25 April, 2006

Springer: Fusion von Welt, Wams und Mopo

--- Im Springer-Verlag geht es rund. Künftig sollen die Online-Redaktionen von Welt, Welt am Sonntag und der Berliner Morgenpost zusammengelegt werden. Die Redakteure der Zeitungen sollen stärker kooperieren, was immer das heißt. Fakt ist: Die Welt macht seit langem Minus, die Mopo seit der Fusion mit der Welt wohl auch oder schwächelt zumindest. Man wolle den größten Newsroom der Welt schaffen, heißt es bei Springer. Na, mal sehen wie das aussieht - ein Großraumbüro für alle, die Fusion der Redaktionen?

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Sperrfrist: Immer beachten

--- Warum eine Sperrfrist, warum lassen sich Journalisten sagen, wann sie etwas veröffentlichen sollen? Heute versendet der Bundesverband der Deutschen Industrie eine entsprechende Pressemitteilung:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
Bitte SPERRFRIST: 15 UHR beachten!!!
anbei übersenden wir Ihnen zur weiteren Verwendung die BDI-Pressemitteilung " Wettbewerbsfähige Energieversorgung - Schlüssel für industrielle Wertschöpfung"."

Der Inhalt ist eine Rede des Präsidenten Thumann, die dieser aber erst am Nachmittag halten wird. Damit die Journalisten aber schon ihre Artikel vorbereiten können - beziehungsweise der BDI noch in diesen Artikeln vorkommt, denn in der Regel ist um 17 Uhr bei vielen überregionalen Zeitungen erster Redaktionsschluss - darf die Rede also schon gelesen, aber erst nachdem Redebeginn veröffentlicht werden.

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24 April, 2006

DJV: Journalistenausbildung in der Krise?

--- Was soll man denken, wenn die Arbeitnehmervertretung der Journalisten, der Deutsche Journlistenverband, die Frage stellt: "Journalistenausbildung in der Krise?" Zuerst mag man sich wundern, dann aber auch wieder nicht. Wir jedenfalls werden zur angekündigten Veranstaltung gehen und uns ein wenig umhören. Der DJV kündigt wie folgt an:
"Wie hat sich die journalistische Ausbildung in den vergangenen Jahren entwickelt, welchen Herausforderungen muss sie sich derzeit stellen und welche Chancen und Wege gibt es für die Zukunft? "Es gilt, Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen der Journalistenausbildung offen auszusprechen", kommentierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken die Veranstaltung vorab. "Ich freue mich, dass sich Experten aus der Wissenschaft und Praktiker aus den Redaktionen auf unserem Podium in Berlin zusammenfinden."Der DJV-Medien-Club findet am Mittwoch, den 26. April um 18.30 Uhr im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin statt. Nach zwei einleitenden Impulsreferaten zur "Journalistenausbildung zwischen Theorie und Praxis" sowie zum "Qualitätsjournalismus unter Zeitdruck" diskutieren auf dem Podium unter anderem BDZV-Präsident Helmut Heinen, der Chefredakteur der Westfälischen Rundschau Klaus Schrotthofer, DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, die Leiterin der Journalistenschule Ruhr Gabriele Bartelt-Kircher und Journalistikprofessor Horst Pöttker. Bei Rückfragen: Tel. 030/72 62 79 20, Fax 030/726 27 92 13."

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21 April, 2006

Bündnis für Erziehung: SZ misslingt Aufdeckung

--- Neben dem Spindoktor versuchen auch die Tageszeitungen immer wieder, dem Spinning der Politik auf die Schliche zu kommen. Die SZ versucht es heute gleich auf Seite 1 in ihrem Bericht über die Familienpolitik der großen Koalition. „Die Ministerin wies darauf hin, dass im Bereich der Kindergärten die Kirchen unter den freien Trägern einen Anteil von 72 Prozent haben. Allerdings ist diese Zahl irreführend, da die Gemeinden nicht mitgezählt werden. Der Anteil der kirchlichen Kitas an der Gesamtzahl beträgt lediglich 44 Prozent.“ Gut gebrüllt, nur leider falsch. Der Begriff „freie Träger“ bedeutet ja genau, dass die Betriebe der öffentlichen Hand nicht mitgezählt werden, also auch nicht die Kitas der Gemeinden. Warum also, hat sich die SZ in der Nachricht zu diesem Kommentar hinreißen lassen, der dort gar nicht hingehört - war es Unwissenheit oder gar Abneigung gegen die Ministerin oder die Kirchen in Deutschland?

Und ansonsten:
*** Die FAZ beschäftigt sich heute intensiv mit der Lage der Presse in Weißrussland und lässt den Chefredakteur der gestern geschlossenen, letzten unabhängigen Tageszeitung „Nascha Niva“eindringlich zu Wort kommen: „Der Anschlag auf „Nascha Niva“ symbolisiert den Beginn der dritten Amtsperiode Alexander Lukaschenkas: Die letzte unabhängige Tageszeitung in weißrussischer Sprache wird geschlossen. Das letzte weißrussischsprachige Gymnasium wird geschlossen. Radio und Fernsehen boykottieren Rockgruppen, die in weißrussischer Sprache singen. Die Auflösung des Schriftstellerverbandes ist eingeleitet. Dutzende von Zeitschriften sind verboten worden. Die Gründung von Radio- und Fernsehsendern, die in weißrussischer Sprache senden, ist illegal. Die Auslöschung kultureller Alternativen ist zum Staatsziel erhoben worden. Man will dem weißrussischen Volk eine einheitliche sowjetische Identität aufzwingen. Es geht heute nicht mehr um die Rettung der „Nascha Niva“ oder der unabhängigen Presse. Der fortbestand der weißrussischen kulturellen Identität steht auf dem Spiel.“

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20 April, 2006

SuperIllu: Nachruf auf Vorrat

--- Wie schaffen es Zeitungen immer wieder, schnell auf plötzliche Ereignisse zu reagieren?
Die Superillu verrät heute unfreiwillig, wie es geht. Die Redaktion hatte wohl gehört, dass der Aktfotograf Günter Rössler gestorben sei und hat heute einen Nachruf publiziert. Rössler aber ist quicklebendig, wie der SPIEGEL berichtet. ""Es war eine Verknüpfung unglück-licher Umstände, die uns unendlich leid tut", heißt es aus der "Super-Illu"-Redaktion. Der stellver-tretende Chef-redakteur der Zeitschrift, Stefan Kobus, schreibt in einer Meldung an Agenturen und Tageszeitungen, der Redaktion sei "ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Aufgrund einer Fehlinformation wird auf Seite 82 über das Ableben des Fotografen Günter Rössler informiert". Die Meldung habe sich als nicht zutreffend herausgestellt, heißt es dort etwas lapidar. "Zum Glück lebt Herr Rössler."
Dann lief die Medienmaschinerie los: Nachdem Superillu die "News" an die Agenturen gegeben hatte, tauchten Reporter der BILD noch am gleichen Abend vor dem Haus des vermeintlich Verstorbenen auf.
"Dass die "Super-Illu" in ihrer nächsten Ausgabe eine Richtigstellung bringen und darin erklären will, wie es zu dem Fehler kommen konnte, reicht Rössler nicht aus. Man habe sich nun darauf geeinigt, über Nachrichtenagenturen die Meldung vom Tod des Künstlers richtig zu stellen. Bis Donnerstag Mittag hatten die Agenturen die von der "Super-Illu" herausgegebende Stellungnahme noch nicht verbreitet. "
Inzwischen findet sich eine Richtigstellung online.
In der Regel haben Redaktionen Nachrufe vorab geschrieben und aktualisieren sie immer wieder. Stirbt dann jemand, kann schnell reagiert werden und ein entsprechend würdigender Text veröffentlicht werden. Vorher wird aber recherchiert, ob die Person auch wirklich verstorben ist. Wer liest schon gerne seinen eigenen Nachruf.

Und ansonsten:
*** In Weißrussland ist eine der letzten Oppositionszeitungen von der Polizei geschlossen worden. Der Grund: Eine Haftstrafe für den Chefredakteur.
*** Die einst linientreue SED-Zeitung "Neues Deutschland" wird 60. Einst lag die Auflage bei 1,1 Millionen, heute sind es noch 50 000 verkaufte Exemplare täglich.

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Zeitungsmarkt: Finanztitel legen zu

--- Seit der Deutsche Aktienindex wieder zulegt und die 6000er-Marke geknackt hat, profitieren offenkundig auch die Zeitungen wieder, speziell im Wirtschafts- und Finanzbereich. Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger meldet, dass die Verlage im ersten Quartal 2006 9,7 Prozent mehr Anlegermagazine verkauft haben als noch im Jahr zuvor - das erste Plus seit dem Ende des Börsenbooms 2000. Die Zahlen: „Der Aktionär“ legte um 50 Prozent zu, „Guter Rat“ um 19 Prozent, „Börse Online“ dagegen verlor 4,5 Prozent, „brand eins“ 8,6 Prozent. Das Manager Magazin legte um 9,9 Prozent zu, die WirtschaftsWoche um 1,4 Prozent. Capital verlor 4,8 Prozent.
Magazine Spiegel, Stern, Bunte und Gala verloren dagegen um 0,4 Prozent: Spiegel minus 3,6 Prozent, Stern minus 3,1 Prozent, Focus minus 5,8 Prozent.

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18 April, 2006

Aspektemanagement: Steuerquote rauf oder runter?

--- --- Für Journalisten ist es oft nicht leicht, sich für oder wider Argumente zu entscheiden. Derzeit sind die Spindoktoren der SPD wieder unterwegs. Wie so oft geht es um die Frage, ob die Steuern zu hoch oder zu niedrig sind. Die Wirtschaft kommt in Fahrt, da muss doch für den Staat etwas zu holen sein, anstatt sich Strukturreformen zu überlegen, um mit 255 Milliarden Euro im Jahr besser hinzukommen. Jetzt also hält wieder die "Steuerquote" als Argument her. Das Verhältnis von Steuerjn zum Sozialprodukt sei mit 20 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau, wettern die Genossen. Recht haben sie. Nur, ist das entscheidend? Während andere Staaten auch ihre Sozialsysteme über Steuern finanzieren, sind es bei uns Extraabgaben für Renten-, Gesundheits- und Pflegesystem. Obendrein wird jeder zweite Euro in Deutschland vom Staat ausgegeben. Einige andere Gegenargumente liefert noch die FAZ: "Die volkswirtschaftliche Steuerquote ist in Deutschland unter Schwankungen gesunken. Dies hat drei Gründe. Erstens wird seit 1996 das Kindergeld nicht mehr als Ausgabe gebucht, sondern als Abzug bei der Lohnsteuer. Das trug zum zwischenzeitlichen Tief im Jahr 1997 bei. Zweitens spiegelt die Steuerquote auch die Wirtschaftslage wider, weil wegbrechende Gewinne das Aufkommen aus der Körperschaftsteuer und auch aus der Einkommensteuer belasten. Unter anderem hierin gründet der Rückgang in den Jahren 2001 bis 2004. Drittens ist die Steuerquote ein Ergebnis der Finanzpolitik. So trugen die rot-grünen Steuersenkungen ebenfalls zum jüngsten Rückgang der Steuerquote bei, wie auch die Steuersenkungen der achtziger Jahre durch die damalige Regierung von Union und FDP."

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06 April, 2006

Rechtschreibreform: Seminare mit Lisa Walgenbach

--- Nun also gilt die neue Rechtschreibung und löst entsprechenden Beratungs- und Lernbedarf aus. Zu den wohl renommiertesten Lehrerinnen gehört Lisa Walgenbach, die auf diesen Seiten bereits die "alte" neue Rechtschreibung präsentiert hat. in Kürze wird sie auch die neuen Regeln vorstellen; wir empfehlen professionellen Nutzern der deutschen Sprache dennoch, Ihre Seminare zur Vertiefung zu besuchen. Anbei eine OTS-Pressemitteiluhng für Seminartermine mit ihr, die die DPA-Tochter news aktuell anbietet: "Die Teilnehmerzahl je Termin ist aufmaximal 16 Personen begrenzt. Die Termine:
8. Mai in Frankfurt
15. Mai in Köln
23. Mai in München
31. Mai in Hamburg
8. Juni in Berlin
Die Teilnehmer des Seminars erhalten von der Referentin LisaWalgenbach einen Überblick über das Reformwerk. Sie erfahren, wie sieein Gefühl für die neuen Schreibweisen entwickeln. Lisa Walgenbachbeleuchtet weiterhin die Ziele, den Umfang und die Bedeutung der Rechtschreibreform. Die neuen deutschen Rechtschreibregeln werdenabschließend ausführlich erläutert: Worttrennung, Zeichensetzung, Fremdwortschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- undZusammenschreibung oder die Verwendung des Bindestriches. Mehr Informationen und Anmeldungen zu diesem Workshop unter http://mediaworkshop.newsaktuell.de/workshop.htx?id=638"

Kontakt zu Lisa Walgenbach kann über unsere Seite aufgenommen werden.

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04 April, 2006

Gazprom: Nach Rohstoffen jetzt Medien

--- In Russland ist die Welt noch eine andere. Gerhard Schröder stört das wenig, der die deutsch-russische Freunschaft pflegt und umstrittener Aufsichtsratschef der Gaspipeline-Gesellschaft ist, die eine Pipeline durch die Ostsee plant und an der neben BASF und Eon vor allem Gazprom beteiligt ist. Nun will Gazprom und damit der russische Staat offenbar seinen Einfluss auf die Medien weiter ausweiten, wie die Netzeitung berichtet. "Russlands Präsident Wladimir Putin versucht offenbar, die Kontrolle des Kremls über die Medien noch weiter auszubauen. Die russische Zeitung «Wedomosti» berichtete am Dienstag, der staatlich kontrollierte Gasmonopolist Gasprom biete für die als unabhängig und liberal geltende «Kommersant»-Gruppe. Sie gibt eine Tageszeitung und mehrere Magazine heraus. Das Blatt beruft sich auf Kreise." Gazprom gehört zu den wichtigsten Gaslieferanten in Europa. Eon hält eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen. Die Pressefreiheit ist in Russland eben eine andere als in Deutschland. Reporter ohne Grenzen beklagt seit langem die mangelnde Pressefreiheit in Russland.

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02 April, 2006

Reporting und/oder writing

--- Welche Rolle soll der Journalist einnehmen? In Deutschland nimmt die Debatte um diese Frage langsam an Fahrt auf. Chefredakteure versuchen vermehrt, das angelsächsische Prinzip einzuführen, wonach es den Reporter auf der einen Seite gibt, der versucht, investigativ zu recherchieren. Auf der anderen Seite sitzt in der Redaktion der Writer, der die gesammelten Fakten zu einer Story formt. Der Gedanke dabei: Der Journalist ist nicht wie in Deutschland ein Allrounder, sondern ein Spezialist auf seinem Gebiet. Befürworter sehen darin die Chance, dass verstärkt Skandale aufgedeckt werden, weil mehr Zeit zum recherchieren da sei.

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