30 Mai, 2006

Fußball-WM: Bewegung auf dem Medienmarkt

--- Zur Fußball-WM rückt das Tabloid als neues Zeitungsformat in den Fokus. Die ABZV berichtet in ihrem Juni-Nesletter: "Eine kostenlose WM-Zeitung spendiert die Lufthansa ihren Fluggästen. Das tägliche Tabloid wird ab 5.30 Uhr an den Gates ausliegen. Der Deutsche Sportverlag (Handballwoche, aktiv laufen) füllt die 24 Seiten; Redaktionsschluss ist um 1.30 Uhr. Noch eine halbe Stunde länger kann die Berliner B.Z. aktualisieren, für 50 Cent kommt als zusätzliches Blatt die Sport-B.Z. an den Kiosk. Sport Bild täglich erscheint im PDF-Format."
Eher lapidar in einer kleinen Meldung vermeldet die ABZV gleich noch folgendes. "Die FAZ hat herausgefunden, dass die Europäische Union private Sender wie Oberpfalz-TV oder TV-Touring aber auch den BR, den SWR und den MDR für EU-freundliche Berichterstattung bezahlt hat. Eine Million Euro flossen."
Na, wenn das kein dicker Skandal ist, dann weiß ich es auch nicht. Warum fand der FAZ-Artikel keine Beachtung? Was für ein Verständnis haben die politischen Institutionen von der Funktion der unabhängigen Medien? Und was fällt gerade den Öffentlich-Rechtlichen ein, nicht nur ewig steigende Gebühren von jedem Nutzer zu kassieren und obendrein noch von Dritten Geld für Gefälligkeitsberichte zu nehmen? So jedenfalls verfällt der Anspruch auf Gebührenfernsehen. Wir verlinken an dieser Stelle den Artikel noch einmal gerne, vielleicht hilft es ja. KLICK.

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29 Mai, 2006

Tabloids: News wird zum Mini-Handelsblatt

--- Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Nach Angaben der Wams, plant der Holtzbrinck-Verlag ein Mini-Handelsblatt. Dazu soll das Tabloid-Billigprodukt News, das derzeit für 50 Cent in Frankfurt erscheint - und recht erfolglos agiert - zu "Business News" firmieren und bundesweit erscheinen. Es soll der FTD Konkurrenz machen, die bei Gruner und Jahr erscheint und bislang das Konkurrenz-Produkt für das Handelsblatt ist, das ebenfalls Holtzbrinck gehört. News wurde bislang aus Agenturmeldungen und Artikel von Handelsblatt, Tagesspiegel und Wirtschaftswoche gespeist (alle Holtzbrinck). Zuzüglich unter Tarif bezahlter Redakteure (die bislang hauptsächlich die Fremdartikel kürzten) konnte das Billigprodukt so auf dem Markt angeboten werden. Künftig soll das neue Tabloid inhaltlich wie die FTD aufgebaut sein, allerdings mit einem Bruchteil der Redakteure auskommen - die arbeiten ja alle bei den anderen Zeitungen. Die Netzeitung berichtet dazu: "Im Juli starte der Testbetrieb des neuen kleinformatigen Tabloid-Titels, der sich vorwiegend an junge wirtschaftsinteressierte Leser zwischen 20 und 39 Jahren wenden soll. Verlagsintern ist das Projekt höchst umstritten. Besonders die Kollegen vom «Handelsblatt» fürchten, dass «Business News» die etablierte Wirtschafts-Tageszeitung kannibalisieren könnte. Schließlich liefert das neue Tabloid für 50 Cent die Zusammenfassung des mit 1,80 Euro mehr als dreimal so teuren «Handelsblatt»."

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26 Mai, 2006

Schäfer-Bericht veröffentlicht

--- Heute hat der Deutsche Bundestag den umstrittenen Schäfer-Bericht zur BND-Affäre veröffentlicht. Darin kann nun jeder nachlesen, wie der Nachrichtendienst mit Journalisten gemeinsame Sache gemacht hat, vor allem aber, wie er Journalisten bis in deren Privatsphäre bespitzelt hat. Man fragt sich allerdings, weshalb so ein detaillierter Bericht publiziert wird, immerhin will der BND doch im Geheimen arbeiten. Nun ja, so erfährt nun jeder, wie der Laden läuft; ist auf jeden Fall die Lektüre wert. Zur Wahrung von Persönlichkeitsrechten ist der Bericht nicht in Gänze publiziert worden. Er hat leider 9 MB und ist entsprechend ladeintensiv. Diskussion im Forum.

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25 Mai, 2006

Presserat: 50 Jahre für die Medien

--- 50 Jahre Deutscher Presserat: Die Medienszene feiert. Das Selbstkontrollorgan der deutschen Medien hat nun ein halbes Jahrhundert Arbeit hinter sich und zum Jubiläum eine eigene Internetseite aufgebaut. Die aktuelle BND-Affäre aber auch andere Ereignisse, wie das Telekommunikationsüberwachungsgesetz, die Cicero-Affäre und immer wieder Lauschangriffe zeigen immer wieder, wie wichtig es ist, aktiv für die Pressefreiheit einzutreten. Obendrein überwacht der Presserat, dass auch die Medien ethische und moralische Grundsätze einhalten, Personenrechte schützen und so letztlich ihre eigene Pressefreiheit erhalten. Wer einen Artikel zu dem Thema verfassen will, dem sei ein Blick auf die Seite empfohlen. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des Rates: "In seinem Jubiläumsjahr stellt der Deutsche Presserat allen interessierten Medien ein umfangreiches Redaktionspaket zur Verfügung. Enthalten sind – zur unentgeltlichen Verwendung – Textbeiträge über die Entwicklung des Presserats und der Pressefreiheit in Deutschland, eine Sammlung von Fotos und Zitaten, eine Chronik seiner 50-jährigen Geschichte und grafisch aufbereitete Statistiken zur Entwicklung der Beschwerdearbeit."
Dort findet sich entsprechend auch die Begründung, weshalb es den Presserat überhaupt gibt. "Zur Gründung des Presserats trafen sich vor 50 Jahren im Bergischen Hof in Bonn fünf Verleger und fünf Journalisten. Sie reagierten damit auf die Pläne des damaligen Innenministers, ein Bundespressegesetz zu schaffen, das staatliche Aufsichtsinstanzen für die Presse vorsah. Für die Gründer stand schon damals fest, dass eine Kontrolle der Pressefreiheit mit einer Beteiligung des Staates unvereinbar ist."
Im November wird mit einem Festakt gefeiert.

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22 Mai, 2006

Döpfner: Geschichte der Medien

--- Zur Geschichte der Medien zeichnet Mathias Döpfner, Vorstandschef des Springerverlags, folgende Entwicklungslinien: "Die kollektive Angst ist so groß wie lange nicht. Nun ist die Krise für Zeitungsverleger nichts Neues. Als Johann Carolus vor 401 Jahren in Straßburg die erste Zeitung herausgab, drohte er schon zwölf Tage nach Ersterscheinen wieder mit der Einstellung. Beim Bürgermeister beklagte er sich über Kopisten, die ihm das Geschäft zerstörten. Am Anfang der Zeitung stand die Krise. Es war eine Urheberrechtskrise. Um 1900 herum war es dann eine Qualitätskrise, man fürchtete Banalisierung und Verflachung. Die nächste große Krise kam 50 Jahre später, als man die Existenz der Zeitung durch das Fernsehen bedroht sah. Dann kam die "Bild"-Zeitung, und während im Jahr 1900 nur zehn Prozent der Deutschen Zeitung lasen, waren es hundert Jahre später 73 Prozent. 1990 prophezeite Bill Gates, daß es im Jahr 2000 keine Zeitung mehr geben werde. Er täuschte sich. Im Jahr 2000 erwirtschafteten die Zeitungsverlage weltweit die höchsten Gewinne der Geschichte.
Und dennoch herrscht seit einigen Jahren wieder Krise. Die große Anzeigen-, Auflagen-, Internet- und Strukturkrise. Wir Medienmanager lieben die Krise. Wir brüsten uns geradezu damit, wer die Krise am schonungslosesten beschreibt. Niemand will Dinosaurier sein. Deswegen geben wir uns alle extrem veränderungsbereit und im Schumpeterschen Sinne zerstörungsfreudig. Auch ich. Aber wir müssen aufpassen, daß wir nicht Selbstmord begehen aus Angst vor dem Sterben."

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Döpfner zur Zukunft des Journalismus

--- Wie geht es weiter im Journalismus, wie sieht die Ausbildung in Zukunft aus, welche Arbeitskräfte werden überhaupt noch gebraucht? Mit einem Grundsatzartikel (gibt es auch auf deutsch) mischt sich Mathias Döpfner in die Debatte ein. Er reagiert damit auf Rupert Murdoch, der vor gut einem Jahr die Branche mit einer Rede aufgeschreckt hatte und die Zukunft der Medien im Internet ausgerufen hatte. Obendrein ist das Thema vor allem vor dem Hintergrund der gescheiterten Fusion von Springer und Prosieben/Sat1Media zu sehen:
"We need to realize that the next generation of people accessing news and information, whether from newspapers or any other source, have a different set of expectations about the kind of news they will get, including when and how they will get it, where they will get it from, and who they will get it from. Anyone who doubts this should read a recent report by the Carnegie Corporation about young people’s changing habits of news consumption and what they mean for the future of the news industry. According to this report, and I quote, “There’s a dramatic revolution taking place in the news business today, and it isn’t about TV anchor changes, scandals at storied newspapers or embedded reporters.” The future course of news, says the study’s author, Merrill Brown, is being altered by technology-savvy young people no longer wedded to traditional news outlets or even accessing news in traditional ways."
Döpfner berichtet von Schüler-Besuchergruppen, die sich die Zeitung im Springer-Verlag erklären lassen; wie stolz der Chefredakteur den jungen Menschen erklärt, dass Zeitungen heute bis 23 Uhr produziert werden können dank der schnellen Drucktechnik und so trotzdem schon um vier Uhr morgens bundesweit ausgeliefert werden. Die Schüler dagegen fragen: "Warum schickt ihr die Zeitung nicht gleich um 23 Uhr per Mail, wenn zwischen 23 und vier Uhr eh nichts mehr an der Zeitung geändert wird?"
Es gibt einen Wandel, vor allem einen Wandel im Leseverhalten, aber Döpfner sieht nicht das Ende der Print-Medien, im Gegenteil:
"I believe in "Riepl's Law." Wolfgang Riepl was the editor-in-chief of Nürnberger Zeitung newspaper. In 1913, he published a dissertation putting forth a law that was to have a shaping influence on the history of communications: new media do not replace existing media. Media progress is cumulative, not substitutive. New media are constantly added, but the old ones remain. This law has yet to be disproved. Books have not replaced storytelling. Newspapers have not replaced books; radio has not replaced newspapers; and television has not replaced radio. It follows that the Internet will not replace television or newspapers. That sounds comforting, but there are exceptions: CDs really did replace old vinyl records; and mp3 technology is currently in the process of replacing CDs faster than anyone suspected. The same applies for DVD and video. And this is where things get interesting, for neither the CD nor the DVD nor the mp3 are really new media, they are merely improved technologies. The product itself, the creative medium of music or film, has not been changed by this new transfer medium. Which is why these examples, too, actually confirm Riepl's Law."
Deswegen ist Döpfner sicher, dass Printmedien auch in Zukunft ihren Platz haben werden, wenn auch unterlegt mit einer These, die nicht neu ist und die wir seit langem variable Tiefenschärfe nennen.
"There is a fundamental difference between globalized Internet journalism and newspaper journalism. They have entirely different functions. On the Internet, I get faster access to more information about something I already know I am interested in. If I want to learn something about a specific illness, I go to the Internet. A few links later, I am on a special orthopaedic site, and a few seconds later a search engine has found the right doctor for my ailment. In the newspaper, on the other hand, I learn about things I did not even know I might be interested in. I wanted to read something about backache and ended up reading a text about holidays in the Maldives. The newspaper has breadth, the Internet has depth. The newspaper works horizontally, the Internet vertically. The second essential difference is that on the Internet, the user guides the journalist. In the newspaper, the reader is guided. The Internet has turned the hierarchy on its head. It is selflessly anti-authoritarian in character, profoundly democratic. Newspapers, by contrast, are confidently authoritarian."
In der Tat: Im Meer des Internets finden sich viele nicht zurecht, weshalb die Printmedien eine sinnvolle Selektion bieten. Entsprechend kann das Internet das vertiefende Angebot abbilden - und Printmedien online auch hier Recherchehilfe über Angebote sein. Kein Wunder, dass Springer jetzt mit der Fusion von Mopo, Welt und Wams auch eine Internet-Redaktion aufbaut mit 30 Mitarbeitern - wenn auch 30 Mitarbeiter, die aus dem Printbereich abgezogen werden. Wenn das kein Trend ist, oflline horizontal und online vertikal zu arbeiten. Fragt sich nur, wie viel horizontal eine Printzeitung verträgt. Döpfner jedenfalls meint: "Wir Verlagsmanager müssen uns deshalb noch bewußter werden, daß unser Geschäft nicht das Bedrucken von Papier ist, sondern Journalismus. Journalismus im Internet und Zeitungsjournalismus. Und beide folgen unterschiedlichen Gesetzen. Denn von einem bin ich überzeugt: Wenn jede Information für jedermann jederzeit überall verfügbar ist, dann wächst das Bedürfnis nach Orientierung, Auswahl oder dem, was den guten Zeitungsjournalisten ausmacht: Führung."

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20 Mai, 2006

RBB streicht Rentensendung

--- Der RBB streicht die Infosendungen der Deutschen Rentenversicherung. Wie wir berichtet hatten, strahlte der Sender Beiträge aus, die von der staatlichen Rentenversicherung produziert worden waren. Jetzt heißt es, man verzichte, weil es doch staatliche Mittel seien, mit denen die Spots produziert worden seien. Die Beiträge seien "rundfunkfern" hergestellt worden. Schade, dass das erst so spät bemerkt wurde - nachdem die öffentliche Kritik aufgekommen war.

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19 Mai, 2006

Pressefreiheit: Bundestag debattiert BND-Affäre

--- Auf Antrag der PDS-Fraktion hat der Bundestag heute die BND-Affäre um observierte Journalisten und angeworbene Journalisten behandelt. Ulrich Maurer (PDS) sprach vom "schwersten Angriff auf die Pressefreiheit" seit der Wiedervereinigung. Wie er auf die Gewichtung kommt erklärte er nicht. Der Fall ist in der Tat heikel und bedarf der Aufklärung. Doch erinnern wir uns auch an Maurers Fraktionskollegen, Oskar Lafontaine, der als saarländischer Ministerpräsident das Landespressegesetz änderte, um so massiv Einfluss auf die Berichterstattung der Regionalpresse zu nehmen. Norbert Röttgen (CDU/CSU) sagte: "Mit dem reinen Empörungsgestus werden wir unserer parlamentarischen Verantwortung nicht gerecht. So gravierend der Fall ist, so sehr müssen wir uns fragen, wie wir mit dem Fall als Parlament umgehen." Man sei dem Sonderermittler Schäfer dankbar für den Bericht. Es sollten Konsequenzen gezogen werden. Das Problem sei gewewsen, dass es dann zu Geheimnisverrat kam, weil der Bericht an die Öffentlichkeit gekommen sei. "Diese Straftat war bislang sehr erfolgreich, weil sie den Umgang mit diesem Thema bestimmt. Es gibt Informationshoheit von einigen wenigen und sie haben davon manipulativen Gebrauch gemacht." Zum Thema Pressefreiheit sagte Röttgen nichts, auch eine interessante Art des Aspekte-Managements, um vom Wesentlichen abzulenken. Geheimnisverrat klingt halt spannender als Pressefreiheit. Olaf Scholz (SPD)legte die Prioritäten ähnlich wie Röttgen: "Wir brauchen einen funktionierenden Nachrichtendienst. wir brauchen eine rechtstaatliche, demokratische Kontrolle der Nachrichtendienste. Wir brauchen Pressefreiheit." - in der Reihenfolge. Beide Seiten hätten Grenzen überschritten.
Max Stadler (FDP) kam zurück aufs Thema: "Man ist schon sehr an die SPIEGEL-Affäre von 1962 erinnert. Auch damals wurde versucht, eine kritische Berichterstattung mundtot zu machen. Nach der Affäre ist das Bewusstsein für die Pressefreihet erst richtig in der noch damals jungen Republik gewachsen. Dieses Bewusstsein scheint wieder verloren gegangen zu sein." Stadler erinnerte an die Cicero-Affäre. Die FDP wolle einen gut funktionierenden BND, aber einen, der sich an Recht und Gesetz hält. Die Vorschläge der Fraktion: Vorwürfe umfassend aufklären; das Verhältnis zwischen Informant und Journalist muss ähnlich geschützt werden wie das Verhältnis von Arzt und Patient; die Geheimdienstkontrolle muss verbessert werden. Entsprechende Gesetzentwürfe hat die FDP eingebracht.
Hans-Christian Ströbele (Grüne) kritisierte, dass Röttgen die Indiskretionen in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt werde. "Es ist richtig, dass es unsere Arbeit beeinträchtigt hat. Aber wir können uns nicht so verhalten wie bei der SPIEGEL-Affäre, das eigentliche Problem zu überdecken. Der Abgrund der hier zu klären ist, ist der Abgrund von Bespitzelung, Abhörung und Verrat in Journalistenkreisen." Die Arbeit von Journalisten sei jetzt schon nachhaltig beeinträchtigt, weil das Vertrauen in die Journalisten sinke.

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17 Mai, 2006

FR: Neues aus der Gerüchteküche

--- Was wird aus der Frankfurter Rundschau? Nachdem die SPD vergangenes Jahr rettend eingesprungen war, soll nun ein neuer investor kommen. Im Gespräch: Der Holtzbrinck-Konzern, der angeblich so Synergien zwischen FR, Berliner Tagesspiegel und dem Handelsblatt heben will. Wo die sein sollen, ist schwer ersichtlich. Plausibel wäre, die FR mit News zu verbinden, dem Gratis-Tabloid von Holtzbrinck, dass seit einem Jahr auf dem Frankfurter Markt erscheint.

Ansonsten:
Die BND-Affäre läuft weiter. Olaf Scholz, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, ist für die Veröffentlichung des Berichts, andere sind dagegen. Fest steht: die Kontrolle des BND soll verbessert werde, nur weiß noch niemand so recht, wie das geschehen soll.

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16 Mai, 2006

Handelsblatt: 60 Jahre am Markt

--- 2006 ist das Jahr der Zeitungsjubiläen. Heute feiert das Handelsblatt seinen 60. mit einer Sonderzeitung, die sich auf 96 Seiten mit der Entwicklung Deutschlands, Zukunftsszenarien und der Zeitung selbst in diesen Zeiten beschäftigt. Vor allem interessant sind zwei Dinge: Das letzte Buch, indem die Zeitungsgeschichte des HB beschrieben wird und obendrein, wie eine Seite Eins jeden Tag produziert wird und zum anderen die aktuelle, beigelegte Ausgabe des Handelsblatt - sie erscheint heute im Tabloid-Format. Zum ersten: Da beschäftigen sich Prominente mit der Frage nach der Zukunft der Zeitung. Michael Naumann, Chefredakteur der Zeit, sieht im Papierformat weiterhin die Zukunft der informationsverbreitung, Dan Gillmor dagegen sieht die Zukunft online, die den "Journalisten davon befreit von der Tyrannei des täglichen Veröffentlichungszyklus". In punkto Zukunft jedenfalls ist das Handelsblatt im Tabloid-Format von Interesse. Zwar ist es heute ein einmaliger Versuch, aber der Finanzteil der Zeitung erscheint bereits im Tabloid. Warum, nach dem Erfolg von Welt kompakt, also bald nicht auch das gesamte Handelsblatt - quasi als Infobeigabe der Woche mit einem ausführlichen Wochenend-Heft im alten Format? Die Zunft erwartet weiterhin spannende Umbruchzeiten.

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15 Mai, 2006

BND-Affäre: Parlamentarische Aufklärung verlangt

--- Die Bespitzelung von Journalisten durch den BND und die aktive Anwerbung von Journalisten für Spitzelzwecke zieht weite Kreise. Inzwischen fordert der ehemalige Geheimdienst-Koordinator der Kohl-Regierung, Bernd Schmidbauer, öffentliche Aufklärung. Das Kanzleramt habe damals keine Kenntnis von diesen Vorgängen gehabt. Die Opposition fordert ebenso Aufklärung: "Das Ausmaß an Überwachung von Journalisten, mit der der BND nach den Informationen über den Bericht des ehemaligen Bundesrichters Schäfer die Presse in unserem Land untergraben haben soll, übersteigt schlimmste Befürchtungen", erklärt der grüne Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag. "Rechtswidrige und eklatante Eingriffe in die Pressefreiheit ist das harte Urteil von Herrn Schäfer – wenn man den glaubwürdigen in die Öffentlichkeit gedrungenen Informationen folgt. Wir fordern eine vollständige und öffentliche Aufklärung und Konsequenzen aus diesem unerträglichen Skandal und Angriff auf die Pressefreiheit durch den BND. Dazu reicht die Behandlung im geheimen Hinterstübchen des Bundestages – dem Parlamentarischen Kontrollgremium - nicht aus."

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12 Mai, 2006

BND bespitzelte Journalisten

--- Es muss einen nicht wundern, dass die Geheimdienste sich besonders für Journalisten interessieren. Sie sind es, die häufig vorab exklusives Material zugespielt bekommen und haben Kontakt zu Menschen, denen die Dienste auf die Schliche kommen wollen. Was aber jetzt in einem verrtraulichen Bericht an das Kontrollgremium des Deutschen Bundestages steht, ist dann doch zu viel des Guten. Danach wurden Journalisten bis in ihre Privatleben hinein bespitzelt und vor allem - Journalisten haben Journalisten an den BND verraten.

Und ansonsten:
Zusätzlich wurde gestern bekannt, dass die drei größten Telekommunikationsunternehmen der USA dem Spitzeldienst NSA Zugang zu allen Telefondaten gegeben haben soll. Jetzt herrscht Aufregung im Land der Freien und Unabhängigen. Gleiches gilt übrigens in Deutschland, dabei geht es um die Vorratsdatenspeicherung. So werden also unbescholtene Bürger zu potentiellen Verbrechern. Willkommen im 21. Jahrhundert.

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11 Mai, 2006

Rentenversicherung: Die tägliche Manipulation

--- Wem soll man als Journalist eigentlich noch Glauben schenken, wollen Verlage und Sendeanstalten überhaupt noch recherchierte Geschichten? Mit der Fusion von Welt, Welt am Sonntag und Morgenpost, dem Outsourcing von Redaktionen, dem vermehrten süffisanten Schreibstil etwa bei Spiegel online und dem kostenlosen Angebot von Manipulatoren wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zeichnet sich ein Trend ab, der jedem Journalisten aber auch jedem Demokraten das Fürchten lehren sollte. Jetzt hat der NDR in seiner Sendung Zapp einen Skandal aufgedeckt, der einmal mehr zeigt wohin die Reise in der Medienwelt geht. Die Deutsche Rentenversicherung - wohl gemerkt eine staatliche Institution - hat inzwischen mehr als 600 fünf-minütige Fernsehspots gedreht und den Sendeanstalten kostenlos angeboten. Der rbb hat dankend angenommen und dem Propaganda-Material einen festen Sendeplatz einmal die Woche zugeteilt. Erst wird eine Szene mit Opa und Enkel gezeigt, danach in einem Pseudo-Studio zwischen Moderatorin und Renten-Experte (der Pressesprecher der Rentenkasse) diskutiert. Der Zuschauer erfährt nicht, dass er vom Staat alles vorgesetzt bekommt. Offenbar ist der Tag nicht weit, an dem direkt der Bundesregierung Sendezeiten kostenlos zugeteilt werde, die sie unentdeckt füllen darf.

UPDATE: Hier die Reaktion der Rentenversicherung in Auszügen: "Die Themen der Sendung sind ausschließlich Verbraucherthemen und entspringen dem täglichen Beratungsgeschäft der Rentenversicherung. Es handelt sich somit keinesfalls um Imagewerbung für die Institution Deutsche Rentenversicherung Bund, sondern vielmehr um Themen, die von hohem Interesse für Versicherte und Rentner sind. Bei den in dem NDR-Beitrag genannten Produktionskosten für die gesendeten Beiträge handelt es sich ausdrücklich nicht um Zuschüsse an die Sender für die Ausstrahlung der Spots, sondern um die reinen Herstellungskosten, die der Deutschen Rentenversicherung Bund entstehen. Die Produktionskosten der Rentenversicherung liegen bei rund 1.300 Euro pro Folge, erreicht werden jeweils mehrere hunderttausend Zuschauer."

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04 Mai, 2006

DJV: Schwarzliste zu Arbeitsbedinungen

--- Die Gewerkschaft der Journalisten, der DJV, sorgt sich seit geraumer Zeit über die Tarifbedinungen für Journalisten. Etliche Verlage versuchen, die Personalkosten zu senken und lagern ganze Redaktionsteile aus. Die firmieren dann in einer GmbH und werden vom Verlag engagiert, aber zu günstigeren Konditionen für den Verlag. Jetzt hat der DJV eine Schwarz-Liste veröffentlicht. Danach wenden mehr als 50 Zeitungen außertarifliche Praktiken an, darunter die WAZ, Springer und vor allem weitere Regionalzeitungen.

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03 Mai, 2006

Presse in Freiheit: Ernstes und skurrile Blüten

--- Zum Welttag der Pressefreiheit fühlen sich etliche in der Republik berufen, sich zu Wort zu melden. Zum Beispiel der Presserat: Er fordert einen besseren gesetzlichen Schutz der journalistischen Arbeit vor staatlichen Eingriffen, so wie es FDP und Grüne in ihren Gesetzentwürfen jetzt fordern [„Gesetz zum Schutz vonJournalisten und der Pressefreiheit in Straf- und Strafprozessrecht“(Bündnis 90/Die Grünen) „Gesetz zurSicherung der Pressefreiheit“ (FDP)]. „Auch nach fast sechs Jahrzehnten der Demokratie in Deutschland ist die Pressefreiheit immer wieder neuen Angriffen ausgesetzt“, erklärte ein Sprecher des Presserats. Er verwies auf jüngste Vorfälle wie die Durchsuchung der „Cicero“-Redaktion und dieÜberwachung der Telekommunikation von Journalisten in Dresden und Wolfsburg. Mehr als 150 Überwachungsfälle habe es in den letzten 20 Jahren gegeben. „Es liegt die Vermutung nahe, dass es dem Staat vor allem darum geht, Lücken im eigenen System aufzuspüren“, sagte Geschäftsführer Lutz Tillmanns. Bisher habe sich kein Verdacht ­erhärtet. Auch der Verband Deutscher Zeitungsverleger fordert von der Bundesregierung, den Straftatbestand des Dienstgeheimnisverrates abzuschaffen, um so einen wirksamen Informanten- und Quellenschutz zugewährleisten.
Laut Reporter ohne Grenzen wurden vergangenes Jahr mindestens 63 Journalisten und 5 Mitarbeiter weltweit getötet. Das gefährlichste Land bleibt der Irak. Gleichzeitig gab es heute eine Positiv-Meldung aus dem Jemen, wie Reuters berichtet: "Die jemenitischen Behörden haben am Dienstag das Verbot von drei Zeitungen wieder aufgehoben, die die umstrittenen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt hatten. Der englischsprachige „Yemen Observer“ sowie die Blätter„al-Hurrija“ und „al-Rai al-Am“ dürften einerKabinettsentscheidung zufolge wieder erscheinen, erklärte ein Regierungsvertreter. Die drei im Februar wegen der Verunglimpfung des Islams angeklagten Journalisten müssten sichaber trotzdem vor Gericht verantworten, fügte er hinzu."
Dagegen hat sich der Deutsche Journalistenverband gestern lächerlich gemacht: Die Gerwerkschaft zeichnete die Berliner Zeitung mit dem Preis der Pressefreiheit aus. Begründung: „Das mutige und engagierte Eintreten der Redaktion gegen die Übernahme des Berliner Verlags durch ein ausländisches Finanzkonsortium“. Ach ja, die bösen Heuschrecken ...

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02 Mai, 2006

Pressefreiheit: Morgen ist Welttag

--- Morgen ist Welttag der Pressefreiheit. Vor allem in Ostereuropa sieht es derzeit in punkto Pressefreiheit nicht gut aus, siehe Weißrussland oder Russland. Im Irak sterben etliche Journalisten bei ihrer Arbeit, in Nepal werden derzeit zig Journalisten inhaftiert. Gleichzeitig ist Yahoo in den Fokus gerückt, weil mit Hilfe des Internetunternehmens Journalisten in China verhaftet werden. Weitere Temen zur Lage der Pressefreiheit in der Welt finden sich bei Reporter ohne Grenzen.