28 Februar, 2006

Rechtschreibung:Empfehlungen übergeben

--- Nun ist es soweit: Der Rat für Rechtschreibung hat seine Vorschläge unterbreitet, die einen Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegner der Rechtschreibreform ermöglichen sollen. Doch die Kritiker wollen nicht so recht: Die FAZ, die gleich die alte Rechtschreibung beibehalten hat, spricht heute von einem "Kuhhandel". "Was steht nun in den Empfehlungen des Rechtschreibrats? Zum Beispiel, daß Wortverbindungen wie „kennenlernen” und „kleinschneiden” auch „kennen lernen” und „klein schneiden” geschrieben werden können. Daß es „querlesen”, aber „quer liegen” heißen muß. Daß „Freestyle” und „Hightech” zusammen, aber „Round Table” auseinander geschrieben wird. Daß „Leid tun” gestrichen wird, aber „Rad fahren” bleibt. So will es angeblich der „existierende Gebrauch”, das „Akzentmuster”, die Sprachpraxis.
Wer aber definiert diese Praxis? Das waren, wie Zehetmair einräumte, die Mitglieder des Rates für Rechtschreibung: achtzehn Deutsche, je neun Österreicher und Schweizer, je ein Vertreter aus Südtirol und Liechtenstein. In strittigen Fragen wurde mit Zweidrittelmehrheit entschieden. Beim „Round Table” etwa gaben die Schweizer Stimmen den Ausschlag, und auch „kennen lernen” geht auf Schweizer Wünsche zurück.
Es gab, mit anderen Worten, einen Kuhhandel um die deutsche Rechtschreibung, einen Interessenausgleich, wie er auch in anderen Kommissionen üblich ist. Damit hat der Rat den Geburtsfehler der Rechtschreibreform fortgeschrieben. Nicht die Sprachgemeinschaft, sondern ein supranationales Gremium hat festgelegt, wie die deutsche Sprache zu handhaben sei. Dessen Empfehlungen mögen von Fall zu Fall vernünftig sein, als Ganzes sind sie ein Unding, ein Octroi."

Wenn die Regeln verbindlich werden sollten - womit im Frühjahr gerechnet wird - wird auf dieser Seite Lisa Walgenbach die neuen Regeln im Detail erklären.

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Interviewtechnik: Lernen von Friedmann

--- Die Welt am Sonntag veröffentlicht in unregelmäßiger Reihenfolge Interviews, geführt von Michel Friedmann. Das Pikante: Die Interviews erscheinen unautorisiert, also eins zu eins. Für den Interviewten bedeutet das, genau zu überlegen, was er sagt. Für den Interviewer bedeutet das, sich akribisch vorzubereiten. Friedmann ist dafür die perfekte Besetzung: Er beherrscht es, Interviews zu "führen" und vor allem sprachliche Versteckspiele des Gegenübers zu entlarven und durch gezielte Nachfragen offenzulegen. Diese Woche war der Innenminister von Bayern, Günther Beckstein, dran.
Beispiel für die Vorbereitung auf die Person, die einem gegenüber sitzt:
"Beckstein: Ich kann mir nicht vorstellen, daß Deutschland sich in irgendeiner Weise an einer militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten beteiligt.
Friedmann: Das sagt übrigens auch Herr Platzeck - und widerspricht der Bundeskanzlerin. Er sagte, für die SPD ist jegliche militärische Intervention gegenüber dem Iran ausgeschlossen. Obwohl der Iran in diesen Tagen Urananreicherung begonnen hat, obwohl der Iran Rußland die Rote Karte gezeigt hat. Übt sich Platzeck in Opportunismus und Populismus vor den Landtagswahlen?
Beckstein: Ich kann die Äußerungen von Platzeck nicht bewerten, sondern nur für mich sagen ...
Herr Beckstein, Herr Beckstein, natürlich bewerten wir. Sie sind ein führender Politiker der CSU. Natürlich müssen Sie, können Sie, sollten Sie eine Äußerung von Herrn Platzeck, der Ihrer Kanzlerin so deutlich widerspricht, nicht schüchtern ausweichen!"

Auch scheut sich Friedmann nicht, Aussagen in verständliches Deutsch zu transportieren, wenn der Politiker sein Politikerdeutsch verwendet:
"Friedmann: Das war die offizielle Version, kommen wir zur inoffiziellen. Ist Stoiber wirklich der beste Mann für Bayern und die CSU? Jetzt mal ganz ehrlich, es hört uns ja keiner zu.
Beckstein: Ja, er hat ja auch in den vergangenen zwölfeinhalb Jahren hervorragende Arbeit geleistet.
Friedmann: Was nicht heißt, daß die Zukunft genauso hervorragend sein muß.
Beckstein: Er strengt sich außerordentlich an, arbeitet in einem ungeheuren Maße und bemüht sich, bestimmte Schwachstellen wieder zu beheben.
Friedmann: Wenn mein Lehrer mir so ein Zeugnis ausgestellt hätte, wüßte ich, daß ich eigentlich durchgefallen bin. Herzlichen Dank, Herr Beckstein!"

Im Januar hatte Friedmann bereits Claudia Roth von den Grünen interviewt und wunderbar entlarvt. Damals ging es um die Frage, ob die Grünen als Friedenspartei trotz ihrer Ikone Fischer einen Untersuchungsauschuss zu BND-Affaäre wollen, oder nicht.

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14 Februar, 2006

Tagesspiegel: Drohung wegen Karrikatur

--- Langsam nimmt die Debatte um den Islam, Karrikaturen und die Pressefreihet groteske Züge an. Wir veröffentlichen kommentarlos folgende Pressemitteilung des Deutschen Journalistenverbandes: "Der Deutsche Journalisten-Verband hat gegen das Schreiben der iranischen Botschaft vom gestrigen Nachmittag protestiert, mit dem der Tagesspiegel zur Entschuldigung für eine Karrikatur zur Fußball-WM aufgefordert wird. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken bezeichnete die Forderung als dreisten Versuch, Einfluss auf die unabhängige Berichterstattung einer deutschen Zeitung zu nehmen. "Wir lassen nicht zu, dass die iranische Regierung die Deutungshoheit über die Pressefreiheit in Deutschland erlangt", sagte Konken. Der Brief an den Tagesspiegel zeige, dass die iranische Interpretation des Begriffs Pressefreiheit nicht auf dem Boden von Demokratie und Freiheit fuße. Das Botschaftsschreiben sei im Zusammenhang mit den Morddrohungen gegen den Tagesspiegel-Karikaturisten unverantwortlich.Der Tagesspiegel hatte am 10. Februar eine Karikatur veröffentlicht, auf der im ersten Bild iranische Fußballspieler mit Sprengstoffgürteln und im zweiten Bild Bundeswehrsoldaten zu sehen waren. Darüber stand: "Warum bei der WM unbedingt die Bundeswehr zum Einsatz kommen muss!!" Gegen den Karikaturisten gingen seitdem mehrere Morddrohungen ein."
Diskussion im FORUM.

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01 Februar, 2006

Mohammad-Karrikaturen: Angriff auf Pressefreiheit?

--- Da droht die islamische Welt nachdem die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten" Karrikaturen, die den Propheten Mohammad darstellen, veröffentlicht hat, mit Mord, Bombenanschlägen und Boykottdrohungen der arabischen Welt, und schon kuscht Europa. Erst entschuldigt sich die Zeitung, dann sogar Dänemarks Regierungschef Rasmussen. Obendrein schweigen die deutschen Zeitungen, anstatt sich auf die westlichen Werte zu besinnen und die Meinungs- und Pressefreiheit hochzuhalten. Klagen wir, wenn die islamische Welt Staatsfahnen verbrennt? regen wir uns auf, wenn jemand Witze über Jesus macht? Das ist die eine Seite. Dagegen sollte jeder versuchen, die Einstellungen der anderen Seite zu verstehen. Empfohlen dazu sind die Kommentare bei unserem Partner-Blog, Spindoktor, der sich auch zu dem Thema äußert.
Die Taz gibt zu bedenken: "Sie wusste, was für ein Süppchen sie da kochte: Die dänische Zeitung Jyllands-Posten (JP), die als Sprachrohr des rechtsreaktionären Dänemark gilt, kann auf eine ungute Vergangenheit des unverblümten Antisemitismus in den Dreißigerjahren zurückblicken. Heute kühlt sie ihr Mütchen lieber an Einwanderern mit einem publizistischen Kurs, der sich vor allem gegen Muslime richtet."
Die Welt setzt das Thema heute auf die Seite 1. "Dafür gebührt ihr großes Lob!", schreibt der rechtskonservative Blog PI. Die Bloggerszene diskutiert derzeit schon eifrig das Thema. "Freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit decken Karikaturen und damit diesen “Fall” völlig ab und sind in einer offenen Gesellschaft erwünscht", schreibt Blogressiv. Das Blogamt schreibt: "Was soll der ganze Unsinn nur? Die Dänen entschuldigen sich offiziell, weil eine ihrer Zeitungen geschmacklose Karikaturen abgdruckt hat und die muslimische Welt jetzt wütend ist. Islamische Staaten ziehen ihre Botschafter aus Kopenhagen ab." Espergesia dazu: "Trauriger Tag für die freie Welt."
Diskussionen im Forum.

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Springer gibt auf

--- Nach langem hin und her gibt der Springer-Verlag seine Pläne auf, die ProSieben Sat1 Media AG zu übernehmen. Offiziell heißt es: "Der Vorstand der Axel Springer AG und das Board der P7S1 Holding L.P. haben gemeinsam beschlossen, die Pläne zur Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG nicht weiterzuverfolgen.Das Bundeskartellamt hatte den beabsichtigten Erwerb der ProSiebenSat.1 Media AG am 23. Januar 2006 untersagt. Die Axel Springer AG hatte daraufhin angekündigt, die ihr zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen zu prüfen.Nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung sind die Axel Springer AG und die P7S1 Holding L.P. zu der Auffassung gelangt, daß auf Grund der zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten eines möglichen Klageweges oder eines möglichen Ministererlaubnisverfahrens für alle Beteiligten unzumutbare Risiken entstünden. Damit werden weder der Aktien- und Geschäftsanteilskaufvertrag zwischen der Axel Springer AG und der P7S1 Holding L.P. vom 5. August 2005 noch das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der Axel Springer AG an die Aktionäre der ProSiebenSat.1 Media AG vom 16. September 2005 vollzogen werden. " Diskutiert im Forum.

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