26 Oktober, 2004

Freiheit für die Presse

--- Ein interessantes Urteil hat der Presserechtler Kurt Braun für den ABZV aufgespießt. Im aktuellen November-Newsletter schreibt er: "Zeitungen sind auch im Wahlkampf nicht verpflichtet, über extremistische Parteien zu berichten. Der Fall: Eine Tageszeitung hatte im Vorfeld einer Bezirkstagswahl die größeren Parteien und Wählergemeinschaften mit Kandidaten und Auszügen aus ihren Programmen vorgestellt. Nicht berücksichtigt wurde eine mutmaßlich aus ehemaligen NPD- und DVU-Mitgliedern bestehende kleinere Partei aus dem rechten Spektrum, die nur mit drei Zeilen und ohne Bild erwähnt worden war. Diese fühlte sich übergangen und beantragte beim Landgericht im Wege der einstweiligen Verfügung den Verlag zu verurteilen, sie in gleicher Weise ins Blatt zu heben wie die anderen Gruppierungen.
Das Gericht verurteilte Verlag und Redaktion zunächst wie beantragt, hob dann aber seine eigene Entscheidung auf Widerspruch des Verlages auf. Begründung nun (die haarscharf an einer Zensur vorbeischlitterte): „Wenn die Redakteure die klagende Partei nur kurz erwähnt haben, kann das im Hinblick darauf, dass diese Partei nicht verschwiegen, sondern nur kurz mit ihren Zielen dargestellt wurde, noch nicht beanstandet werden." Tacheles redete in der Berufung das Oberlandesgericht Zweibrücken, das einen Anspruch der Partei auf Aufnahme in den redaktionellen Teil verneinte. Die Richter schlossen sich einer vom Verlag vorgelegten früheren Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts an. Darin heißt es, seinerzeit allerdings bezogen auf Wahlkampfanzeigen: „Abgesehen davon ist die Presse bei der Auswahl von Nachrichten und in der Veröffentlichung von Meinungen frei. Anders als die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist die von privater Hand betriebene Presse nicht zur Neutralität im Wahlwettbewerb der politischen Parteien verpflichtet." Das Oberlandesgericht erstreckt diese Aussage des Bundesverfassungsgerichts erstmals auf rein redaktionelle Veröffentlichungen in einer Tageszeitung."(AZ 4 U 246/99 OLG Zweibrücken)
Unser Tipp: Über rechtsextreme Parteien kann gar nicht genug im Wahlkampf berichtet werden, wie anders sollen sie ansonsten entlarvt werden? Wenn sich Journalisten nicht mit ihnen beschäftigen, können sie auch keine vernünftigen Interviews führen, wie man am Wahlabend der Sachsenwahl ja leider bei den Öffentlich-Rechtlichen bestaunen musste.

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21 Oktober, 2004

Lesen in Ost und West

--- Der Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) hat wieder einmal prüfen lassen, was Ostdeutsche und Westdeutsche gerne lesen, hören und sehen. Dazu hat Allensbach festgestellt, dass "das Interesse an politischen Themen in Ostdeutschland erheblich geringer ausgeprägt" sei. "Die politischen Magazine wie Stern, Spiegel oder Focus werden in den neuen Ländern durchschnittlich nur halb so viel gelesen wie im Westen. Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Lektüre von Leitartikeln in Zeitungen wider, die von 46 Prozent der Westdeutschen, aber nur 35 Prozent der Ostdeutschen gelesen werden. Beim Fernsehkonsum liegen die weniger informationslastigen privaten Sender klar vor den öffentlich-rechtlichen Programmen. Basis der Langzeitanalyse von 1990 bis heute sind rund 20.000 Interviews - davon 4.000 in den neuen Ländern - sowie die jährlichen Erhebungen zur Reichweitenentwicklung und Leserstrukturen der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalysen." Die Studie nennt als Grund das ausgeprägte Identitätsgefühl der Ostdeutschen (was umgekehrt für die Westdeutschen gelten dürfte) und damit das fehlende gesamtdeutsche Gefühl.

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20 Oktober, 2004

PR-Text oder recherchierter Text

--- In Zeiten knapper Kassen überlegen auch Zeitungen, wie sie ihre Seiten füllen können, ohne viel Geld dafür auszugeben. Während es bei Lifestyle-Magazinen, Reise- oder Motorseiten bekannt ist, dass es immer wieder zu Verquickungen von PR-Interessen und journalistischen Texten kommt, nimmt dieser Trend nun auch in anderen Bereichen zu. Wie PR-Verkäufer in die Zeitungen gelangen, berichtet Dieter Simon in einer älteren Ausgabe von Message.

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Ohne Geld keine Qualität?

--- Der deutsche Zeitungsmarkt muss weiter mit der Rezession leben. Wie die FTD heute berichtet, geht es immer noch nicht aufwärts mit dem Anzeigengeschäft. Entsprechend gibt es wieder Berichte, dass der Stellenabbau weiter vorangetrieben wird. Unterdessen versucht der Holtzbrinck-Verlag, mit seinem Tabloid "NEWS" den Zeitungsmarkt für junge Leser zu erschließen. Das bedenkliche Prinzip: Jung-Journalisten werden unter Tarif eingestellt und bearbeiten vor allem Texte von Kooperations-Zeitungen wie dem Handelsblatt und der Wirtschaftswoche und heben diese dann in die Zeitung. Obendrein werden noch Texte aus Bloggern kostenlos übernommen, wie im neuen Medium-Magazin zu lesen ist. Wo bleibt da der Qualitätsjournalismus, wenn den Verlagen das Geld ausgeht?

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18 Oktober, 2004

Meldeschluss an Journalistenschulen

--- Wer sich an einer Journalistenschule bewerben will, sollte sich sputen. Bei der Deutschen Journalistenschule in München etwa müssen bis zum 10. Dezember 2004 die Bewerbungsunterlagen angefordert werden. Bis zum 14. Januar 2005 ist dann Einsendeschluss für das komplette Bewerbungspaket. "Im April findet dann der zweitägige Aufnahmetest an der DJS statt. Die Erfolgreichsten werden im Herbst 2005 (Kompakt und eine Gruppe des Aufbaustudiengangs) bzw. im April 2006 in der "Kaderschmiede" (Süddeutsche Zeitung) begrüßt."
Ähnliches gilt für die Henri-Nannen-Schule in Hamburg. "Das nächste Auswahlverfahren startet im November 2004 mit einem Inserat im Stellenmarkt der ZEIT. Zugelassen sind die Jahrgänge von 1977 bis 1986. Der 30. Lehrgang, der aus dieser Prüfung hervorgeht, beginnt im Oktober 2005 und endet im April 2007", heißt es dort.

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17 Oktober, 2004

Neues Layout

--- Mit einem neuen Layout geht es weiter auf der Homepage. In der Randspalte finden sich Tipps rund um den Journalismus sowie die Jobbörse und Links zu interessanten Seiten. In der Meldungsspalte wollen wir versuchen, regelmäßig Infos aus der Medienbranche und zur Ausbildung zu bringen. Wer Tipps, Infos oder anderes beizutragen hat, melde sich bitte bei uns.