27 Juli, 2006

Wolfgang Fellner: Der Markt schrumpft, der Verleger steigt ein

--- Vermutlich hält es Wolfgang Fellner wie ein Spekulant an der Börse: Fallen die Kurse, lohnt sich der Einstieg, steigen sie wieder, heißt es, Gewinne mitnehmen. Seit langem schon fallen die Kurse auf dem Printmedienmarkt: Erst diese Woche wurde erst wieder bekannt, dass die Bild Leser verliert (minus 330 000), ebenso die Bild am Sonntag (230 000), die Süddeutsche Zeitung (minus 50 000) oder die Frankfurter Rundschau (minus 10 000). Insgesamt verloren die Tageszeitungen an Reichweite (von 48,54 auf 47,95 Millionen Menschen). Zumindest die Taz, die FTD, das Handelsblatt und vor allem Wochentitel konnten dazu gewinnen, etwa die Zeit aber auch die Welt am Sonntag. Die Wochenmagazine Spiegel, Stern und Focus dagegen büßten an Reichweite ein, sagt zumindest die Media Analyse.
Genau in dieser Phase bringt Verleger Fellner eine neue Zeitung auf den Markt, wenn auch in Österreich, wo die Welt aber nicht anderes ist als hier.: "Österreich" heißt das Tabloid, dass Mitte September erscheinen soll. Ein Newsroom ist geplant, wo auf 2400 Quadratmetern 150 Journalisten arbeiten sollen (Foto). Und obendrein plant er noch eine Gratiszeitung für die jungen Menschen, die sich kaum noch fürs Zeitunglesen begeistern können. Heute erklärt er in der FAZ seine Pläne. "Im Jahr 1990 war ich bei vielen deutschen Großverlagen, um einen Partner zu finden für ein Magazin. Die Stimmung war: Um Gottes willen! Wie kann einer so verrückt sein und jetzt Magazine starten wollen? Es war das Jahr des Privatfernsehens und jeder hat vom Ende der General-interest-Illustrierten gesprochen. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie totgesagt der Sektor Magazin und Publikumszeitschriften war. (...) Für diejenigen, die in den siebziger Jahren durch die Bildungsreform des Bruno Kreisky in Österreich und eines Willy Brandt in Deutschland gegangen sind. Die diese Bildungsexplosion erlebt haben, Matura haben oder in Deutschland Abitur oder Mittlere Reife, die mit dem Fernsehen aufgewachsen sind. Die keine Lesegeneration, sondern eine Schaugeneration sind. Ich habe begonnen, moderne Optik zu machen und gezeigt, daß ein Bild eine Geschichte erzählt, daß Bildtexte ganz wichtig sind, daß man Leser durch ein Heft führt. Genauso war es bei Dirk Manthey, bei Conde Nast, bei dem von mir bewunderten Samuel Newhouse mit „Vanity Fair“ und was da alles entstanden ist Anfang der neunziger Jahre. Diese großen Würfe, diese Kreativität gibt es heute auf dem Magazinmarkt nicht mehr." Also kontert er mit einer Tageszeitung im Tabloid-Format und setzt auf das Rieplsche Gesetz, das auch Springer-Chef Döpfner beschwört. "Mein Sohn (Niki Fellner), der in St. Gallen studiert, kam mit einer Stanford-Studie zu mir, die herausgefunden hat: Je höher bei einem Menschen die Online-Nutzung ist, desto höher ist auch sein Tageszeitungskonsum. Das ist genau das Gegenteil der üblichen Meinung, daß nämlich Online Print kille." Laut Fellner wird das Internet zum zeitaktuellen Medium, die Tageszeitung zu einem aktuellen Medium mit magazinartigen Hintergründen, das Magazin zum hintergründigen, erklärenden Periodikum.

*** Und sonst noch: Zum 1. August werden die meisten Printmedien und vor allem die Agenturen auf die neue Rechtschreibung umstellen.
Focus löst die Online-Partnerschaft mit Microsoft MSN auf. Jetzt plant Microsoft ein eigenes Portal und will dazu eine Online-Redaktion aufbauen.
Die Gewerkschaft der Journalisten, der DJV, regt sich jetzt auch mal langsam über die Amateur-Reporter bei Zeitungen auf. "
Der Deutsche Journalisten-Verband warnt vor einer Aufweichung journalistischer Standards durch die so genannten Leserreporter. "Es entwertet die Arbeit von Redaktionen", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, "wenn ambitionierte Amateure die Aufgaben professioneller Journalisten übernehmen. Der Mitmachjournalismus schadet auf Dauer dem Qualitätsprodukt Zeitung." Toll.

Labels: , , ,

23 Juli, 2006

Medieninhalte: Wertvoll oder wertlos?

--- Wo liegt die Zukunft der Medien, wo die Zukunft der Journalisten? Derzeit findet eine schleichende Strukturänderung der Branche statt, die viele Fragen aufwirft. Da bietet etwa MTV künftig online Konzertmitschnitte umsonst und ohne Werbung an. Die BILD lässt ihre Leser zu Handyfoto-Paparazzi mutieren und füllt ihre Seiten so mit Amateuren. Und im Internet scheinen Infrastrukturanbieter wie Google die Gelddruckmaschinen zu sein, der Inhalt dagegen nur Mittel zum Zweck - der damit nur noch als End of pipe-Produkt bezahlt wird, die Gewinne aber anderswo gemacht werden. Im Fernsehen kassiert die Telekom oder Kabel Deutschland, weniger Premiere oder Arena, wenn man sich das Spiel bei den Fußball-Übertragungsrechten derzeit anschaut. Was ist ein guter Journalist da in Zukunft noch wert?

Und ansonsten: Springer-Chef Mathias Döpfner kauft zum Vorzugspreis von Friede Springer zwei Prozent des Verlags, während der Chef der Springer-Publikation "Die Welt" geht, um die Schweizer Weltwoche zu kaufen und als Chefredakteur künftig wieder zu führen, wie vor seinem Job bei Springer. Offenkundig verdient man in diesem Verlagshaus recht gut.

Labels: , ,

20 Juli, 2006

New York Times: Aufschrei in der Medienwelt

--- Wenn eine so renommierte Zeitung wie die New York Times ihr Zeitungsformat verkleinert, wie wir gestern schon berichtet haben, dann sorgt das dieser Tage für einen Aufschrei, auch in Deutschland. Denn der Trend zum Tabloid ist ungebrochen - weil die Menschen wohl immer weniger große Zeitungen lesen wollen, zum anderen die Verlage damit Kosten sparen können. Die Süddeutsche hat heute neben einem Artikel sogar auf der Seite Eins Platz gemacht und dem Thema das Streiflicht gewidmet und es dort sehr rührend aufgearbeitet. Hier wird täglich in einer Glosse ein Ereignis aufgespießt. Die SZ pflegt übrigens eine Kooperation mit der NY-Times und veröffentlicht einmal die Woche eine entsprechende Beilage auf englisch.

Labels: , ,

19 Juli, 2006

DuMont übernimmt FR und mehr

--- Der Kölner Verlag Neven DuMont übernimmt die Hälfte der Anteile der Frankfurter Rundschau, die vor zwei Jahren von der Medienholding der SPD, DDVG, übernommen worden war. Die FR, so heißt es, soll weiter eine überregionale Zeitung bleiben. Der FR-Verlag ist in schweres Fahrwasser geraten und musste unter SPD-Führung bereits das Personal von 1100 auf 735 reduzieren.

*** Und ansonsten:
Der Cicero wird nicht wegen Geheimnisverrates vor Gericht gebracht. Die FAZ schreibt dazu: "Im Fall des Politikmagazins wird es keinen Prozeß wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat gegen den "Cicero"-Autor Bruno Schirra und den Auslandschef der Schweizer Zeitung "Sonntagsblick", Johannes von Dohnanyi, geben. Das Potsdamer Landgericht lehnte am Montag die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Die Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin Beschwerde an."
Die New York Times muss weiter sparen und verkleinert deshalb das Zeitungsformat um elf Prozent (vier Zentimeter schmaler als bislang). 250 Mitarbeiter sollen so entlassen werden.
Nach einer US-Studie haben Online-Nachrichten eine Verfallszeit von 36 Stunden, guten Chancen also für die Tageszeitungen zu überleben?

Labels: , ,

15 Juli, 2006

Gegendarstellung: Bild muss einstecken


--- Heute lohnt sich ein Blick auf die Titelseite der Bild-Zeitung. In großen Lettern und oberhalb des Bruchs druckt die Boulevardzeitung heute eine Gegendarstellung von Heide Simonis ab. Die Gegendarstellung musste in gleicher Größe erscheinen wie der Artikel vorher. Bild hat im Mai einen Artikel mit der Frage verfasst: Heide Simonis jetzt ins Dschungel-TV? Da bestätigt sich doch die alte Journalistenregel: Ein Fragezeichen allein schützt nicht vor einer Gegendarstellung, es muss trotz allem recherchiert werden, ebenso schützen in Zitate gekleidete Behauptungen nicht vor presserechtlichen Ärger. Bild hata übrigens jetzt eine feststehende Rubrik auf Seite 2 eingerichtet: "Berichtigung" heißt sie. Den Bildblog, einer der schärfsten Kontrolleure der Bild, freut sich heute. Ihm haben wir auch die Titelseite entliehen.
Eins sei aber noch zum Vorteil der Bild gesagt: Sie greift heute den Wirbel um das Diana-Foto ab, dass in Italien in einer Zeitung stand, wie wir berichtet haben. Bild aber verzichtet darauf, es abzudrucken. Das ist doch was.
UPDATE: Ja, da war der Wunsch Vater des Gedankens. Natürlich hat Bild das Bild abgedruckt, wenn auch in Form der entsprechenden Seite aus der italienischen Zeitschrift. Und empört sich natürlich, wie man so ein Foto nur abdrucken kann "(siehe Foto rechts)", so läuft eben Boulevard.

Labels:

Zeitschriften: Sinkende Auflagen

--- -Der Abwärtstrend bei den Medien trifft nicht nur die Tageszeitungen, auch die Magazine leiden. Diese Woche hat der Verband der Zeitschriftenverleger neue Zahlen vorgelegt. Ergebnis: 2,9 Prozent Minus im 2. Quartal. "Nicht einmal die Sportzeitschriften konnten von der WM-Euphorie profitieren und verloren 2,3 Prozent ihrer Vorjahresverkäufe." Gewinner sind die Jugendzeitschriften, "bei denen sich nach längerer Durststrecke der Positivtrend aus dem letzten Quartal mit einem Plus von 5,5 Prozent fortsetzt. Auflagensteigerung können erneut Wirtschaftsmagazine (+4,2%), Programmzeitschriften (+3,5%) und auch Zeitschriften für IT- und Telekommunikation (+2,7%) verbuchen. Bei den Frauenmagazinen können nur die monatlichen Titel die Auflage (+0,7%) halten, während wöchentliche (-4,1%) und 14tägliche (-3,2%) verlieren. Überdurchschnittliche Verluste vermelden Lifestylmagazine (-9,3%). Im Segment der aktuellen Zeitschriften und Magazine stehen steigende Auflagen bei den Newcomern Cicero (+16,9%) und Neon (16,9%) Verluste bei den etablierten Titeln gegenüber. Der Spiegel bleibt trotz eines Minus von 3,6% mit einer Durchschnittsauflage von 1.033.454 Exemplaren meistverkaufter Titel vor Stern (-4,9%/1.012.193) und Focus (-5,9%/730.435)." Mehr Details unter www.pz-online.de.

Labels:

14 Juli, 2006

Prinzessin Diana: Pietät oder journalistische Pflicht

--- Die 1997 bei einem Autounfall in Paris verstorbene britische Prinzessin Diana bewegt auch heute noch die britischen Gemüter. Eine italienische Illustrierte hat jetzt ein Schwarz-Weiß-Foto von der sterbenden Prinzessin veröffentlicht. Entsprechend gab es Proteste in Großbritannien, die von "widerlich" bis hemmungslos morallose Auflagensteigerung ging. DPA: "Die Illustrierte "Chi" veröffentlichte nun "weltexklusiv" eine Aufnahme. Darauf ist zu sehen, wie versucht wird, Diana auf dem Rücksitz ihrer Limousine künstlich zu beatmen."
Wo sind die Grenzen, was wird gezeigt, was nicht? Ist es für den Leser wichtig zu sehen, wie die Frau künstlich beatmet wird? Gibt es dafür ein öffentliches Interesse? Wohl kaum, auf jeden Fall nicht rund zehn Jahre danach.

Labels:

13 Juli, 2006

Rechtschreibung: Online Wissen testen

--- Mit der deutschen Rechtschreibung ist es so eine Sache: Kaum einer weiß wirklich noch, was vom Alten geblieben ist und was das Neue verlangt. Wer sein Können testen will, dem empfehlen wir die Seite Korrekturen.de. Dort finden sich ein guter Online-Test und einiges mehr zur Rechtschreibung.

Labels:

Kriegsgefahr in Nahost: Von Selektionskriterien

--- Nach welchen Regeln wählen Medien Nachrichten aus, wann heben Zeitungen ein Thema auf die Titelseite, wann schafft es gar nicht erst den Sprung ins Blatt? Diese Fragen sind zwar vielfach erörtert und in unterschiedlichen Theorien abgehandelt worden, heute aber lässt sich neben Neuigkeitswert, Sensation, Prominenz und anderen Faktoren ein weiterer gut ausmachen: Die Einstellung eines Mediums selbst. Was ist wichtiger: Ein Angriff eines Staates auf einen anderen oder eine 280 Millionen Euro-Strafe der EU-Kommission gegen Microsoft?
"Brüsssel straft Microsoft ab" und "Millionenstrafe für Microsoft", schreiben das Handelsblatt und die FTD auf ihren Titelseiten; "Israel greift an zwei Fronten an" und Israel marschiert in den Libanon ein", dagegen SZ und FAZ. Die Welt widmet dem bevorstehenden Krieg obendrein noch eine Schwerpunktseite, schließlich ist das Blatt qua Statuten der Aussöhnung mit dem israelischen Volke verpflichtet, wie alle Springer-Publikationen und insofern besonders interessiert; aber auch die SZ widmet die Seite 2 dem Thema und kommentiert obendrein.

Labels: , ,

12 Juli, 2006

WM: Auflagen, Umsätze bei Radio und Zeitungen

--- So eine WM bleibt auch nicht ohne Wirkung auf die Medien, und inzwischen werden auch die ersten Zahlen bekannt. Die "Gazzetta della Sport" feiert die höchste Auflage ihrer Geschichte, nachdem die Italiener die WM gewonnen haben. 2,302 Millionen Exemplare wurden am Montag verkauft, wie die Berliner Zeitung berichtet. Dagegen sieht es in Deutschland weiterhin schlecht aus. Zwar sind laut BDZV die Zeitungen nicht von den Online-Medien während der WM verdrängt worden (warum auch, die Leute saßen ja auch alle vorm Fernseher). Ob allerdings mehr Zeitungen verkauft werden konnten, weiß der Verband noch nicht. Fest steht: Im ersten Quartal wurden wieder einmal 1,4 Prozent weniger Exemplare verkauft, als ein Jahr zuvor. Wieder einmal wurden vor allem in Ostdeutschland weniger Zeitungen gelesen. Dieser Trend zieht sich seit der Wende wie ein roter Faden durch die Printmedien-Statistik. 2005 las nur noch jeder zweite Jugendliche eine Zeitung, unter den 20-29jährigen sind es wenigstens 60 Prozent. Auch die Anzeigenumfänge sinken weiter. Die Strukturkrise geht also munter weiter.

*** Und ansonsten: Immer weniger Menschen hören Radio, im Schnitt sind es 199 Minuten pro Tag, das sind sieben Minuten weniger als im Juli 2005, na ja.

11 Juli, 2006

Tarifvertrag für Tageszeitungen neu verhandelt

--- Der Deutsche Journalistenverband teilt mit: "Die Gewerkschaften DJV und Verdi haben in der heutigen vierten Verhandlungsrunde mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Frankfurt Fortschritte in Richtung auf einen Tarifabschluss erzielt. Am Ende der über sechsstündigen Verhandlungsrunde für die rund 14.000 deutschen Tageszeitungsredakteurinnen und -redakteure lagen folgende Eckpunkte für einen neuen Gehaltstarifvertrag auf dem Tisch:
- Der neue Gehaltstarifvertrag soll bis 31. Juli 2008 laufen.
- Die Berufsjahrstaffel verändert sich wie folgt:
1. bis 3. Berufsjahr: 2.801 €
4. bis 6. Berufsjahr: 3.250 €
7. bis 10. Berufsjahr: 3.750 €
ab 10. Berufsjahr: 4.126 €
Gegenüber der Berufsjahrstaffel des alten Gehaltstarifvertrags bedeuten die Veränderungen ein Minus von knapp fünf Prozent in einer 30-jährigen Redakteurslaufbahn.
- Für den Zeitraum vom 1. August 2005 bis 31. Juli 2006 sollen einmalig 350 Euro gezahlt werden. Zu den linearen Gehaltserhöhungen zum 1. August 2006 und zum 1. August 2007 besteht noch Beratungsbedarf.
- Der zum 31. Dezember 2006 gekündigte Manteltarifvertrag soll unverändert bis Ende 2008 fortbestehen.
- Auch die Altersversorgung der Redakteure bleibt in der bestehenden Form bis Ende 2008 erhalten.
Offen ist noch die Frage zum Bestandsschutz der alten Berufsjahrstaffel. Am Ende der vierten Tarifrunde waren hier zwei Jahre vorgesehen. Wer demnach noch maximal 24 Monate bis zum Sprung in die höhere Stufe der alten Berufsjahrstaffel vor sich hat, würde diese Stufe auch erreichen."
Tja, da fragt man sich doch nach der Durchschlagskraft der Gewerkschaften. Das jedenfalls ist kein Erfolg, wenn man sich parallel noch die Rationalisierungsbemühungen der Arbeitgeber vor Augen hält.

Labels:

10 Juli, 2006

Fußball und Wirtschaft: Namenswerbung oder Freiheit des Tragenden?

--- Im Journalimsus gibt es immer wieder kleine Einfallstore für die PR-Agenten. Während der Fußball-WM etwa hießen die deutschen Stadien nicht mehr AOL-Arena oder Allianz-Arena, sondern so wie früher, Volksparkstadion etc. Wenn die Bundesliga aber läuft, übernehmen Journalisten oft die Sponsorennamen, nur warum? Muss der Journalist womöglich dann auch die Bundesliga ab August Telekom-Liga nennen? Wer das tut, handelt nicht journalistisch. Ebenso sollten Unternehmen wie Eon nicht E.On geschrieben werden. Oder schreibt irgend jemand F.D.P. statt FDP? Die Regel gilt: Ausgesprochene Abkürzungen wie Eon werden ausgeschrieben, buchstabierte Abkürzungen wie FDP entsprechend so geschrieben. Wehret den PR-Profis.

05 Juli, 2006

Gesundheitsreform: Agenda-Setting, die nächste

--- Wie reagiert ein Politiker auf einen politischen Beschluss, der ihm mehr als recht ist, der Koalitionspartner es aber nicht merken darf, sondern sogar noch obendrein beschädigt werden soll? Er schimpft über das erzielte Ergebnis. So jedenfalls geht derzeit die SPD vor bei der Gesundheitsreform. Das Ergebnis mag insgesamt dürftig sein, die SPD aber konnte viele Punkte verhindern (was deren Image als Klientel der Sozialschwachen stärkt) und sogar Grundlagen für eine Bürgerversicherung schaffen, dem Lieblings-Wahlkampfschlager seit 2004. Damit die Union es nicht merkt, geißeln Fraktionschef Struck, Juso-Chef Böning und andere die Ergebnisse der Koalitionsrunde von Sonntagnacht und werfen Kanzlerin Merkel vor, sie habe sich von den CDU-Ministerpräsidenten einwickeln lassen und sich damit nicht an Absprachen gehalten. Ja, so klingt es doch nach einer schwachen Kanzlerin, die zu nur wenigem in der Lage ist und einer SPD, die ja gerne noch mehr durchgesetzt hätte, wenn nur die Union nicht wäre. Das ist Aspekte-Management und Spinning vom Feinsten. Wen stört da noch, dass die Beitragssätze steigen werden - und das mit Sicherheit mehr als die für 2007 angekündigten 0,5 Prozent aufs Gehalt. Die Medien jedenfalls berichtetn fleißig über den Streit auf den Titelseiten, so als wäre das jetzt der zentrale Punkt. Es könnte ja die Koalition auseinanderbrechen, wer will da schon fehlen?

Labels: