13 Dezember, 2009

Nachrichten und mehr

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Die Redaktion

05 August, 2008

Scheinbar anscheinend

--- Manch einer verzweifelt wieder und wieder an Begriffspaaren und deren gleich klingenden aber anders meinenden Bedeutung. Heute erklärt Lisa Walgenbach, wann es "anscheinend" und wann "scheinbar" heißt.

Manche Wörter klingen ähnlich, da sie über einen gemeinsamen Wortbestandteil verfügen. Ihre Bedeutung ist deshalb jedoch keineswegs identisch.

Oftmals werden im alltäglichen Sprachgebrauch das Adverb anscheinend und das Adjektiv scheinbar fälschlicherweise nicht unterschieden. Dabei gilt folgende Differenzierung:

• anscheinend (= dem Anschein nach, möglicherweise, vermutlich, offensichtlich, wahrscheinlich), z. B.
An diesem Sommertag ist es besonders schwül; dunkle Wolken ziehen auf; anscheinend gibt es ein Gewitter.
Der Fußballspieler fasste sich während des Trainings plötzlich an sein linkes Fußgelenk und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz; anscheinend hatte er sich eine Verletzung zugezogen.

• scheinbar ([nur] zum Schein, nicht in Wirklichkeit), z. B.
Scheinbar bewegt sich die Sonne um die Erde.
Die Sonne versinkt abends scheinbar im Meer.

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21 Juli, 2008

Recherche: Traue keinem Gerücht!

--- Warum nicht einfach etwas aufschreiben, wenn es einer einem erzählt hat und vielleicht sogar als Fachmann gilt? Es ist wie im Leben: In allem steckt ein Fünkchen Wahrheit, aber oftmals leider wirklch nur ein Fünkchen. Das aber reicht nicht aus, um andere ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu zerren unter dem sie im Zweifel verbrennen. Spindoktoren nutzen dieses Instrument gerne, um den Gegner zu desavouieren oder zumindest die eigenen Mandanten in einem besseren Licht darzustellen.
Vergangene Woche gab es wieder eine Vielzahl von Fällen, bei denen die Gerüchte entscheidend waren und dabei verherrende Folgen hatten.
1. Der Fall Madeleine: Ein Verdächtiger kassiert jetzt von elf britischen Zeitungen eine Entschädigung von 755 000 Euro. Außerdem veröffentlichen die Blätter eine Entschuldigung. Sie hatten den Eindruck erweckt, der Verdächtige habe etwas mit dem Verschwinden der drei Jahre alten Madeleine in Portugal zu tun. Die Zeitungen hätten sein Leben zerstört, hatte er vor Gericht gesagt.

2. Der WDR (Monitor) berichtet vom Fall des Kölner Fliesenlegers Josef Hoss, der von einem Polizeikommando überfallen wurde, weil er angeblich Handgranaten bei sich zu hause versteckt hatte.
"Damals hatte er mit seinen Nachbarn Streit. Sie erzählten sich, der Hoss besäße Handgranaten und meldeten das der Polizei. Um sein Haus zu durchsuchen, nahmen ihn 16 Elitepolizisten fest. Da saß er gerade im Auto.

Josef Hoss: "Dann kamen hinten acht Mann 'raus gelaufen, von vorne, und dann haben sie Scheiben eingeschlagen und haben mich mit 'nem Gummiknüppel traktiert, die Brust kaputtgeschlagen und ins Gesicht und haben mich raus gezogen, haben mich dann auf die Straße geschmissen, und dann haben sie mich gefesselt mit drei, vier Mann, haben … dass ganze Gelenk oben, das knackte alles. Und dann haben sie mir Handfesseln. Und wie ich gefesselt mit dem Gesicht auf dem Pflaster lag, hat mir einer links in die Rippen getreten, dann habe ich noch einen Riesentritt gekriegt rechts in die Rippen und einer ist mir in den Rücken gesprungen oder getreten mit einem Kampfstiefel. Und dann habe ich das Bewusstsein verloren."

Die Bilanz des Einsatzes: Hoss hatte keine einzige Handgranate. Ein unschuldiger Bürger wurde von der Polizei arbeitsunfähig geprügelt. Rippenbrüche, schwere Prellungen, Schäden an der Wirbelsäule. Hoss musste seine Firma auflösen, das Haus verkaufen und ist heute schwer behindert. Das Strafverfahren gegen die Kölner Beamten wurde eingestellt, denn keiner der Polizisten konnte sich genauer erinnern, was sie da mit Bürger Hoss veranstaltet hatten."


3. Die FTD berichtet wie der Finanzkonzern Bear Stearns in der Finanzkrise durch Gerüchte in die Pleite getrieben wurde.
" Doch ab jenem Montag, dem 10. März, beginnt das Drama, als das "Wall Street Journal" und der TV-Sender CNBC über Probleme bei Bear Stearns berichten. Die Aktie, die ein Jahr zuvor noch 170 $ wert war, fällt auf 63 $, der Handelsumsatz explodiert. Noch halten alle Geschäftspartner zu Bear Stearns, noch sind deren Geldspeicher voll. Doch dann stellt sich Schwartz CNBC-Korrespondent David Faber zum Interview.

Als der ihn fragt, ob die Gerüchte stimmten, dass Banken ihre Geschäfte mit Bear Stearns eingestellt haben, und Schwartz keine überzeugende Figur abgibt, ist für viele klar: Das ist der Anfang vom Ende. Nichts ist für Banken so wichtig wie ihre Glaubwürdigkeit - Zweifel daran können der Sargnagel sein. Tags drauf stellen massenhaft Banken und Fonds ihr Geschäft mit Bear Stearns ein. Die Bank kann sich kaum noch am Kapitalmarkt refinanzieren, ihre Barreserven schmelzen wie Butter in der Sonne. "Die institutionellen Investoren haben gesagt, dass sie mit Bear Stearns nichts mehr zu tun haben wollen - ohne einen Grund zu nennen", sagt ein Insider.

Am Wochenende darauf ist Bear Stearns zwar vorübergehend gerettet dank eines 28-tägigen Überbrückungskredits, den die Fed via JP Morgan gewährt. In der Zentrale der Bank an der Park Avenue aber geben sich die "Heuschrecken" die Klinke in die Hand: KKR, Flowers, die üblichen Verdächtigen. Übrig bleiben Dimon und JP Morgan, die Bear Stearns für lächerliche 10 $ je Aktie schlucken. Angetrieben von der Fed und Finanzminister Henry Paulson, dem Ex-Chef von Goldman Sachs, die keine vier Wochen warten wollten, ob sich Bear Stearns wieder erholt. "Die wollten ein Exempel statuieren und klarmachen, dass die Bear-Banker leiden sollen, nicht der Staatshaushalt", sagt einer, der die Vorgänge gut kennt. "Warum hat die Fed nur 20 Minuten nach dem Verkauf an JP Morgan allen anderen Investmentbanken ihr Liquiditätsfenster geöffnet und nicht vorher schon Bear Stearns?"



UPDATE: Hier ist noch ein weiterer Fall.

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10 Juli, 2008

Zitate: Gysi und die Stasi

--- Ja, man kann klagen gegen öffentlich gemachte Aussagen anderer über einen selbst, wenn man der Auffassung ist, dass diese nicht stimmen. Für Journalisten heißt das, Vorsicht walten zu lassen (siehe Meldung).
Gregor Gysi hat dies exerziert und immer wieder gegen die Behauptung anderer geklagt, er sei Spitzel bei der Stassicherheit der DDR gewesen. Jetzt aber hat er zwei Verfahren verloren, durch die er gegen das ZDF eine Gegendarstellung erwirken wollte.
Was ist passiert? Weil er immer wieder über die Jahre geklagt hatte, spornte das die Rechercheure an, die immer mehr über ihn gefunden haben, so dass das Gericht in Hamburg jetzt gesagt hat, dass es wohl o.k. sei zu sagen, Gysi habe als Anwalt in der DDR "wissentlich und willentlich an die Stasi berichtet", wie Marianne Birthler, Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, es im Fernsehen formuliert hatte.

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18 Juni, 2008

Die Arbeit des Redakteurs

--- In einem lesenswerten Beitrag hat Lawrence Downes in der New York Times erklärt, welche Leistung ein Redakteur erbringt. In Zeiten des Content Managements sehr lesenswert:
I went to the Newseum, a shiny new building in Washington that news companies and foundations have erected as a shrine to their industry. Since it’s my industry, too, I thought a museum, where sacred relics and texts have been placed safely in the equivalent of a big glass jar, might make me hopeful about the future.
“Where’s the section on copy editing?” I asked the guy at the entrance.
He wasn’t sure. “Try Internet, TV and Radio, on the third floor.”
“For copy editing? Newspaper copy editing?”
He checked with a colleague. “News History, on five,” she said.
Ouch. Copy editors are my favorite people in the news business, and many I know are still alive and doing what they do. As it happened, I couldn’t find anything about them on the fifth or any other floor. A call later confirmed that the museum has essentially nothing about how newspapers are made today, and thus nothing about the lowly yet exalted copy editor.


Tja - sind wir jetzt schon Geschichte und wissen es nur noch nicht?

I was one for a long time, and I know that obscurity and unpopularity are part of the job. Copy editors work late hours and can get testy. They never sign their work.
As for what they do, here’s the short version: After news happens in the chaos and clutter of the real world, it travels through a reporter’s mind, a photographer’s eye, a notebook and camera lens, into computer files, then through multiple layers of editing. Copy editors handle the final transition to an ink-on-paper object. On the news-factory floor, they do the refining and packaging. They trim words, fix grammar, punctuation and style, write headlines and captions.
But they also do a lot more. Copy editors are the last set of eyes before yours. They are more powerful than proofreaders. They untangle twisted prose. They are surgeons, removing growths of error and irrelevance; they are minimalist chefs, straining fat. Their goal is to make sure that the day’s work of a newspaper staff becomes an object of lasting beauty and excellence once it hits the presses.
Yeah. Presses. It has probably already struck you how irrelevant many of these skills may seem in the endlessly shifting, eternal glow of the Web.
The copy editor’s job, to the extent possible under deadline, is to slow down, think things through, do the math and ask the irritating question. His or her main creative outlet, writing clever headlines, is problematic online, because allusive wordplay doesn’t necessarily generate Google hits. And Google makes everyone an expert, so the aging copy editor’s trivia-packed brain and synonym collection seem not to count for as much anymore.
The job hasn’t disappeared yet, but it is swiftly evolving, away from an emphasis on style and consistency, from making a physical object perfect the first time. The path to excellence is now through speed, agility and creativity in using multiple expressive outlets for information in all its shapes and sounds.
As newspapers lose money and readers, they have been shedding great swaths of expensive expertise. They have been forced to shrink or eliminate the multiply redundant levels of editing that distinguish their kind of journalism from what you find on TV, radio and much of the Web. Copy editors are being bought out or forced out; they are dying and not being replaced.

Die Folgen aber sind fatal, weil eine Nachricht nicht vor Veröffentlichung geprüft, sondern bei möglichen Fehlern einfach schnell korrigiert wird. Dann aber ist die falsche Meldung schon in der Welt. Wie schwer diese aus der Welt zu schaffen sind, davon können PR-Profis ein Lied singen. Nicht ohne Grund versuchen Agenda-Setter, Diskussionen durch den Erstbeitrag zu steuern.

07 Mai, 2008

Traumberuf Journalismus

06 Mai, 2008

Interview: Wenn einer lügt

--- Was ist eigentlich, wenn ein Interviewpartner die Unwahrheit sagt und der Journalist es abdruckt, ohne davon zu wissen? Im aktuellen Newsletter des ABZV wird ein spannender Fall beschrieben, weshalb wir die Meldung gerne an dieser Stelle abdrucken.

Lügen-Geschichten
Die Zivilkammer 24 des Landgerichts Hamburg war schon bislang nicht dafür bekannt,
übermäßig pressefreundlich zu sein. Jetzt setzt sie mit einem weiteren Urteil alles daran,
erneut Medien-Geschichte zu schreiben. Wenn es in der Berufung Bestand hat, haben
fortan alle Redaktionen Probleme mit Interviews.
Die ganze Geschichte: Im vergangenen Sommer ziehen der Kabarettist Dieter Hildebrandt
und der Moderator Roger Willemsen mit ihrem Bühnenprogramm „Ich gebe Ihnen mein
Ehrenwort“ durchs Land, in dem sie über die Lügen der Menschheit schwadronieren. Zur
Vorberichterstattung wird Willemsen von einem Journalisten interviewt. Magazine und
Zeitungen drucken den Text, auch die Saarbrücker Zeitung. Darin wird Willemsen so
zitiert: „Das Focus-Interview, das Markwort mit Ernst Jünger geführt haben will, war schon
zwei Jahre zuvor in Bunte erschienen.“ Dumm nur, dass diese Behauptungen unstrittig
unwahr sind. Aber kann das die Zeitung wissen, als sie das Interview druckt? Muss sie
auch dann alle Fakten überprüfen, wenn sie im O-Ton berichtet? Egal, ob der
Gesprächspartner ein Moderator, ein Bürgermeister, ein Firmenchef ist?
Burdas Haus-Kanzlei Professor Schweizer klagt auf Unterlassung gegen die Saarbrücker
Zeitung. Nicht in München, nicht in Saarbrücken – in Hamburg, wo man das passende
Urteil erwartet. Es geht um den sperrigen Begriff der so genannten Verbreiterhaftung. Und
so urteilten jetzt die Richter: „...ist es für das Eingreifen einer Verbreiterhaftung bei der
Veröffentlichung eines Interviews nicht erforderlich, dass der intellektuelle Verbreiter (die
Zeitung, d.R.) sich die Formulierungen zu eigen macht. Vielmehr ist eine Distanzierung
erforderlich, damit ein Entfallen der Verbreiterhaftung in Betracht kommt.“ Die
Pressekammer erkannte sogar eine Wiederholungsgefahr, auch wenn die Zeitung
versicherte, das Interview nicht ein zweites Mal drucken zu wollen. „Damit stellt sie
lediglich ihre aktuelle Absicht dar, die sich in der Zukunft ändern kann.“ (AZ 324 O 998/07)
In einem anderen Verfahren gegen die FAZ hatte das Oberlandesgericht München
geurteilt: „...trifft den Verleger bei Abdruck eines Interviews nur eine eingeschränkte
Prüfungspflicht. Sie muss nur vorgenommen werden, wenn die vom Interviewpartner
aufgestellten Behauptungen eine besonders schwere Beeinträchtigung von
Persönlichkeitsrechten enthalten.“ (AZ 18 U 4341/06)

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