gespür und unternehmerischen Weitblick“, so Burda weiter.
Mit der Entscheidung, den väterlichen Constanze-Verlag mit dem Henri-Nannen-Verlag von Gerd Bucerius und der Druckerei von Richard Gruner zu verschmelzen, legte Jahr 1965 den Grundstein für Europas größten Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr. Durch den schrittweisen Verkauf von 74,9 Prozent des Verlages an Bertelsmann schuf er in den 70er Jahren die Voraussetzungen für nationales und internationales Wachstum. Titel wie STERN, BRIGITTE, SCHÖNER WOHNEN, CAPITAL oder GEO gehören in Deutschland wie international zu den bekanntesten Zeitschriftenmarken."


*** Ansonsten: Verleger Murdoch startet Mitte September eine Gratiszeitung in London. Zielgruppe: Mal wieder die 17 bis 35jährigen, die die magazinartige Zeitung von 700 Zeitungsjungen auf der Straße angeboten bekommen werden. Sie seien für die Werbewirtschaft wichtig, heißt es. Und die muss das Blatt ja finanzieren.

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14 August, 2006

Neue Rechtschreibung: Regeln kompakt

--- Seit dem 1. August gelten die neuen Rechtschreibregeln. Wir bieten auf dieser Seite eine kompakte Übersicht von Lisa Walgenbach. Zusätzlich wird es jeden Monat eine kleine Regelkunde zu einem ausgewählten Thema von Lisa Walgenbach auf dieser Seite geben. Heute: der Doppelpunkt und wie man sich danach verhält. Die Rechte liegen bei der Autorin.

08 August, 2006

Business News und Papst-Interview

--- Der Holtzbrinck-Verlag versucht es nach dem Scheitern des Tabloids "News" (Frankfurt) jetzt von Berlin aus in acht Ballungszentren mit dem Gratisblatt "Business News". Das Blatt wird ausschließlich an Firmen verteilt und bestückt mit Artikeln aus den Holtzbrinck-Publikationen Handelsblatt, Tagesspiegel und Wirtschaftswoche. Entsprechend wenig journalistisch geht es zu, ebenso werden die Redakteure schlecht bezahlt. Die Welt am Sonntag berichtet: "Die Idee ist ein bisschen geklaut: Vergangenen Herbst startete ein unabhängiger Verlag in London die Gratiswirtschaftszeitung "City A.M.". Zwischen 6.30 und 10 Uhr morgens wird das Blättchen nicht nur in U-Bahn-Stationen und Flughäfen verteilt, sondern auch an Büros geliefert. 100 000 junge urbane Leser täglich erreicht "City A.M." nach eigenen Angaben, mehr als 50 Prozent davon haben bislang keine Tageszeitung gelesen.
Madzia verfolgt die gleiche Zielgruppe: "Wir wollen vor allem Leser erreichen, die sich überwiegend in TV und Internet informieren." So sieht die Zeitung auch aus: Kurze Texte, bunte Bilder, reißerische Überschriften, es wimmelt von Anglizismen. "Business News" ist eine Boulevardzeitung für Wirtschaftsinteressierte. "


*** Und ansonsten: Erstmals hat ein Papst ein TV-Interview gegeben. Heute erzählt ZDF-Pragrammchef Bellut von dem Erlebnis in der Süddeutschen in einem eher schlecht geführten Interview, warum er noch nichts über die Inhalte erzählen darf: "Bevor wir das Gespräch am Sonntag ausstrahlen dürfen, muss das Interview erst in alle Kirchensprachen übersetzt werden. das schriftliche Wort des Papstes ist weltweit bindend - am mündlichen wird nichts mehr geändert."

*** Springer startet jetzt dauerhaft mit der zur Fußball-WM veröffentlichten Sport B.Z. Das Produkt erscheint täglich, im Tabloid und kostet 50 Cent.

04 August, 2006

Google kauft Inhalte

--- Es konnte einen schon wundern, dass die etablierten Medien bislang zugelassen haben, dass Google mit seinem Google News-Service einfach Webinhalte der Onlinemedien sammelt und als Newsdienst aufbereitet. Das Modell ist ein Beispiel dafür, dass es in Zukunft darauf ankommt, Infrastruktur zu besitzen und weniger Inhalt. Vielen Medien war der Inhalteklau von Google recht, verirrten sich doch so wenigstens einige User auf den spärlich besuchten Seiten der großen Verlage. Nur die Bild hat sich unseres Wissens bislang geweigert. Wie der Spiegel heute berichtet, läuft aber auch ein Prozess in Frankreich, den AFP führt. "Sie verklagte Google im vergangenen Jahr wegen der ihrer Ansicht nach missbräuchlichen Verwendung von AFP-Meldungen und -Bildern durch den Dienst. Der Prozess ist noch im Gange, AFP verlangt 17,5 Millionen Dollar von Google. Dort wurde stets der Standpunkt vertreten, bei der Nutzung in Google News handle es sich um "Fair Use", gedeckt vom US-Urheberrechtsgesetz."
Warum die deutschen Verlage nicht schon längst selbst ein eigenes News-Portal eröffnet haben und so Geld verdienen, wissen nur die altbackenen Verlage selbst. Jetzt aber startet Google den nächsten Coup in Richtung Netzführerschaft und will selbst Inhalte anbieten, zunächst in der englischen Version in Kooperation mit der Nachrichtenagentur AP, wie es im Spiegel-Bericht weiter heißt. "Was genau das bedeutet, lässt sich ohne viel Fantasie folgern: Google News wird künftig Meldungen präsentieren können, die man auch lesen kann, ohne auf einen Link zu klicken. Das heißt auch: Google wird in Zukunft Anzeigen im Nachrichtenbereich verkaufen können - die gibt es bei Google News bislang nicht."
Die gute Botschaft: Eigen erstellte Nachrichten und Inhalte haben doch einen Wert - auch online.

03 August, 2006

Weischenberg-Studie: Hang zur Rudelbildung

--- Siegfried Weischenberg, Medienwissenschaftler und lange Zeit Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, wartet nach 1993 mit einer neuen repräsentativen Studie zur Lage des Journalismus auf. Wenig überraschend: Der Zugang zu einer Journalistenkarriere ist nach wie vor offen. Weder Journalistenschule noch Studium oder Volontariat garantieren den Karriereschub. Klar ist aber auch wieder geworden, dass die meisten Journalisten vorher Praktika absolviert haben, knapp 70 Prozent der Journalisten haben studiert, Tendenz steigend. Weischenberg hat dagegen einen Trend ermittelt, den Praktiker schon lange beklagen: Immer weniger Journalisten müssen immer mehr Seiten füllen, so dass kaum noch Zeit für eine saubere Recherche bleibt. In der SZ sagt er heute: "Tatsächlich existiert eine Rechercheschwäche im deutschen Journalismus. Anders als in Amerika gibt es kaum reine Reporterjobs. Journalisten müssen heute vieles mehr auf einmal tun: Für Online-Ausgaben arbeiten, E-Mails beantworten, sich um Technisches und Organisatorisches kümmern. Das geht vor allem auf Kosten der Recherche." Die Folge: Einer schreibt vom anderen ab, Google mutiert zur Hauptrecherchequelle. Auch die Leitwölfe verbünden sich, wie wir bereits berichtet haben und wie Weischenberg jetzt auch noch einmal feststellt: "Vor allem die Großjournalisten aus Presse und Fernsehen. Man sieht bei prominenten Journalisten doch einen Trend zur Rudelbildung. Herr Aust und Herr Diekmann und Herr Schirrmacher und Herr Döpfner kennen sich nicht nur alle gut, sondern man hat den Eindruck, die Harmonie ist auch beruflich groß - Beispiel Rechtschreibreform. In der Studie findet sich das breite Ergebnis: Die Orientierung an Leitmedien und Kollegen ist sehr viel stärker geworden. "
Am Ende warnt Weischenberg vor einer "Entgrenzung" des Berufs: "Günther Jauch ist das Paradebeispiel der Journalisten, die dabei nicht nur glücklich, sondern auch reich werden. Das viel größere Problem aber ist die Entgrenzung hin zu Public Relations und Weblogging. Parolen aus der Kommunikationswissenschaft wie "jeder ist ein Journalist" laufen auf eine Deprofessionalisierung hinaus. All das bedroht die Identität des Journalismus. "
Für seine Studie "Journalismus in Deutschland" befragte Weischenberg 1536 fest angestellte und freie Journalisten im Hauptberuf. Das Buch "Die Souffleure der Mediengesellschaft" erscheint im September, erste Befunde finden sich HIER und zum Thema Leitmedien HIER. Diskussiert im FORUM.

01 August, 2006

Iran: Die Macht des Wortes

--- Wörter haben Macht, deshalb sollte es jeder Journalist gezielt einsetzen. Politik lässt sich mit dem Begriff "Agenda 2010" (Schröder) kennzeichen oder aber mit dem Begriff "sozialer Kahlschlag" (Linkspartei). Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad weiß um die Macht des Wortes und will nun die Landessprache Persisch von westlichen Fremdwörtern befreien. „Pizza“ soll künftig auf Farsi mit „elastischerLaib“ umschrieben werden, berichten Presseagenturen wie AP: "Statt „Chat“ soll die „kurze Unterhaltung“ in den Berichten Einzug halten, das Lehnwort für Kabine soll dem „kleinen Raum“ weichen. Ahmadinedschad habe Behörden und Medien seines Landes angewiesen, entsprechenden Empfehlungen der Persischen Akademie zu folgen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Akademie habe dazu einen Katalog mit mehr als 2.000 Wörtern erstellt."
Nun macht es durchaus Sinn, den Anglizismen das Wort in der eigenen Sprache zu reden, doch gibt es sicher auch Begriffe, die etwas schlicht treffend beschreiben und nicht umständlich umschreiben. Wie lautet doch so schön die goldene Regel des Journalisten? "Sag es treffend." Wir sagen ja auch nicht zu Döner "gefüllte Teigtasche".